• Ich war vorhin auf einem Konzert der Band in Leipzig. Wirklich sehenswert und auch mit der richtigen Prise Humor.

    Und Marco Minnemann mal live gesehen -> check.


    Die Tour ist nach dem "neuen" Album von 2024 benannt. Das finde ich rundum gelungen, auch was den Sound betrifft.


    Live hatte ich zwar ein bisschen was am Sound zu bemängeln, aber was weiß ich schon ... ;)

  • Aristocrats am 9. April 2026 im Colos-Saal oder:

    Das Problem bin ich.


    Marco Minnemanns Tun verfolge ich schon ewig.

    Freaky Fucking Weirdoz, Illegal Aliens, viele Solo-

    platten, Buch, DVDs, die Sachen mit Mike Keneally,

    Steve Wilson, Paul Gilbert, Satriani etcpp.: steht alles

    im Schrank. Ich halte ihn für einen der Top-Top-

    Player auf unserem Planeten. Bei Koordination

    und Geschwindigkeit ist er ganz vorne mit dabei.

    Aristocrats habe ich schon auf der letzten Tour in

    Mainz gehört.


    Jetzt lief die Truppe im Colos-Saal in Aschaffenburg

    ein und der war knackevoll. Das Publikum stand

    sehr dicht gedrängt bis zur Eingangstür. Ich hatte

    einen Platz ganz vorne ergattert, keine zwo Meter

    vom Bühnenrand, mittig, genau vor Marcos fettem

    DW-Set.


    Die Band kam raus, war bestens gelaunt und hatte

    den Schalk im Nacken. Es lief ein Playback und die

    Mannen stiegen peu a peu ein und los ging die wilde

    Fahrt. Was Minnemann in der Trommelwelt ist, ist

    Guthrie Gowan im Universum der Gitarristen. Out-

    standig und ganz vorne dabei. Es ist wirklich kaum

    zu fassen, was die beiden da abreißen. Eine spiel-

    technische Sensation jagt die nächste, hier noch eine

    metrische Modulation, dort noch ein eigentlich

    unspielbares Lick in Lichtgeschwindigkeit. Für Freunde

    höchster Virtuosität ist ein Aristocrats-Gig de facto

    ein Dauerorgasmus. Der Bassist Bryan Beller spielt

    auch virtuos, aber nicht auf dem abgedrehten Level

    wie die beiden anderen Irren. Sein Job ist es, den

    Laden zusammenzuhalten.


    Die Stücke der Band sind hochkomplex und - ja

    hochkomplex. Und da fängt für mich - und ich betone

    ausdrücklich: für mich - der Ärger an. Es gibt wirklich

    massenhaft tolle Parts in den Stücken und auch

    wunderbare und clevere Übergänge - top, top, top.

    Es gibt aber auch Sachen, die ich grauenhaft und total

    unpassend finde. Da werden Teile zusammengeschraubt,

    die nicht zueinander passen wollen. Die Kompositionen

    wirken bisweilen brutal zusammengenagelt, stellenweise

    ist es für mich eine Aneinanderreihung "unspielbarer"

    Licks. Hier noch mal 53 über 47, da noch ein 11er eingebaut,

    dort noch ein 128tel Unisonolick reingeflanscht. Das ist

    für mich zu viel Zirkus Roncalli und zu wenig Musik.


    Ihr dürft mich gerne steinigen und in die Hölle stoßen

    für meine harschen Aussagen. Und ich weiß auch, dass

    ich das Problem bin und nicht die Band. Der Reaktion nach

    zu urteilen, war ich wohl der einzige im Colos-Saal, der das

    so empfand. Meine Sicht der Dinge auf höher, schneller,

    weiter hat sich wohl etwas verändert und was ich hier

    schreibe ist vergleichbar mit der Kritik des Vegetariers

    am Wiener Schnitzel. Trotzdem habe ich höchsten Respekt

    vor der Truppe, aber ich muss mich jetzt erst mal erholen.


    Die nächsten Colos-Konzerte, für die ich Karten habe sind

    Simon P. und Eric Johnson. Ich hoffe, dass das gut geht.

    Vom CS-veranstaltet wird auch das Konzert von Vonda

    Shepard, das im wundervollen Stadttheater Aschaffenburg

    stattfindet. Das wird ganz sicher seeeehr relaxt.


    fwdrums



    Ich schreib den ganzen Kram um die Uhrzeit, weil ich

    aufgrund seniler Bettflucht nicht mehr schlafen kann,

    unnütz im Hotel rumhänge und die Europe Drum Show

    erst um zehn aufschließt.

    nontoxic: kurze lange CD-Pause

  • Aber geht man nicht exakt mit dieser Erwartung aufs Konzert der Aristokraten, dass man Zirkus will? 😉

    Ich kann deine Eindrücke gut verstehen, mir würde es vermutlich ähnlich gehen. Glücklicherweise weiß ich schon seit langer Zeit, dass mir Virtuosität als Kernaussage musikalischen Schaffens nichts gibt. Daher bin ich gar nicht die Zielgruppe.

  • Ja, Du hast natürlich Recht. Ich muss zu meiner

    Schande gestehen, dass mir dieses "Zusammen-

    nageln" in dieser Krassheit erst jetzt so richtig

    aufgestoßen ist. Manchmal will ich bestimmte

    Sachen auch nicht wahrhaben, obwohl ich es

    im tiefsten Innern bereits spüre: Es kann nicht

    sein, was nicht sein darf. :)


    fwdrums

    nontoxic: kurze lange CD-Pause

  • Hmmm.. Bei dem Namen "Aristocrats" kommt mir nach wie vor immer was anderes zuerst in den Sinn.


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    Die Folgen der Kindheitssozialisierung... 😁


    Sorry für off-topic. 🤭

    "You don't have to show off" - Peter Erskine

  • Ja, der Bandname geht zurück auf einen versauten Witz: https://de.wikipedia.org/wiki/The_Aristocrats


    Man muss die Band ja nicht gut finden. Aber wenigstens ist das bei denen alles 'ne klare und authentische Angelegenheit. Nicht so wie bei manch anderen Bands, die ihre Virtuosität meiner Meinung nach zunehmend in falsche Theatralik verpacken und mit aufgesetztem Drama und Gesang verbinden.


    Bei den Aristocrats weiß man wenigstens ganz klar, woran man ist.


    Was mich beim Konzert im Anker in Leipzig gestört hat war der Sound. Erstmal war es verdammt laut - OK. Die PA schien aber auch am Limit gefahren worden zu sein, zumindest die oberen Mitten krächzten schon. Und genau dort war die Gitarre auch sehr scharf im Sound. Sie war im Verhältnis aber auch einfach zu laut. Dagegen war der Bass relativ dumpf und dynamisch, d.h. kaum präsent gegenüber der Gitarre. Beides ist auf dem letzten Album deutlich besser, ausgewogener und angenehmer - die Gitarre im Verhältnis leiser und angenehm im Klang und der Bass deutlich präsenter. Die Band dreht sich ja nicht nur um den Gitarristen (wie bei so manchem Gitarrengott), sondern ist eigentlich ein gleichwertiges Trio.


    So ein Aristocrats-Konzert ist ja schon 'ne relativ anstrengende Angelegenheit, auch für geübte Ohren. Und zumindest ich möchte da auch "aufmerksam hinhören" könnnen und mir stattdessen nicht den nächsten temporären Hörschaden abholen. Das ist ja kein Motörhead-Konzert, sondern z.T. schon fast Jazz.


    Weil ich meinen Gehörschutz vergessen hatte musste ich mir dann mit Zellstoff behelfen.


    fwdrums

    Kennst du auch die Studio-Alben oder war das Konzert dein einziger Eindruck von der Band?

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