Bass lernen, um ein noch besserer Drummer zu werden

  • Ich habe vor kurzem auch angefangen Bass zu lernen. Allerdings finde ich es schwierig: dadurch, dass ich schon so lange Schlagzeug spiele, habe ich einen gewissen musikalischen Anspruch an mich selbst, den ich am Bass als Anfänger meilenweit nicht erreiche, vermutlich niemals erreichen werde. Ich weiss nicht, ob das auf Dauer befriedigend ist. Der andere Aspekt - das zweite Instrument nimmt Übezeit weg, die ich sonst ins Schlagzeug gesteckt hätte. Ich bin mir noch nicht sicher, wo die Übezeit besser investiert ist.


    Ich bin mir, mit anderen Worten, noch nicht darüber im klaren, ob ich das mit dem Bass weiter durchziehen werde oder lieber nicht.

  • Hmm noch ein weiteres Instrument?


    ich behaupte einfach mal das Drummer das beste Taktgefühl haben. Ein guter Drummer kann ins Bassfell herein und auch herausspielen, dann dabei gleichzeitig noch eine 16tel Hihat mit beiden Händen Up & Downstroke spielen & bei Breaks das Tempo switchen und Akzente setzen. Die vielen Becken müssen auch richtig anschlagen werden, dann musst du noch beachten das der Sound dynamisch ist (die richtige Lautstärke). Und das ist bestimmt noch lange nicht alles.


    Drummer sind musikalisch gesehen schon die Krönung der Säugetiere 😎


    Ein Drummer spielt nicht in einer Band, sondern die Band darf beim Drummer mitspielen 😅👍

  • Drummer sind musikalisch gesehen schon die Krönung der Säugetiere

    Interessant. Das Schlagzeug ist doch eher ein junges Instrument und musste sich erst den Platz als vollständiges Instrument erkämpfen.

    Aber sich auf den Marktplatz stellen und brüllen" Ich bin der König der Welt" würde ich bleiben lassen.

    Tastendrücker oder Saitenzupfer benutzen all ihre Finger. Wenn du einzeln mit deinen Finger ein Solo aufs Brett legst, dann neige ich mein Haupt vor dir. Vorher aber nicht ;)

  • Meine Idee ist es, nicht nur ein neues Instrument zu lernen, sondern die Struktur und das Zusammenspiel der Instrumente noch besser zu verstehen.


    Nicht nur Drummer zu sein, sondern noch Harmonieinstrumente zu lernen, ist sicher sehr sinnvoll. Um das Zusammenspiel besser zu verstehen, muss man aber auch zusammen spielen wollen, was du in einem anderen Beitrag ja ausschließt. Wenn du - gilt für beide Instrumente - wirklich lernen willst, was Zusammenspiel ausmacht, dann solltest du deine Abneigung gegen Bands irgendwann aufgeben. Alles andere ist Käse. Mir käme das vor, als ob jemand eine Sprache lernen wollte, ohne jemals in dieser Sprache Konversation zu betreiben. Da bleibt dann wie im Lateinunterricht in der Schule nur bruchstückhaftes Wissen übrig.


    Ich behaupte mal ganz steil, jemand der quasi nie mit anderen gemeinsam musiziert hat, wird nie ein guter Drummer oder Bassist werden, egal wie viel Technik er übt.

    Auf Klavier, Gitarre oder Akkordeon als Harmonieinstrumenten klappt das, denn man kann ja Solonummern spielen oder komponieren, die sich trotzdem vollständig anhören.


    Schlagzeug und Bass sind Instrumente, die hingegen primär dazu da sind, andere Musiker zu begleiten und Klangfarben hinzuzufügen, welche die anderen Instrumente nicht selbst mitbringen. Klar gibt es auch Solowerke für oder von Drummer oder Bassisten, aber seien wir ehrlich, wer außer Drummern oder Bassisten kann sich sowas denn anhören? Das mag sogar im Einzelfall unter dem Label "Innovativ" aufgeführt sein, aber am Ende spielen Drummer seit der Erfindung des modernen Drumsets vor ca. 100 Jahren dann doch immer wieder Bumm Tschack, und das aus Überzeugung ;)

  • Ob du zur Verbesserung deines Schlagzeugspiels auch das Bassspielen lernen musst, sei mal dahingestellt. Wenn du das vom Zeitaufwand her gestalten kannst, warum nicht, wenn es dich bereichert?


    Ich finde, dass man sein Drumming sehr gut verbessern kann, wenn man sich nicht nur intensiv auf den Bass konzentriert, sondern sich auch mit dem oder einem Bassisten auseinandersetzt. Mal zusammensitzt, zu zweit spielt, diskutiert um die jeweilige Sicht- und Spielweise zu verstehen. Das bringt für die Entwicklung des Schlagzeugspiels enorm viel, vor Allem auch für das musikalische Einfühlungsvermögen, die Banddienlichkeit. Keineswegs haben sich die anderen nach dir zu richten. Du legst mit dem Bass zusammen die rhythmische Basis, gewissermaßen den Drive. Du lernst, dass das ganze technische Drum-Gefrickel eigentlich nur Kacke ist. Den ganzen Overload, der allenfalls in einer Drum-Clinic interessant ist, kannst du erst mal über Bord werfen. Du wirst reduziertes Spielen lernen und die Akzente dort setzen, wo sie im Verbund mit dem Bass perfekt passen. Du bekommst ein Gespür für Dynamik und Harmonie, ein viel besseres Timing und wirst Fills zielgenau und ruhiger setzen. Das ist für das Verständnis Bass/Drums schon verdammt viel. Fürs Erste. :)

    Ein Mann vom Schlag eines Zeugers!

  • Du wirst reduziertes Spielen lernen und die Akzente dort setzen, wo sie im Verbund mit dem Bass perfekt passen

    Vor allem lässt einen der Bassist auch wissen, was gut ist, und was man vielleicht noch verbessern könnte. Man selbst ist da ja eher limitiert, wenn man nicht schizophren ist.

    Ein großer Teil meiner musikalischen Entwicklung ist davon beeinflusst worden, dass irgendwer mich bat, was bestimmtes zu spielen, worauf ich selbst vielleicht nie gekommen wäre.

  • Ein großer Teil meiner musikalischen Entwicklung ist davon beeinflusst worden, dass irgendwer mich bat, was bestimmtes zu spielen, worauf ich selbst vielleicht nie gekommen wäre.

    So ist es mir vor ca. drei Jahren ergangen, als ich (eigentlich seit Jahren gar nicht spielend) in einer Swing-Band aushelfen sollte. Auweia, das hat ein paar Wochen ganz schön geknarzt, als ich mir das draufschaffen musste...

  • Ich spiele seit zwei Jahren (mit Corona-Pause) Tuba, und das hat mich musikalisch, auch für das Schlagzeug, weitergebracht. Eine der Bands (in der ich Drums und Tuba im Wechsel spiele, spielt viele Arrangements von Seb Skelly, schaut euch das mal bei Youtube an, das fetzt teils ganz schön und macht riesig Spaß. Weshalb hat mich das weitergebracht? Zum einen trainiert man ganz nebenbei die Fähigkeit, vom Blatt zu lesen und notentechnisch souveräner zu werden. Zum anderen nehme ich das Zusammenspiel zwischen Bass und Drums ganz anders wahr, das ist dann aus einem Guss. Und überdies ist es für mich viel einfacher, die Bassnoten mitzulesen, als zB 48 Takte mehr oder weniger dieselbe Notation für das Schlagzeug, da schalte ich ab und verlasse mich doch wieder auf mein Gehör. Bei den Bassnoten bin ich immer orientiert und konzentriert (die Sprünge innerhalb eines Stückes sind bei Schlagzeugnoten schwierig mitzuverfolgen aus og Gründen), man hört mehr auf die Harmonien, und die Notation für Drums ist ja oft sowieso ziemlich grauslig; entscheidend sind oft nur wenige Passagen, der Groove lebt von Kleinigkeiten, die entweder kaum notentechnisch darstellbar sind oder bei Notation viel zu unübersichtlich wäre. Für die meisten Schlagzeugnoten gilt: es fehlt das Salz in der Suppe. Also für mich das Resümee: Bass lernen kann ich nur empfehlen!

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