Jazz Drum Tuning á la Jeff Hamilton

  • Da in diesem Thread Interesse diesbezüglich bekundet wurde, möchte ich euch hier mal ein Tuning vorstellen, welches sich so nah wie möglich an Jeff Hamilton orientiert (die aktuellen Aufnahmen mit dem Mapex Cherry Bomb Drumset) und sowohl für Jazz Combo (Trio) als auch Big Band gut geeignet ist.


    Dazu habe ich versucht, aus diversen Videos und Tonaufnahmen das Tuning herauszuhören (ich bin da ein klein wenig nerdig, ich weiß). Trotzdem übernehme ich keine Verantwortung für die Korrektheit der Tonhöhen-Angaben ;)


    Felle bei JH sind

    • Bassdrum: Diplomat Fiberskyn auf beiden Seiten
    • Toms: Diplomat Fiberskyn Schlagfell, Ambassador Clear Resonanzfell
    • Snare: Diplomat Fiberskyn Schlagfell, Ambassador Snareside Resonanzfell


    Umrechnungstabelle zwischen Tönen und Frequenzen:

    • Bei den Tonhöhen werden die englischen Bezeichnungen benutzt. Das heißt, das englische "B" in der Tabelle entspricht dem deutschen "H".
    • Die angegebenen Frequenzen bzw. Tonhöhen von "Oberton Schlagfell" und "Oberton Resonanzfell" bezeichnen den tiefsten (ersten) Oberton, der entsteht, wenn die Trommel am Rand (nahe an den Schrauben) angeschlagen wird und das gegenüberliegende Fell abgedämpft wird.
    • Der "Grundton" ist der tiefste Ton, der entsteht, wenn die Trommel normal in der Mitte angeschlagen wird und beide Felle frei schwingen können.


    14" SnareStandardVariation
    Oberton SchlagfellC#4 (281)D#4
    resultierender GrundtonF#3G3
    Oberton ResonanzfellF4 (*)F4


    (*) Wenn man ganz genau aufpasst, kann man hier (40:09) beim Abspannen des Snareteppichs das Resonanzfell raushören


    Auf dem Schlagfell ist nahe am Rand noch ein ganz normales Pflaster (engl. "Band-aid") für ein wenig Dämpfung angebracht. Bei JH auf der Unterseite (damit es beim Spiel mit Besen nicht stört), hier zur Veranschaulichung die gleiche Position auf der Oberseite:




    12" TomStandard (Trio)Variation
    Oberton SchlagfellC4A3...B3
    resultierender GrundtonD#3 (151)D3
    Oberton ResonanzfellB3B3


    Das 12" Tom ist üblicherweise ca. eine Quinte höher als das 14" FT. Das Schlagfell variiert je nach Setting in einem kleinen Bereich und scheint dabei manchmal auch höher als das Resonanzfell zu sein.

    • tiefe Variante (A3) Big Band z. B. hier
    • hohe Variante (C4) Trio z.B. hier


    14" Floor TomStandardVariation
    Oberton SchlagfellE3/F3 (170)D#3...F3
    resultierender GrundtonG2 (100)G2
    Oberton ResonanzfellF#3F#3


    Das Schlagfell beim 14" Floor Tom variiert um einen kleinen Bereich.



    Bassdrum18"20"
    Oberton SchlagfellB2A2
    resultierender GrundtonC#2 (70)B1
    Oberton ResonanzfellC3A#2


    Für größere Ensembles, und wenn eine Orgel dabei ist, benutzt JH eine 20"x14" Bassdrum statt der 18"x14". Die tiefere Stimmung bei der 20" (Big Band), die höhere bei der 18" (Trio). Das Schlagfell der Bassdrum ist dabei ca. 1 Halbton tiefer als das Resonanzfell.


    Sowohl für die 18" als auch für die 20" Bassdrum wird ein dünner 10" x 3" (25,4 x 7,6 cm) Filzstreifen 4" (10 cm) vom unteren Rand entfernt auf das Schlagfell getaped (JH macht das auf der Innenseite, hier zur Veranschaulichung die gleiche Position auf der Außenseite). Sonst keinerlei Dämpfung.



    Außerdem wird ein sog. "Moleskin" (zu deutsch: ein gepolstertes Druckstellen-Pflaster, z.B. von Scholl oder Balea) außen auf das Schlagfell geklebt, an der Stelle, wo der Beater auf das Fell trifft. Das nimmt ein bisschen den Attack und gibt noch mehr Boom.


    Filzstreifen ist der hier (von Gibraltar, der von Sonor ist dicker),

    Tape ist das hier, der Länge nach halbiert (sonst gibt's zu viel Dämpfung),

    "Moleskin" ist das hier, oder eine dünnere Version hier

  • Super. Hast Du auch Deine BD aufgenommen und ist es eine 18er ? Ich hab' ne 20er und habe da immer Probleme dass wirklich Tony-like zu tunen...

    "If you don't have ability you wind up playing in a rock band" (Buddy Rich)

  • Super. Hast Du auch Deine BD aufgenommen und ist es eine 18er ? Ich hab' ne 20er und habe da immer Probleme dass wirklich Tony-like zu tunen...


    Ich hab eine 18“ BD. Aufnahmen von mir hab ich aber leider keine, da hab ich kein Equipment für.


    Meinst du Tony Williams? Ich kann ja mal versuchen, eine Aufnahme zu finden, wo die BD gut zu hören ist. Ist aber generell schwierig bei so tiefen Frequenzen, wenn dann auch noch Dämpfung dabei ist. Außerdem scheint er ja von 18“ bis 24“ alles schon mal gespielt zu haben.

  • Jeff Hamilton hat bislang mW oft auf einem Remo Gold Crown Bobkit gespielt.

    Das stimmt, aber seit 2018 ist JH auf Mapex unterwegs.


    Die Remo Kessel waren aus einem damals (1981) neuartigen synthetischen Material namens „Acousticon“, anscheinend irgendwas mit Epoxidharz.

    “Acousticon” Remo’s synthetic shell material made of spiral-wound tubes impregnated with resins, was developed.

  • Es gibt ein Update im Startpost.


    Die 30. Jazztage in Hilden waren übrigens klasse. Ich durfte JH nach dem Konzert sogar kurz Backstage treffen und die Hand schütteln (Danke nochmal an Hans Dekker). Allerdings war ich in dem Moment so geflasht, daß ich plötzlich alles vergessen hatte, was ich ihn eigentlich fragen wollte ^^


  • Gutes Foto! Da erkennt man auch, dass es in dem Fall die größere Bassdrum war ;)

    Nochmal danke für den Thread, ich probier das auch mal aus. Interessanterweise war mein bisheriges Tuning gar nicht sooo weit davon entfernt (bißchen tiefer). Hast du von Hans auch das Tuning rausgehört? ;)

  • Da erkennt man auch, dass es in dem Fall die größere Bassdrum war

    Genau. Mir ist das an dem Abend erst gar nicht aufgefallen, bis du es gesagt hast ^^


    JH hatte eigentlich (wie sonst auch immer fürs Trio) eine 18" erwartet, hat aber vom Veranstalter irrtümlich eine 20" hingestellt bekommen. War aber anscheinend kein Problem für ihn: "I tuned it a little higher" ;)


    Nochmal danke für den Thread, ich probier das auch mal aus.

    Ja mach mal. Würde mich interessieren, wie es dir gefällt.

  • Hast du von Hans auch das Tuning rausgehört?

    Hans Dekker habe ich vor längerer Zeit tatsächlich auch mal analysiert anhand dieses Videos


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    Ich such's demnächst nochmal raus.

  • Es gibt ein Update im Startpost.


    Nachdem ich ja die einmalige Gelegenheit hatte, Jeff Hamilton bei den Hildener Jazztagen im Juni 2026 hinter der Bühne die Hand zu schütteln, aber irgendwie kein richtiges Gespräch zustande gekommen ist (ich war mental etwas unvorbereitet ^^), hatte ich ihm daraufhin nochmal eine nette Email geschrieben.


    Und was soll ich sagen: er hat sich noch an mich erinnert und von sich aus direkt einen WhatsApp-Anruf angeboten und wir haben dann ca. eine halbe Stunde lang miteinander telefoniert und uns sehr nett unterhalten. Sagenhaft.


    Es gab einige neue Erkenntnisse und auch ein paar Anekdoten von ihm. Sehr lustig. Er stimmt übrigens wissentlich nicht nach bestimmten Noten/Tönen, konnte mir deshalb dazu nichts Genaues sagen. Aber er hätte auch schon von anderen (berühmten) Kollegen gesagt bekommen, daß er es eigentlich tut, und nur nicht weiß :P

  • ...denke mal auch dass kaum einer wirklich (routinemäßig, allenfalls unter bestimmten Bedingungen/Anforderungen) versucht genau bestimmte Noten reinzutunen, sondern drauf schaut, dass die Intervalle harmonisch passen. Aber cool, dass er Dir das einfach mal easy angeboten hat...aber warum auch nicht.

    "If you don't have ability you wind up playing in a rock band" (Buddy Rich)

  • ...denke mal auch dass kaum einer wirklich (routinemäßig, allenfalls unter bestimmten Bedingungen/Anforderungen) versucht genau bestimmte Noten reinzutunen, sondern drauf schaut, dass die Intervalle harmonisch passen.

    So ist es. Ich hab gerne Terzen bei 2 Zoll Abstand und Quinten bei 4 Zoll, ggf. auch bei 3 Zoll Abstand. Wegen der Differenztöne, wie ich hier im DF schon des öfteren schrieb. Die Exakte Note der jeweiligen Trommel ist mir dabei wurscht. Ein Trommel ist weder stimmstabil genug, um die eingestellte Note über längere Zeit zu behalten, noch ist der Klang der Trommel eine musikalische Note im Orff'schen Sinne, sondern ein Geräusch. Das ist wegen der unharmonischen Obertonreihe so, die ganz anders ist, als die harmonische Obertonreihe einer schwingenden Saite.

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