Ich sehe anscheinend steif hinter meinem Schlagzeug aus. Was tun?

  • Hallo,


    Seppel hat meiner Meinung nach Recht, es bringt nichts auf der Bühne quasi einen Schlagzeuger zu mimen, der sich mehr bewegt. Das hältst du sowieso höchstens ein paar Minuten durch, und dann fällst du wieder in deinen alten Trott. Wenn du dann mehrmals am Abend immer wieder in den "Show-Modus" schaltest, fällt das dem Publikum auf und wirkt albern.


    Ich persönlich schaue sowieso lieber Schlagzeugern zu, die sehr unangestrengt mit "kleinen" Bewegungen spielen. Das wirkt für mich wesentlich lockerer als jemand, der mit großen Gesten hintern dem Set rumhampelt.


    Letztlich muss es natürlich sowieso jeder so machen, wie es für ihn passt, das hängt ja nicht zuletzt auch vom Musikstil ab, den man spielt, und natürlich vom eigenen Temparament.


    Wenn es dich wirklich so stört, und du deine Bewegungen "größer" machen willst, dann müsstest du wohl dazu deinen Aufbau entsprechend ändern, so dass du längere Wege bekommst. Aber ob die Optik das wert ist ...?


    Viele Grüße, Kai

  • Hallo


    Wenn die Show die Genauigkeit beeinträchtigt, würde ich mich für die Genauigkeit entscheiden. Ich finde Seppels Philosophie ganz sympathisch, vielleich haben deine Bandmitglieder aber eine andere Vorstellung von einer guten Live-show und wollen sich darum mehr bewegen. Ich kann sowohl mit den Shoegazern als auch den bangenden Punks was anfangen.
    Tatsache ist, dass viele Zuschauer sehr wohl wert darauf legen, wie man sich auf der Bühne bewegt. Ich denke mal, der Schlagzeuger, der mehr "abgeht" wird von einem Laienpublikum meist als der bessere angesehen. Nichtkommunikation mit dem Publikum, vor allem von Seiten des Sängers, kann schnell als Arroganz ausgelegt werden. Die wenigsten Bands verfügen über wirklich charismatische Musiker, die sich ein solches Verhalten leisten können.
    Du kannst dich jetzt entscheiden, ob du diese Entwicklung scheisse findest und das Ganze lassen sollst oder du kannst dem Publikum gewisse Zugeständnisse machen und dich ordentlich bewegen.
    Mit diesem Konflikt habe ich übrigens auch ständig zu kämpfen. Ich stell mir dann immer die Frage: Warum soll ich abgehen wie ein Vollidiot, wenn ich spiele wie ein Vollidiot? Ich mag kein Posing und das ist gut so. Trotzdem versuchen wir, uns in den Proben vor Konzerten "übertrieben" zu bewegen. Wenn sich der Sänger bei den Ansagen und Bewegungen immer unwohl fühlt, dann muss man was dagegen unternehmen. Ob das beim Schlagzeuger auch relevant ist, muss jeder selbst entscheiden. Man muss ja nicht immer Headbangen, sondern kann bei Breaks in die Hände klatschen (finde ich übrigens ganz schlimm), aufstehen und die Faust emporstrecken, Purzelbäume schlagen oder den Bassisten mit Tomaten bewerfen.
    Spiegel und Kameras können für die Einschätzung der Bewegungen sehr weiterhelfen. Ich habe beim Anschauen von Videoaufnahmen gemerkt, dass mein Spiel bei weitem nicht so steif aussieht, wie es sich immer anfühlt.
    Mit Kaugummi-kauen kommt man übrigens gegen jede Grimasse an.


    In dem Sinn "immer locker bleiben..."


    Grüsse


    blenderhead

  • Ich mach immer die _übertriebenste_ Gesichtskirmes. (so richtig peinlich)
    Hab früher teilweise krampfhaft versucht, das zu unterbinden, dann tut mir aber nach 3 Songs der Kiefer weh weil ich nur die Zähne auffeinanderbeiss.
    Soll heissen -> KRAMPF, und das merken die Leute auf jeden Fall.



    Früher hiess es immer: "Machn mund zu", "es zieht", "wat machst du denn da?" aber nur weil ich da SELBER ein Problem mit hatte! Und dann sehen auch die andern dass so, dass das problematisch ist.


    Inzwischen SCHEISSE ich da ganz fett drauf, und jetzt finden es alle "authentisch" od. "isn Aufhänger! Daran erinnert sich bestimmt jeder! Ans Schlagzeug nicht!" od. "man merkt, du bist voll dabei".......



    Fazit: Man selbst sein is schon ne gute Idee ;) und die Freundin merkt sicher als eine der ersten wenn mans nicht ist. Ich denk mir immer (auch wenns arrogant rüberkommt) "ICH bin hier der Schlagzeuger und die Leute wollen unter anderem MICH hören, und deshalb tue ich das so wie ICH das mache".

    sieg natur.

  • hippo - warst Du vielleicht einfach in dem Moment, als Du in den Fernseher geschaut hast steif, weil Du zu sehr damit beschäftigt warst? Also, aus dem eigentlichen Vorgang des spielens etwas rausgerissen?[/quote]


    Da hingen so viele Bildschirme rum - man hatte gar keine Möglichkeit, als immer wieder in diese Dinger zu blicken :wacko:
    War aber eigentlich ganz gut, sich selbst - und auch die Band als Ganzes - mal "live" zu erleben


    Wenn man für sich selbst das Gefühl hat, man übertreibt es vollkommen, dann ist es fürs Publikum meist genau richtig!


    Genau das denke ich mir auch - aber wie auch schon gesagt wurde: Immer man selbst bleiben, nur versuchen, das besonders hervorzuheben. Und selbstverständlich nur, wenn das Spiel nicht darunter leidet!!!
    Ich werde nicht versuchen, jemand anders zu kopieren. Da bin ich auch der Meinung, dass das dann ganz schnell lächerlich wirkt

  • Zitat

    HR
    Ich finde Drummer die auf 8teln im Takt mithoppeln viel schlimmer.


    Was hast Du gegen mein Gehoppel? :evil:


    Mir wird auch immer wieder alles Mögliche gesagt: Du warst total verkrampft, dein Gesicht war die ganze Zeit ernst bis böse, bei dem Lied xy bist du gehüpft wie ein Affe auf dem Schleifstein.... usw. usw.


    Ist mir eigentlich ziemlich Banane! Ich will gut spielen! Ich will auch gar keine Aufnahmen von mir sehen ! ;)

  • @Threadstarter


    Ich vermute, dass das du zuviel nach Noten spielst, oder gespielt hast. (Nur eine Vermutung)
    So gut wie alle Schlagzeuger die ich bis jetzt mit Noten gesehen habe, waren steif wie ein Stock.
    Dieser starre Blick auf die blöden Zettel, hindert den Körper schlicht daran sich zu bewegen.
    Dazu kommt noch die ANgst, man könnte etwas falsch spielen.....


    Ein gelegentlicher Kontrollblick ist ja völlig ausreichend.
    Falls ich Recht habe, schmeiß die ollen Zettel einfach weg.


    MfGroove
    Panikstajan

  • zu einem professionellen Spiel zählt auch eine professionelle Gestik und Mimik. Meiner Meinung nach is alles gut was nicht "steif dasitzen" is. Manchmal reicht es schon nur mit dem Kopf etwas mitzunicken und die Lippen etwas zu spitzen. Natürlich nicht die ganze Zeit, aber das wär schon mal n guter Anfang.


    Das Einzige womit ein Schlagzeuger heute noch wirklich glänzen kann ist ein "sparkle" finish!

  • Ich sitze gern hinterm Kit mit einer Körperbewegung und Mimik wie das Tier aus der Muppet-Show. Leider kann ich nicht so gut spielen :(
    Das Publikum gibt mir eigentlich jedes Mal positive Rückmeldung (wie hier schon erwähnt wurde: "Man merkt, dass Du Spaß hast" oder "Du gehst ja wohl voll ab...").
    Was ich daraus gelernt habe: Ich muss nicht alles genau so zocken wie auf Platte, zugunsten der Show darf ruhig mal ein einfacherer Roll gespielt werden, so lange es nicht unpräziser oder einfach schlecht gedrummt ist. Was mir dabei hilft, mich während eines Gigs zu bewegen, ist schlicht die Musik, die meine Band und ich spielen, die reißt mich einfach jedes Mal mit - was zur Folge hat, dass ich nur auf die vielzitierte Tightness achte, ansonsten habe ich meinen Kopf auf Standby geschaltet.


    Lass es raus, lass es fließen! ;)

  • Dave Holland sah sogar aus als ob er steife Ellenbogengelenke hätte und war trotzdem der beste Judas Priest Drummer den es je gab.

    Häh? Off topic - aber das haut mich ja um. Ich kenne niemanden, der damals nicht Les Binks vermisst hatte! ?(



    TOPIC:
    Jeder ist so wie er ist. Wenn Du so bist, ist das o.k. Außerdem sieht das jeder Andere anders. Wenn Du so nicht sein willst:
    Camera hinstellen (nicht gleichzeitig in TV oder Spiegel schauen - das irritiert), aufnehmen, später anschauen - aber bedenken, dass man sich selbst nicht nur anders wahrnimmt, sondern "gesunderweise" auch kritischer sieht. Die, bei denen das nicht so ist, stellen sich in DSDS zur Affen-Schau.


    Ich würde mir nicht zuviel Gedanken machen (bist ja eh nur ein Drummer) und Extreme evtl. leicht und locker angehen - mehr nicht. Alles andere kommt mit der Zeit. ;)


    Ein bisschen Posing ist ganz nett - zuviel wird auch oft als negativ oder nervig empfunden. Es gab da so manche Drummer, die nicht einen Snare-Schlag machen konnten, ohne das der Arm/Stock einmal um den Kopf herum geschwenkt wurde. Einmal war`s toll - beim 5. Mal wurde es blöd... :thumbdown:


    Ich ließ gerne den Stick für einen Auftakt von der Snare hochfliegen - klappte meist und sah toll aus. Manchmal ging`s auch daneben. Klasse, wenn man dann den nächsten griffbereit hat und nicht wie ein Bekannter aufstehen musste ,um ihn sich zu holen. :Q


  • Das stimmt absolut! Allerdings ist es meistens nicht die Angst etwas falsch zu spielen sondern die Angst vor dem Gesichtsausdruck und den Schimpfwörtern des Dirigenten ;( :D Natürlich nur wenn man einen Dirigenten hat ;)

  • seltsame Thematik, egal:


    "bleib/sei so , wie du bist": Ist natürlich ne Klalenderweisheit, der Satz macht ja nur inswoeit Sinn, als dass man auch tatsächlich weiß, wie und wer man ist. Das hängt - nicht immer, aber oft auch - vom Alter ab. Dinge wollen sich entwickeln, dazu bedarf es Zeit. Damit du dich aber selbst bewußt entwickelst und nicht die Dinge am Ende dich entwickeln, greif den Vorschlag mit dem Spiegel auf und check die Optik. Wenn du selbst dich scheiße findest, änder was, wenn du dich okay findest, lass alles, wie es ist. Überleg auch, ob tatsächlich mehr Show zur Musik und zur Darstellung passt. Manche Musik ist eben keine Musik, sondern reine Show, dann muss das natürlich passen: Auch Showtänzerinnen treten nicht in Sack und Asche auf.


    Ich persönlich fand Faxenmacher an den Drums immer peinlich. Und nichts ist schlimmer, als Stick-twirling-Drummer, die dann die Einsätze verhauen oder timingmäßig schlunzen. Also keine Faxen, Ausdruck von Emotionalität dagegen gehört dazu. Die Grenzen sind fließend. Entscheidend dürfte sein, wie man sich privat beim Drummin' gibt, ohne Publikum. Ausnahmen sind nur die Typen, denen die Show schon so wichtig ist, dass sie selbst vor dem Spiegel und damit vor sich selbst ne Show abziehen, sodass sie schon nicht mehr wissen, was Show und was echt ist. Schwierige Zeitgenossen, nicht nur als Drummer, sondern eben auch als Menschen.


    Im übrigen hat jede Charaktereigenschaft oder Verhaltensweise zwei Seiten: Wenn Du halt ein eher zurückhaltender Typ beim Drummen bist, ist das halt so. Zurückhaltung kann sowohl negativ als auch positiv rüberkommen. Steck dir beim Spielen 'nen Kaugummi in den Kopf, und schon sieht deine Zurückhaltung nicht negativ, sondern cool aus. Und Coolness steht Drummern eigentlich immer am besten.


    Und letztens: Nimme das Ganze nicht so ernst: die Meinung, die andere von einem haben, ist weder im Leben noch in der Musik von sonderlicher Relevanz.


    Gutes neues Jahr an alle
    See


    EDITH meint noch anmerken zu müssen, dass es wichtiger sei, coole Sachen zu spielen, als auf cool zu machen. Sie hat - auch im neuen Jahr - wie immer Recht.

    "Pommes/currywurst hat einfach seine eigenen Gesetze."
    (c) by frint / 2008


    "Es macht so viel Spaß, ein Mann zu sein, das können sich Frauen gar nicht
    vorstellen!" (c) by Lippe / 2006

    2 Mal editiert, zuletzt von Seelanne ()

  • Ich bin auch einer von denen die während eines Fills etc Fliegen mit dem Mund fangen.
    Dafür musste ich mir schon den ein, oder anderen Spruch gefallen lassen, aber mich stört das nicht wirklich.


    Deswegen werde ich aber nicht anfangen mir einen Spiegel vor mein Set zu bauen und mich beobachten.
    Da übe ich doch lieber an meiner Technik.


    Ich finde man kann das Thema auch übertreiben.


    MfG Nico

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