Whiplash - Kinofilm über einen Drummer

  • Eure Wünsche in allen Ehren, es wäre schön, wenn sie wahr würden. Trotzdem wage ich zu bezweifeln, dass alleine der unglaubliche Ehrgeiz, der hinter absoluten Spitzenleistungen steht mit einer sozialverträglichen Persönlichkeit in Einklang zu bringen ist. Ein Widerspruch in sich.


    Kennt jemand ein Bespiel für Jemand, der smooth as butter ist und die absolute Spitze (woriin auch immer) erreicht hat?

    Deine Denkweise finde ich sehr fragwürdig und einseitig. Die Welt und die Menschheit ist deutlich komplexer und so einfache Gleichungen zumeist an den Haaren herbei gezogen.


    Und was meinst du überhaupt mit Spitzenleistungen? Bei guter Musik ist das zum Glück die falsche Denkweise. Da spielen eher die Leidenschaft und der persönliche Ausdruck selbst eine große Rolle.


    Dass Ergebnisse egal welcher Art immer Taten voraussetzen, ist klar. Meines Wissens sind kreative und "leistungsfähige" Menschen oft eher introvertiert. Die labern halt nicht so viel und machen mehr. Das macht sie aber noch lange nicht zu Arschlöchern. Im Gegenteil - Eigenbrötler werden eigentlich eher mal gemobbt als Gruppenangehörige.


    Ich habe schon mit vielen unterschiedlichen Leuten Musik gemacht.

    Erstmal sind das auch immer alles nur Menschen und wie ich eingangs schon sagte, gibt's da auch die unterschiedlichsten Typen.

  • Vielleicht nicht nachvollziehbar genug von mir formuliert, aber damit sprichsts Du einen wesentlichen Teil meiner Kritik an Postings wie dem von Buddy Rich an: Hier wird eine Entgleisung einer Person entkontextualisiert, von der Person gelöst und in einen Typus verwandelt, der moralisch auf der anderen, schlechten Seite steht.


    Im Gefolge wird diese Typisierung deutlich an Postings, die die Spannweite des Typus zeigen: Chefs, Bandleader, alle Möglichen Personen(gruppen) werden in diversen Beispielen zu einem Typus zusammengeschmissen, der moralisch verächtlich gemacht wird.


    Die Kernaussage solcher Postings ist eher: "Seht her, Buddy Rich ist nicht der, für den er sich ausgibt, er gehört eher einer niederen Art an".


    Zugespitzt formuliert.


    Wir sind hier im Netz, das Forum ist eine soziale Gruppe, mit solch einfachen Mitteln werden soziale Affekte getriggert, die simple Gruppenprozesse befördern, was ja auch alles gut und schön und menschlich ist.


    Es geht aber definitv auf Kosten von Buddy Rich, der hier eindeutig degradiert wird, damit andere sich moralisch besser und der guten Gruppe angehörig fühlen können. Da sollte man manchmal etwas zurückhaltender sein, finde ich.


    In dem Zusammenhang wollte ich eigentlich nur anmerken, dass hier eine persönliche Entgleisung in ihrer Alltäglichkeit menschlichen Handels und Verhalten herausgehoben und als außergewöhnlich dargestellt wird. Das sind Diffamierungstechniken.

    Gibt es hier perfekte Menschen, die sich noch nie total danebenbenommen habe? Der werfe den ersten Stein. Das Netzt quillt über vor verbalen Attacken übelster Art, mitunter rhetorisch gut getarnt.


    Oder kurz: ich finde Anprangern bedenklich.

    Ansonsten bin ich voll bei euch, früher war dominantes Austicken durchaus üblich. Und es ist gut, dass das eher zurückgegangen ist. Mitunter sind die Diffamierungs- und Degradierungstechniken jedoch nur verfeinert und verschleiert worden, was sie keinen Deut besser macht. Ich glaube nicht an den neuen, besseren Menschen. Das ist mir zu esoterisch. Und Esoterik ist gefährlich 8o

  • Es geht aber definitv auf Kosten von Buddy Rich, der hier eindeutig degradiert wird, damit andere sich moralisch besser und der guten Gruppe angehörig fühlen können. Da sollte man manchmal etwas zurückhaltender sein, finde ich.

    Ach, so meinst du das. Jetzt wird's klarer. :thumbup:

    Ja, so einseitig ist es nie. Und auch "gute Leute" haben ihre Ecken und Kanten, sind manchmal schwierig usw.

    Kommt halt immer auf das große ganze an.


    Ursprünglich ging es hier aber nicht um Buddy Rich. Diese Tonaufnahme wurde ja nur als Beispiel dafür gepostet, dass der Film gar nicht so unrealistisch sei.


    Nun dreht's sich langsam im Kreis, aber ich finde Kritik am Film da schon berechtigt. Denn der Film hat sich nicht nur ein Negativbeispiel rausgepickt, sondern dieses auch noch sehr stark überzeichnet, um finanziellen Erfolg an den Kinokassen zu erzielen. Das führt aber auch dazu, dass vielen Ahnungslosen ein falsches Bild suggeriert wird. Und das ist für potenziellen Nachwuchs in der heutigen Zeit sicher nicht förderlich. Da setzt man sich dann sicher lieber an den Laptop und produziert Hip Hop, statt sich die Hände blutig üben und sich fertigmachen lassen zu müssen ... nur so als Gedankenspiel. ;)


    Ich zitiere noch mal aus dem Wikipedia-Artikel zum Film, wo sich u.a. Joe Morello kritisch geäußert hat:


    Der Jazzmusiker und YouTuber Adam Neely kritisierte in einer Video-Rezension auf seinem Kanal, dass der Film zwar gut erzählt und gedreht sei, allerdings Jazzmusik und insbesondere das Studium derselben völlig falsch dargestellt worden sei. Die Musik sei viel zu kompetitiv dargestellt, was den Film mehr wie einen Sport- als einen Musikfilm wirken lasse.[11] Er schloss sich dabei der Kritik des Drummers Peter Erskine an, der einwandte:

    “I’m disappointed that any viewer of the film will not see the joy of music-making that’s almost always a part of large-ensemble rehearsals and performances. Musicians make music because they LOVE music. None of that is really apparent in the film, in my opinion.”[12] „Ich bin enttäuscht, dass kein Zuschauer etwas von der Freude am Musikmachen, die fast immer Teil der Proben und Auftritte eines großen Ensembles ist, mitbekommen wird. Musiker musizieren, weil sie Musik LIEBEN. Davon ist meiner Meinung nach im Film nichts zu sehen.“

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