Wie ist euer Umgang mit Becken?

  • Meine Beziehung zu meinen Becken ist identisch mit meiner Beziehung zu meinen anderen Musikinstrumenten: (spätestens) wenn ich mich ekle, sie anzufassen, dann reinige ich sie. D.h., ich entferne Fett, Schmutz, Staub. Mit Glasreiniger, also Spiritus, und Papierhandtüchern. Mach ich so mit E-Gitarren, A-Gitarren, Trommeln, Hardware. Und mit Becken. Habe nix aus Gold oder mit Schellack oder Lack auf Nitrobasis, sondern nur Polyurethan-lackiertes. Und Sachen aus Bronze. Mache kein Tamtam damit. Will es sauber, dürfen gern auch glänzen, meine Sachen. Aaaber, da mein gutes Set mit meinen guten Becken im staubigen Probenkeller steht, reinige ich dieses Zeug nur vor nem Auftritt. Will kein dreckiges Zeug anfassen, verpacken, auspacken, aufbaun, mit Scheinwerfern anstrahlen - und dann wieder anfassen, abbaun, etc. Nuuur, der letzte Auftritt war vor fünf, sechs Jahrn... :D Halte nix von Beckenvoodoo. Oder von Gitarrenmojo. Ich mag meine Instrumente, drum halte ich sie sauber. Mich mag ich ja auch, und mich halt ich auch einigermassen sauber. Und wenn ich Patina hab und dreckig bin, dann, öh, bin ich nicht etwa besser. :D Nu ja. :wacko:


    Ach so, (edit) Transport in entsprechenden Behältnissen, klar! Abstellen, transportieren: so, wie auch ich abgestellt und transportiert werden will - auf mir will ich kein Klavier draufstehn haben. Becken am Rand anfassen? Na, wo denn sonst? Aber nur am Rand? Wieso das denn?

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  • Also mir sind hochglänzende Becken immer ein wenig suspekt. Ich stehe auf handgeschmiedete Teile, und alles was strahlend glänzt, sieht für mich nach Industrieware aus. Und das ist für mich klanglicher Einheitsbrei, oft zu blechern, zu eindimensional oder zu höhenbetont ... Ich bin da sicher ungerecht, aber das sind für mich eben Erfahrungswerte. Natürlich gibt es auch andere, glänzende Becken, die wunderbar klingen.


    Kurz und gut: ein Becken braucht für mich Patina, das steht auch für Charakter. Mit Patina darf man nicht verwechseln den Siff, den manche für Patina halten. Man sollte Vintage ja auch keinesfalls mit Schmuddel gleichsetzen. Daher reinige ich die Becken bei Bedarf von Schmutz und Staub gegebenenfalls mit Wasser und ein wenig Seife. Im übrigen berühre ich meine Becken auch während des Spielens mit den Händen, da kann man tolle Sounds produzieren. Bei guten Bronzelegierungen lässt sich dabei allerdings auf Dauer nicht vermeiden (will ich auch nicht), dass Verfärbungen auftreten. Der Transport erfolgt natürlich immer nur geschützt, ich habe allerdings Beckentaschen gegebenenfalls auch schon aufgepolstert. Und natürlich kommt immer ein Schutz zwischen den Dorn des Beckenständers und das Becken. In jedem Baumarkt gibt es durchsichtige, stabile Schläuche mit 6 und 8 mm Innendurchmesser für einen Euro pro Meter, damit kommt man im Laufe seines Drummerlebens ziemlich weit. Ich habe mehr als 20 hochwertige Becken, und keines hat ein Keyhole, das bei mir entstanden ist.

  • Meine Becken wurden noch nie geputzt, sehen sehr gut aus und ich habe noch nie eines kaputt gespielt.


    Beim Reisen sind sie in einer ganz normalen Beckentasche und die steht hinter dem Fahrersitz oder liegt obenauf.
    Sie werden nicht unnötig betatscht - warum auch?
    Und was das Kaputthauen angeht: Das Verhältnis von gewünschter Lautstärke zur Größe der Crash-Becken ist gesund zu halten. :-)


    M.

  • Hallo,


    Sind für euch Becken eher Gebrauchs- oder Verbrauchsgegenstände?


    Für mich sind Becken Musikinstrumente, daher also - wenn man kategorisch so will - Gebrauchsgegenstände.
    Ich gehe mit ihnen so um, dass sie ihr Potential und ich mein Potential gemeinsam optimal entfalten können.


    Grüße
    Jürgen

  • Hi,


    spannende Diskussion! Für mich klar: Gebrauchsgegenstand ja, Verbrauchsgegenstand auf keinen Fall.


    Ich sehe jedes Becken als ein Musikinstrument an, es war ja auch nicht billig und liefert mir seit vielen Jahren verlässlich schöne Klänge. Also kein Dreschen, kein Festschrauben und natürlich ein sicherer Transport. Was das Putzen angeht, hatte ich natürlich auch sofort den Cymbal-Cleaner gekauft, aber angesichts der Risiken (Abschrubben der Schutzschicht etc.) verzichte ich drauf, halte ich einfach Staub fern, poliere die schlimmsten Flecken vorsichtig weg und lasse meine Schätzchen in Ruhe altern.


    Gruß
    Hajo K

  • So sehe ich das auch: Diese ganzen Becken Poliermittelchen kriegen bereits total versiffte Becken eh nicht mehr ganz sauber. Wenn ich Becken neu kaufe, reicht es diese regelmäßig trocken abzuwischen und diese bleiben dauerhaft wie neu. Es ist mir einfach ein Rätsel, wie manche Becken so runterkommen können - so häufig putze ich nun auch wieder nicht. Das heißt für mich, das viele ihre Becken wirklich leiden lassen, z.B. nach einem Auftritt mit Regen, Schweiß und Bier ab in die Tasche oder ungeschützt auf den Rücksitz, am besten noch die Hardware drunter oder drüber und auch nicht abwischen (gibt ja coole Patina).


    Also kein großer Aufwand. Kaufe ich gebrauchte Becken, dann versuche ich erstmal mit Beckenreiniger das schlimmste zu entfernen. Fallen die dann durch den Test, gehen sie wieder auf Ebay.

  • Ja, die Patina. Hab auch Becken mit Patina, darunter ein K Custom, das ich gebraucht kaufte - und das ist grün. Auf der Oberseite. Auf der Unterseite glänzt es noch, um die Mitte herum. Hab auch andre mit Patina, aber nicht so extrem. Gefällt mir schon auch. Geschichte, Alter, Gebrauch - das ist Patina für mich. Würd ich auch nicht wegmachen wollen. Meine andern Becken dürfen schon auch altern, Patina kriegen; auch Schrammen und so. Nur, dreckig und fettig und voll alten Kellerstaubes, das mag ich nicht, das muss eben hin und wieder runter; wie ich bereits schrieb. Bei Trommeln, Gitarren und so bekomme ich ebenfalls keineswegs nen Infarkt, wenn ein Kratzer oder ne Macke drankommt. Weiter oben wurde von „Charakter“ eines Instrumentes gesprochen. Ja, ist schon ein bissl so. Oder „Individualität“... Aaaber letztenendes: sind das alles doch (schöne, geschätzte) Gebrauchsgegenstände für mich; um diese Frage gings, glaub ich. Instrumente, eben. Der mit dem Charakter, der Individualität, den Macken, Kratzern und der Patina - das bin ich, bestenfalls; und unvermeidlicherweise. 8| Soweit meine filosofischen Einlassungen zum Mittwoch. :wacko:

  • Natürlich kann ein Becken / Schlagzeug mal etwas Patina, Kratzer oder auch einen Lackabplatzer kriegen. Nach 20, 30 Jahren Besitz total in Ordnung.
    Aber das Ausmaß ist das Entscheidende. Nach 15 Jahren haben meine Beckenständer vielleicht mal ein Kratzer hier und dort, aber es rostet nichts und ich habe keine Chromabplatzer oder es fehlen gar Nieten. Beim Drumset ähnlich, vielleicht ein oder zwei Lackabplatzer, zwei Dellen - aber manche Gebrauchtsets sehen aus, als ob sie aus einem Kriegsgebiet kommen (rostige, pickelige Chromteile, über all Lackabplatzer insbesondere über der Bassdrum, eingetrockneter Staub, Bierflecken, unzählige durch die Furnier/Lackierung gehen Kratzer).


    Man kann doch trotzdem versuchen es zu vermeiden, das ist auch gar nicht schwer.

  • Es gibt eben Leute denen der Zustand ihres Equipments vollkommen egal ist.
    Da wird nix gewartet und nix gereinigt. Die gehen aber auch mit anderen Dingen so um.
    Ich kann das einfach nicht verstehen.
    Etwas was mich viel Geld gekostet hat, sei es jetzt Musikequipment, mein Auto oder sonstwas, das pflege ich und warte es damit es mir so lange es geht in bestmöglichem Zustand erhalten bleibt.


    Zitat

    Wenn ich Becken neu kaufe, reicht es diese regelmäßig trocken abzuwischen und diese bleiben dauerhaft wie neu.


    Was macht ihr denn gegen Fingerabdrücke?
    Da reicht bei mir leider kein trockenes Tuch.
    Auch kein feuchtes. Da muss schon ein Reiniger ran.

  • Auch Fingerabdrücke gehen in der Regel mit einem trockenen Tuch ab (auch nach mehreren Wochen). Gerade das wundert mich? Manchmal muss man etwas rubbeln, aber ich hatte da noch nie Probleme.
    Vielleicht mag das auch hersteller abhängig sein, ich spiele z.B. ausschließlich Paiste.

  • Hallo,


    ich spiele z.B. ausschließlich Paiste.


    Gerade deshalb ist es mit dem Schmutz einigermaßen gut gelöst, denn die Schweizer versiegeln ihre Becken recht ordentlich, so
    dass lange Zeit Glanz fast von alleine kommt. Wenn die Schutzschicht weg ist, nimmt auch dort die Oxidation zu und irgendwann sehen
    auch die Schweizer aus wie Kanadier oder US-Amerikaner.


    Grüße
    Jürgen

  • Bei der ganzen Putzfrage spielen viele Faktoren rein....
    Mit der Coverband spielen wir große Zelte mit viel Licht und teils Videowänden. Da hab ich den Anspruch das alles glänzt und funkelt. Gehört für mich da einfach zur Show dazu. Allerdings ist da auch viel Nebel am Start, und der setzt sich ganz hässlich auf die Dinger drauf.
    Beckensatz ist da von Masterwork Resonant. Die sind im brilliant Finish und werden regelmäßig mit Spüli und Wasser gereinigt. Hatte die auch schon in der Spülmaschine (jaja, niedrige Temperatur....) ... Ergebniss war mäßig... geschadet hat es auch nicht.
    Am Ende der Saison werden die dann einmal richtig gereinigt, da kommt gern auch mal ein bisschen Stahlfix zum Einsatz. Nicht übertrieben, aber ich hatte noch nie Probleme damit.


    Ich hab noch nen Satz Masterwork Custom. Die werden nur abgestaubt, leicht feucht abgewischt und getrocknet, aber mit Politur geh ich da nicht dran.

    Freizeit Moderations-Arschloch

  • Wenn die Schutzschicht weg ist, nimmt auch dort die Oxidation zu und irgendwann sehen
    auch die Schweizer aus wie Kanadier oder US-Amerikaner.


    Aber die Versiegelung wird sich doch nicht von alleine auflösen, oder?
    Wenn ich tatsächlich nur mit trockenem Tuch und/oder Seifenwasser putze, dann sollte ich da meiner Meinung nach schon länger Spaß dran haben, als bei nicht-versiegelten Becken.

    Gruß Leonard

  • Zitat

    Vielleicht mag das auch hersteller abhängig sein, ich spiele z.B. ausschließlich Paiste.


    Keine Chance.
    Die PST7 Becken hatte ich 2 Tage zum Testen da.
    Die Fingerabdrücke durch das Auf- und Abgebaue sowie Beckenstopper während des Spielens wären nie im Leben mit einem trockenen Tuch abgegangen.

  • Meine Becken werden in einem Flightcase transportiert damit bei Stürzen oder Remplern keine Dellen/ Risse entstehen. Es liegt aber keine Trennschicht zwischen den einzelnen Becken und geputzt werden die auch nicht. Ich mag keine glänzenden Becken und bin froh wenn die irgendwann aufhören zu funkeln. Das hat für mich auch nichts mit niedriger Wertschätzung oder Ähnlichem zu tun. Ich mag meine Becken und bin traurig wenn mal eins reißt. Das geschieht aber durchs Spielen in härteren Musikrichtungen und nicht durch Fingerabdrücke oder Staub.


    Das muss jeder für sich selbst entscheiden und sich eben der Konsequenzen bewusst sein. Die sehe ich allerdings nur in schiefen Blicken mancher Saubermänner unter den Trommlern und dem sicherlich niedrigeren Wiederverkaufswert. Die Soundbeeinflussung sehe ich persönlich weniger kritisch. Das hört man, wenn überhaupt, eh nur im direkten Vergleich und bei einer, auch von mir nicht erwünschten, übermäßigen Dreckschicht.

  • Die Soundbeeinflussung sehe ich persönlich weniger kritisch. Das hört man, wenn überhaupt, eh nur im direkten Vergleich und bei einer, auch von mir nicht erwünschten, übermäßigen Dreckschicht.

    Jein! Ich hatt mir mal günstig ein total eingedrecktes Paiste 505 Crash gekauft, O.K. das ist ohnehin nichts für puristische B20 - Liebhaber, aber ich muss schon sagen, das Becken reagierte mit seiner Dreckschicht so feinfühlig und lebendig auf meine Finger, dass ich lange gezögert hatte es sauber zu machen. Irgendwann wollte ich dann doch mal sehen was der Paiste Cleaner da rausholen könnte ... Seitdem spiele ich es nicht mehr mit den Fingern an, das "Leben" ist weggewischt, hat keinen Sinn mehr. Es sieht dafür nun nahezu wieder wie neu aus (naja: :rolleyes: ). Für den, mit dem Stick angespielten eigentlichen Crash - Sound hatte das Säubern so gut wie keine Auswirkung, der ist unverändert ...


    Stefan

    "e tudo isso, que é tanto, é pouco para o que eu quero" Fernando Pessoa

  • Als Hobbytrommler der trotzdem seine 40 R'N'R Gigs im Jahr spielt, sind meine Becken ein Gebrauchsgegenstand.
    Leider haben Crash und China nur ein begrenzte Lebensdauer. (angestrebt 10 Jahre... habe aber auch ältere Becken...)


    Mein Becken werden immer vernünftig verpackt transportiert und auch musikalisch gespielt. (das heißt aber auch nicht nur streicheln)
    Poliert wird bei mir nicht! Abwischen ist ok, Patina ist ok, Schmutz der vielleicht sogar noch klebt geht natürlich gar nicht!
    Würd ich meine Becken nur im klimatisierten Proberaum spielen, dann würden diese mit Sicherheit auch immer gut aussehen.
    Allerdings lässt sich aufgrund von Temeperaturschwankungen (Out Door, Indoor, Jahreszeiten), stark sich ändernde Luftfeuchtigkeiten (während dem Gig Verlauf) sowie äußere Einflüsse (Nebelmaschinen, auch mal etwas Schweiß) eine dunklere Färbung und/oder auch etwas Grünspan nicht vermeiden!


    Ich hab ganz bewusst ein Live Setup welches trotz gutem Handling auch verschleißt.
    Daher ist dieses Instrument auch ein Werkzeug... ein teures... der Verschleiß tut einem natürlich auch sehr leid... darum nehme ich meine Schätze auch nicht mit auf die Straße. (mein Birch Infinite hat z.b. noch nie ne Bühne gesehen)

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