Unterrichtsgebühren - zwischen Markt, Moral und Sachzwängen

  • ...aber dass ein 10er die Stunde nicht auskömmlich sein kann, ist Dir schon klar, oder?


    Nils

    Für meinen Lehrer, ein 20 Jähriger der seit 10 Jahren professionellen Unterricht Anspruch nimmt und auch pädagogisch gut Arbeiten konnte, waren die 10 Euro die Stunde sehr auskömmlich, da er bei seinen Eltern wohnt und das ganze neben dem Zivildienst/Schule macht. Das nen 10er die Stunde für jemanden der das Hauptberuflich macht nicht auskömmlich sein könnte, (wobei es ein paar Millionen Menschen in Deutschland gibt die weniger verdienen), ist mir auch klar, aber das ist dann eben das Schicksal mit dem ein hauptberuflicher Leben muss. Viele Eltern sehen nicht ein, hunderte Euros in die Musikschule zu stecken, wenn das Kind mit einem netten Privatlehrer für nen 10er die Stunde auch glücklich ist. Klar ist der Unterricht in der Musikschule um einiges professioneller oder effektiver, aber wenn man nicht so einen Anspruch hat bzw. mit weniger auch glücklich ist, wieso dann teurer Unterricht ?

  • Ich muss sagen, dass ich einige Argumente von Dienstleistung und Kunde (komische Differenzierung überhaupt) fast schon asozial finde; es ist doch klar, dass jemand der davon lebt, seine Kosten entweder entsprechend kalkuliert, so dass für den Krankheitsfall etc. vorgesorgt ist, oder eben durchbezahlen lässt. Beides absolut slebstverständlich.


    Allerdings muss ich auch sagen, dass ich es nicht schlimm finde, wenn Nicht-Profis Unterricht für kleines Geld geben; im Regelfall gibts da auch nicht das professionelle und pädagogische Wissen, wie bei einer Fachkraft. Insofern geht das okay, wenn die Stunde beim Profi eben 20-30€ kostet, bei Anderen nur 10-15€. Ich hasse diese Terminologie, aber es ist wie mit anderen "Waren" am Markt: Qualität hat ihren Preis.


    Grüße, Philip

  • Hallo,


    verschiedene Leistung - verschiedener Preis.
    Dass der Zivi (wie lange ist man das eigentlich?), der bei Mama wohnt, vielleicht eine andere Kalkulation hat als der Dipl. Schlagzeuger, der seit 40 Jahren unterrichtet und bereits im Jürgen K-Tanzorchester, dem Rundfunkorchester des rheinhessischen Rundfunks, dem international bekannten Jürgen-K-Quartett gespielt hat, sollte doch an sich nicht verwundern.


    Zu diesen albernen Ferien: ob man Dienstleistungen im Abo oder zum Stückpreis verkauft, ist doch für beide Seiten Geschmackssache. Die Kalkulation muss sich eben jeweils anpassen. Wer hauptsächlich Schüler unterrichtet, kann solche Ferienklauseln wahrscheinlich eher umsetzen wie jemand, der in der individuellen Erwachsenenbildung tätig ist.
    Umgekehrt wird man ja auch kaum einen Schüler (gemeint ist das schulpflichtige Kind) in den Ferien (da muss der ja mit den Alten nach Malle) zum Trommelunterricht bringen (natürlich mit Ausnahmen).


    Grüße
    Jürgen


    Edith meint: zwei Dumme, ein Gedanke.

  • ohne alle beiträge gelesen zu haben(weil einige unverschämt lange sind:-), ich finde man soll generell nichts "unter Preis" anbieten, wie im ersten Post schon stand, nur weil man es gerne macht, (und wir musiker sind da ohnehin mehr betroffen als andere Berufe) darf man den finanziellen Faktor nicht ausser Acht lassen, immerhin investiert man Zeit, und sitzt so auch etwas länger da als die 45min. Gut man vergleicht jetzt Musi8klerher mit einem "normalen" Lehrer in einer Schule, was die so verdienen, dann wäre es zu teuer, was kein Jugendlicher/Kind/Eltern dafür ausgeben würden (??)


    Allerdings wenn man wiederum bedenkt was z.B. Berufe im Bau, Maurer etc "Pro Stunde" verdienen, dann kommt man als Schlagzeuger "der es gerne macht", doch immer noch gut weg. Liegt jedem an sich selbst, das ist halt dann einfach freie Marktwirtschaft. Wenn so mancher mit 17 schon anfängt Unterricht zu geben, find ich, braucht er zumindest da noch nicht eine Unsumme verlangen. Aber jedem das seine. letztendlich kommen die leute dahion wo es günstig aber auch gut ist.


    sorry für das schlechte deutsch aber ich bin schnelltipper:-))mfg

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  • student, 24 jahre alt, semi-profi, 10€ die stunde, wohne noch zuhause und finanziere mein leben mit pokern!


    ich stimme dem "qualität hat seinen preis" voll zu, erst kürzlich hat sich ein mädl gemeldet, die wenig geld ausgeben will (weil sie es einfach nicht hat) und schlagzeug lernen will; ich bin kein studierter musiker und bin kein profi, aber ich tu ihr den gefallen und gib ihr für 10,- € unterricht und all mein wissen!


    lg

  • ... am besten dort, wo die motels nach stunden abrechnen:D

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  • Ich arbeite als Systemadmin und habe dadurch in der IT-Branche etwas Einblick. Externe Unterstützung für Administrative Geschichten ist zwischen 800 und 1000€/Manntag zu haben. Für Leistungen z.B. von Datenbankentwicklern sind ca. 1000-1100€/Manntag fällig. SAP-Berater kosten bereits 1800-2000€/Tag.


    So, jetzt sag nochmal einer 400 € Tagessatz für einen qualifizierten Musiker seien zu viel.


    Auch wenn's schon vor ein paar Seiten war: Stopp!


    Soweit die externe Unterstützung nicht selbstständig ist landet das Geld nie direkt bei dieser!
    Des Weiteren sei gesagt, dass von dieser Summe auch andere Personen mitfinanziert werden müssen - beispielsweise Berater, die den Kontakt herstellen und ein Angebot unterbreiten, was i.d.R. nicht berechnet wird, aber trotzdem per Firmenwagen anreisen und je nach Branche und Firma auch gern mal zu mehreren auftreten.


    LG

    "Besser leer als garnichts drin!" 8| :D


    Meine Kiste

    Einmal editiert, zuletzt von lichtler ()

  • Ferien durchzahlen lassen ist Musikschulmasche, hat was von "Miete", die monatlich fällig ist.
    Ich lasse nicht durchbezahlen und die 2 bis 3 Privatlehrer, die ich kenne, ebenso wenig. Es wäre zumindest naheliegend: keine Leistung --> kein Geld. Hochgerechnet sind das Unsummen, die Jahrelang durch Ferien erhoben werden - und das, obwohl kein Unterricht stattfindet. Aber das macht nicht nur einer, das machen viele ... warum eigentlich?


    Du hast da etwas grundsätzlich nicht verstanden: Hier gilt nicht das Prinzip "Keine Leistung -> kein Geld".
    Dass auch in den Ferien Unterrichtsgebühr bezahlt wird liegt daran, dass ein Jahresbeitrag in 12 gleichen Monatsraten bezahlt wird. Der Lehrende geht also quasi in Vorleistung, lässt sich also eine geringere Monatsgebühr auszahlen, bekommt dafür aber auch in den Ferien Geld.
    Das wird leider von denen übersehen, die damit werben "Keine Gebühren in den Ferien!".


    Das Jahr hat 53 Kalenderwochen. Es werden 36 Unterrichtseinheiten berechnet, da die restlichen durch Ferien und Feiertage entfallen.
    Kostet nun eine Unterrichtseinheit 25 Euro, so wäre bei 36 Unterrichtseinheiten eine Jahresgebühr von 900 Euro fällig. Bei 12 gleichen Monatsraten wären das 75 Euro/ Monat. Es werden also genau 3 Unterrichtseinheiten je Monat berechnet, wobei zur Schulzeit 4-5 Einheiten im Monat gegeben werden.
    Würde man also einen Monatstarif berechnen, in dem "nur die geleisteten Stunden enthalten sind, müsste man zu Schulzeiten mal 100 und mal 125 Euro berechnen, manchmal auch weniger, weil noch ein Feiertag dazwischen gekommen ist.


    Erstens wäre dieses System äußerst unpraktisch, da man jeden Monat neu rechnen muss, und es wäre auch weder für den Lehrer, noch für den Schüler überschaubar, was der Spaß im jeweiligen Monat kostet, bzw. einbringt.


    Und nun sage mir bitte, wo das eine "Masche" ist?


    PS: Das Jahr hat 53 Kalenderwochen, nicht 49. Das hat Edit eben mal korrigiert.

    "If you don't feel it, don't play it." James Jamerson

    Einmal editiert, zuletzt von drumsandbeats ()

  • Klar ist der Unterricht in der Musikschule um einiges professioneller oder effektiver


    Das ist auch ein weit verbreiteter (Irr-)Glaube. Gerade gestern erst habe ich von einem Forenmitglied erfahren, wie der Unterricht bei seinem (Musikschul-)lehrer abläuft - haarsträubend! Und für so etwas zahlen die (unwissenden) Eltern viel Geld. Da ist es doch wiederum klar, dass ich ihm für weniger Geld meine private Leistung anbiete (fange gerade an, Unterricht zu geben).


    Generell möchte ich das von "miles smiles" bereits Angedeutete nochmal betonen: Eine Ausbildung oder bestimmte offizielle Qualifikation zu haben heißt noch lange nicht, einen guten Job zu machen!


    student, 24 jahre alt, semi-profi, 10€ die stunde, wohne noch zuhause und finanziere mein leben mit pokern!


    Wie das denn, wenn ich fragen darf (gerne per PN)?


    Zitat

    ohne alle beiträge gelesen zu haben(weil einige unverschämt lange sind


    Gerade einige lange Beiträge hier sind es wert gelesen zu werden!


    Ein extrem interessanter Thread, der mir sicher auch noch was auf meinem Weg bringen wird - vielen Dank an alle Beteiligten!


    Flo

  • Nun, wenn ich die Ferien durchbezahlen lasse, dafür aber weniger Geld pro Stunde nehme, käme das letztendlich aufs Gleiche raus. Die Schlussfolgerung ist logisch. Der Unterschied: Kunden sind unzufrieden bzw. verstehen nicht, und das kann ich absolut nachvollziehen, wieso für nicht erbrachte Leistung bezahlt werden soll. Wenn eine Stunde 20 Euro kostet, dann kostet sie auch 20 Euro und sollte sich eben nicht noch exkl. der Stunden, die aus X Gründen nicht erteilt wurden, verstehen.


    Wenn eine Mietwohnung leer steht, muss dafür auch niemand den gleichen Monatsbetrag an den Vermieter bezahlen. Auch wenn der Vergleich etwas hinkt: aus der Sicht des Kunden ist das unangemessen. Wir überschlagen mal:


    12 Wochen Ferien im Jahr entsprechen auch 12 Unterrichtsstunden. Wenn der Lehrende sich für eine Stunde 20 Euro bezahlen lässt, wären das in 2 Jahren fast 500 Euro. Für nix. Und 20 Euro sind wohl nicht unbedingt das Maximum an existenten Preisen, die es da Deutschlandweit gibt.
    Masche ist da ein negativ behaftetes Wort - "Methode" wäre besser gewesen.


    Aus der Sicht des Berufsmusikers ist der Einwand verständlicherweise unangebracht ... wenn ich davon lebe(n müsste), würde ich das auch so sehen. Aber auch nur, weil ich dann Geld bräuchte (aber ist das wirklich zu Lasten des Kunden auszutragen? Wie auch immer.).

  • Wer denn?
    Wenn ich keine Leistung bekomme, bezahle ich nur ungern und ebenso wenig habe ich ein gutes Gefühl dabei, für Nix Geld zu nehmen.


  • 12 Wochen Ferien im Jahr entsprechen auch 12 Unterrichtsstunden. Wenn der Lehrende sich für eine Stunde 20 Euro bezahlen lässt, wären das in 2 Jahren fast 500 Euro. Für nix. Und 20 Euro sind wohl nicht unbedingt das Maximum an existenten Preisen, die es da Deutschlandweit gibt.

    Dein Beispiel lässt aber außer Betracht, dass man eigentlich nur 36 Stunden im Jahr bezahlt. Die Gesamtsumme X aus diesen 36 Stunden wird nun durch 12 geteilt und ist monatlich fällig. Eben auch in den Ferien, obwohl da kein Unterricht stattfindet. Bezahlt werden aber trotzdem auf's Jahr gerechnet nur 36 Stunden. Somit lässt sich die Musikschule da nix extra bezahlen! (Zumindest habe ich das jetzt aus den Erklärungen der anderen so rausgelesen.)



    By the way: Sehr interessantes Thema. Imho Thread of the year!

  • Nochmal: "Masche" war das falsche Wort, da negativ behaftet und gerade in diesem Zusammenhang falsch zu verstehen. Methode trifft es besser - zufrieden?? ;)

  • Ok.


    Übrigens hatte bisher in den vielen Jahren, die ich unterrichte genau 1 Vater Probleme damit, das zu verstehen. Ansonsten habe ich nie von irgendeinem meiner Schüler gehört, dass er das ungerecht fände oder dass er unzufrieden damit sei. Natürlich kommt gelegentlich die Frage auf, warum in den Ferien durchbezahlt wird. Wenn ich den Leuten das erkläre, ist es sonnenklar und alle sind glücklich.

    "If you don't feel it, don't play it." James Jamerson


  • da der kunde in diesem falle (wie matzdrums das vorgerechnet hat) den selben betrag pro jahr zahlt entsteht ihm dadurch doch kein nachteil ... man könnte ja auch den vorteil darin sehen, dass sowohl lehrer/schule als auch kunde/schüler mit einer monatlich festen summe einfacher und besser kalkulieren können ... die frage ist nur, OB man es so sehen WILL


    grüssle

  • diese modell zu kapieren schafft eigentlich jeder. schwierig wirds an andern stellen. zb. wenn ein träger 12 monate bezahlt wird, aber nur 9 monate die honorarkraft entlohnt. oder wenn der träger im vertrag den aussfall von soundsoviel einheiten von der nachforderung ausschliesst und die honorarkraft das dann kommunizieren muss.

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