Neues Gefrickel feat. MM (+ Guthrie Govan, Bryan Beller): Hit it
Eine Stunde live: http://www.youtube.com/watch?v=AmincofcVQs
Neues Gefrickel feat. MM (+ Guthrie Govan, Bryan Beller): Hit it
Eine Stunde live: http://www.youtube.com/watch?v=AmincofcVQs
Das Konzert ist der Bringer! Der Humor ist über jeden Zweifel erhaben.
Ich war vorhin auf einem Konzert der Band in Leipzig. Wirklich sehenswert und auch mit der richtigen Prise Humor.
Und Marco Minnemann mal live gesehen -> check.
Die Tour ist nach dem "neuen" Album von 2024 benannt. Das finde ich rundum gelungen, auch was den Sound betrifft.
Live hatte ich zwar ein bisschen was am Sound zu bemängeln, aber was weiß ich schon ... ![]()
Aristocrats am 9. April 2026 im Colos-Saal oder:
Das Problem bin ich.
Marco Minnemanns Tun verfolge ich schon ewig.
Freaky Fucking Weirdoz, Illegal Aliens, viele Solo-
platten, Buch, DVDs, die Sachen mit Mike Keneally,
Steve Wilson, Paul Gilbert, Satriani etcpp.: steht alles
im Schrank. Ich halte ihn für einen der Top-Top-
Player auf unserem Planeten. Bei Koordination
und Geschwindigkeit ist er ganz vorne mit dabei.
Aristocrats habe ich schon auf der letzten Tour in
Mainz gehört.
Jetzt lief die Truppe im Colos-Saal in Aschaffenburg
ein und der war knackevoll. Das Publikum stand
sehr dicht gedrängt bis zur Eingangstür. Ich hatte
einen Platz ganz vorne ergattert, keine zwo Meter
vom Bühnenrand, mittig, genau vor Marcos fettem
DW-Set.
Die Band kam raus, war bestens gelaunt und hatte
den Schalk im Nacken. Es lief ein Playback und die
Mannen stiegen peu a peu ein und los ging die wilde
Fahrt. Was Minnemann in der Trommelwelt ist, ist
Guthrie Gowan im Universum der Gitarristen. Out-
standig und ganz vorne dabei. Es ist wirklich kaum
zu fassen, was die beiden da abreißen. Eine spiel-
technische Sensation jagt die nächste, hier noch eine
metrische Modulation, dort noch ein eigentlich
unspielbares Lick in Lichtgeschwindigkeit. Für Freunde
höchster Virtuosität ist ein Aristocrats-Gig de facto
ein Dauerorgasmus. Der Bassist Bryan Beller spielt
auch virtuos, aber nicht auf dem abgedrehten Level
wie die beiden anderen Irren. Sein Job ist es, den
Laden zusammenzuhalten.
Die Stücke der Band sind hochkomplex und - ja
hochkomplex. Und da fängt für mich - und ich betone
ausdrücklich: für mich - der Ärger an. Es gibt wirklich
massenhaft tolle Parts in den Stücken und auch
wunderbare und clevere Übergänge - top, top, top.
Es gibt aber auch Sachen, die ich grauenhaft und total
unpassend finde. Da werden Teile zusammengeschraubt,
die nicht zueinander passen wollen. Die Kompositionen
wirken bisweilen brutal zusammengenagelt, stellenweise
ist es für mich eine Aneinanderreihung "unspielbarer"
Licks. Hier noch mal 53 über 47, da noch ein 11er eingebaut,
dort noch ein 128tel Unisonolick reingeflanscht. Das ist
für mich zu viel Zirkus Roncalli und zu wenig Musik.
Ihr dürft mich gerne steinigen und in die Hölle stoßen
für meine harschen Aussagen. Und ich weiß auch, dass
ich das Problem bin und nicht die Band. Der Reaktion nach
zu urteilen, war ich wohl der einzige im Colos-Saal, der das
so empfand. Meine Sicht der Dinge auf höher, schneller,
weiter hat sich wohl etwas verändert und was ich hier
schreibe ist vergleichbar mit der Kritik des Vegetariers
am Wiener Schnitzel. Trotzdem habe ich höchsten Respekt
vor der Truppe, aber ich muss mich jetzt erst mal erholen.
Die nächsten Colos-Konzerte, für die ich Karten habe sind
Simon P. und Eric Johnson. Ich hoffe, dass das gut geht.
Vom CS-veranstaltet wird auch das Konzert von Vonda
Shepard, das im wundervollen Stadttheater Aschaffenburg
stattfindet. Das wird ganz sicher seeeehr relaxt.
fwdrums
Ich schreib den ganzen Kram um die Uhrzeit, weil ich
aufgrund seniler Bettflucht nicht mehr schlafen kann,
unnütz im Hotel rumhänge und die Europe Drum Show
erst um zehn aufschließt.
Aber geht man nicht exakt mit dieser Erwartung aufs Konzert der Aristokraten, dass man Zirkus will? 😉
Ich kann deine Eindrücke gut verstehen, mir würde es vermutlich ähnlich gehen. Glücklicherweise weiß ich schon seit langer Zeit, dass mir Virtuosität als Kernaussage musikalischen Schaffens nichts gibt. Daher bin ich gar nicht die Zielgruppe.
Ja, Du hast natürlich Recht. Ich muss zu meiner
Schande gestehen, dass mir dieses "Zusammen-
nageln" in dieser Krassheit erst jetzt so richtig
aufgestoßen ist. Manchmal will ich bestimmte
Sachen auch nicht wahrhaben, obwohl ich es
im tiefsten Innern bereits spüre: Es kann nicht
sein, was nicht sein darf. ![]()
fwdrums
… in a nutshell: du bist jetzt eben alt, Fränk. ![]()
Ja so ein Mist...
Fränk!
Haha, dann leide ich am Ende schon seit 30 Jahren an Frühvergreisung ![]()
Hmmm.. Bei dem Namen "Aristocrats" kommt mir nach wie vor immer was anderes zuerst in den Sinn.
Die Folgen der Kindheitssozialisierung... 😁
Sorry für off-topic. 🤭
Ja, der Bandname geht zurück auf einen versauten Witz: https://de.wikipedia.org/wiki/The_Aristocrats
Man muss die Band ja nicht gut finden. Aber wenigstens ist das bei denen alles 'ne klare und authentische Angelegenheit. Nicht so wie bei manch anderen Bands, die ihre Virtuosität meiner Meinung nach zunehmend in falsche Theatralik verpacken und mit aufgesetztem Drama und Gesang verbinden.
Bei den Aristocrats weiß man wenigstens ganz klar, woran man ist.
Was mich beim Konzert im Anker in Leipzig gestört hat war der Sound. Erstmal war es verdammt laut - OK. Die PA schien aber auch am Limit gefahren worden zu sein, zumindest die oberen Mitten krächzten schon. Und genau dort war die Gitarre auch sehr scharf im Sound. Sie war im Verhältnis aber auch einfach zu laut. Dagegen war der Bass relativ dumpf und dynamisch, d.h. kaum präsent gegenüber der Gitarre. Beides ist auf dem letzten Album deutlich besser, ausgewogener und angenehmer - die Gitarre im Verhältnis leiser und angenehm im Klang und der Bass deutlich präsenter. Die Band dreht sich ja nicht nur um den Gitarristen (wie bei so manchem Gitarrengott), sondern ist eigentlich ein gleichwertiges Trio.
So ein Aristocrats-Konzert ist ja schon 'ne relativ anstrengende Angelegenheit, auch für geübte Ohren. Und zumindest ich möchte da auch "aufmerksam hinhören" könnnen und mir stattdessen nicht den nächsten temporären Hörschaden abholen. Das ist ja kein Motörhead-Konzert, sondern z.T. schon fast Jazz.
Weil ich meinen Gehörschutz vergessen hatte musste ich mir dann mit Zellstoff behelfen.
Kennst du auch die Studio-Alben oder war das Konzert dein einziger Eindruck von der Band?
Im Mai sind sie in Zürich, und ich tendiere momentan stark dazu, hinzufahren
.
Guthrie habe ich erst mit Hans Zimmer live erlebt, war auf jeden Fall umwerfend.
Ich hatte ähnliches Sauer-aufstoß-Erlebnis vor einigen Jahren mit Animals As Leaders.
Ich wusste genau, was mich erwartet, und eigentlich fand ich vieles sehr geil, und dennoch
habe ich gerade im Livekontext eine Connection auf der emotionalen Ebene vermisst, und
ich glaube, es wäre nicht mal unmöglich, aus Musik von der komplexesten Sorte eben auch
etwas Emotionales schaffen zu können, Geschichten zu erzählen, Bogen zu spannen, die
musikalische Aussage in dem Sinn über die "technischen Ideen" zu stellen. Aber leider
gibts die Kombination irgendwie selten.
Meiner Meinung nach sind Haken eine Band, die diesen Grat zwar nicht vollständig, aber
zu einem (für mich) herausstechenden Grad schaffen.
Gut, die Aristos haben es als instrumentale Band vielleicht auch ohnehin etwas schwerer,
wenn man davon ausgeht, dass die menschliche Stimme die beste, tiefste und emotionalste
Verbindung schafft. Auch in Kombination mit Sprache natürlich.
Ich glaube, auf dem Niveau, auf dem die Männer sich bewegen geht es zu einem gewissen Anteil auch gar nicht mehr darum, einen „angenehmen“ Höreindruck zu hinterlassen, sondern eben auch um Kreativität, Zusammenspiel/Interaktion und Aspekte, die man glaube ich neben der reinen Musikalität (im harmonischen Sinne) mit einpreisen sollte.
Die Typen haben im Grunde alles erreicht und machen musikalisch jetzt nur noch Sidequests und nutzen die Bühne in dem Rahmen einfach als Spielplatz. Wer mag es ihnen verübeln? ![]()
Rein um die Spielfreude von Govan und Minnemann zu erleben, wäre es mir das Erlebnis wert, aber ich besuche solche Konzerte auch wohldosiert und mit einer entsprechenden Erwartungshaltung ![]()
Bei mir ist es im mal Plini, das dürfte ähnlich werden (hat letztes Mal aber schon auch Spaß gemacht!).
Kennst du auch die Studio-Alben oder war das Konzert dein einziger Eindruck von der Band?
Ich habe ein paar CDs, kenne ein paar weitere
und habe die Band schon live gehört.
fwdrums
"Das ist für mich zu viel Zirkus Roncalli und zu wenig Musik."
Ich sehe seit jeher das Ganze eher als ein Kunst-Projekt von drei technisch versierten Musikern, die sich in keine Schublade stecken lassen wollen und bei denen Regeln dafür da sind, gebrochen zu werden. Und über Kunst lässt sich vortrefflich streiten. Ich finde es zumindest interessant, auch wenn ich immer noch nicht weiß, ob ich das in der Summe alles gut finde. Aber es mag ja auch nicht jeder Kubismus, Dadaismus oder sowjetischen Realismus. 🙂
Ich glaube, auf dem Niveau, auf dem die Männer sich bewegen geht es zu einem gewissen Anteil auch gar nicht mehr darum, einen „angenehmen“ Höreindruck zu hinterlassen, (...)
Ich denke, da liegst du nicht ganz verkehrt mit deiner Analyse.
Frankieboy, da ich bin bei Dir:
Mich hat es vor ca 20 Jahren bei einem Konzert von Karizma inkl. Vinnie C. erwischt: Statt Begeisterung erfasste mich spontan ein seltsamer entfremdelnder Kältestrom, der mich zur Pause sogar gehen liess.
Seither ist mir klar, dass es - für mich - zwei Arten von Musik gibt: Eine, die dem Zuhörer etwas mitteilt, sich an ihn wendet, ihm Fragen stellt, kurz: kommunizieren will, wenn auch nur fiktiv.
Und eine andere, die zufrieden ist mit sich selbst, eine, die sich selbst genügt; Musik, die dem Zuhörer bei jeder Note klarmacht: "Ich brauch dich nicht, hör zu oder nicht, ist mir egal, ich bin hier und ich bin verdammt gut".
Musik gewissermassen als Selbstgespräch, ein Witz, den sich die Musiker selber erzählen, um dann verschroben in sich reinzukichern wie ein betrunkener Clochard unter einer Brücke.
Mag diese Musik auch noch so virtuos sein: sie will nichts mitteilen, sie will nicht helfen, sie will nicht trösten, sie will keinen aufrütteln, mitreissen, will niemanden beleidigen, ja, sie will noch einmal begeistern: Denn die Musiker würden den Kram sogar spielen, wenn ihn sich kein Mensch jemals anhören würde. Vielleicht schwingt schon irgendwo ein wenig Wunsch nach Bewunderung mit (denn wieso sollte man sonst auf die Bühne gehen), aber das wars auch schon, ansonsten gilt: "Wenn Du's nicht checkst, verzieh dich!".
Fast notwendige Folge dieses rüden Affronts: es stellt sich noch nicht einmal das Gefühl ein, Zeuge von etwas Ausserordentlichem zu sein, bei dem man glücklich ist, zumindest dabei gewesen zu sein - auch wenn man es nicht verstanden hat.
Dabei sei die absolute und einmalige Virtuosität der Musiker natürlich in keiner Weise geleugnet. Und es auch nicht so, das Virtuosität schlechthin abschreckt: die eines Gavin Harrison beispielweise hat mich immer erreicht, bei ihm erscheint mir die Virtuosität stets nur als Vehikel, als Mittel zum Zweck und eben nicht als Selbstzweck. Und auch Vinnie C. hat mich - in anderem Kontext - schon dergestalt "erreicht".
Alles in allem jedenfalls eine seltsamer Vorgang, nicht ganz zu erklären und zu durchschauen.
Aber auch ich bin sicher: es liegt an mir. Und wenn einer dieser Virtuosen unser Geschreibsel sehen würde, würde er wohl ohnehin das sagen, was ein berühmter Drummer (dessen Name mir entfallen ist) einst erklärte: " Hey, no mystery: don't overthink it: its just the music i love to play."
Sehr interessante Gedanken
.
dieses "Zusammen-nageln" in dieser Krassheit
Zu wenig Zappa gehört in deinem Leben? "And now something completely different!"
Ich hab Minnemann auf der Zappanale gesehen mit Bogus Pomp und das war sehr beeindruckend, mit welcher Leichtigkeit der das krasse
Zappa-Programm (u.a. Black Page, Echidnas Arf of you) runterspielte.
Gott sei dank kann ich mir heutzutage sowas geben, ohne darüber gefrustet zu sein, daß ich nur 5% von dem Zeug kann.
"Das ist für mich zu viel Zirkus Roncalli und zu wenig Musik."
Ich finde es supi daß es so Typen gibt, die sich in anderen Sphären befinden. Panzerballett mit Sekrastian Lanser fand ich auch toll, alles live
und echt und ohne Fangnetze für die Akrobaten. ![]()
Wobei der Vergleich zu Zappa sowas von hinkt. Zwar sind manche Nummern von ihm bisweilen sackschwer und für Normalsterbliche unspielbar, aber ihm ging es primär um die musikalische Aussage, nicht um das reine Abfeiern von Virtuosität, Ohrwürmer bekanntlich eingeschlossen.
Zu wenig Zappa gehört in deinem Leben?
Ja bestimmt, denn niemand kann wirklich
genug Fränk hören. Im Großen und Ganzen
bin ich mit dem Werk das Meisters ganz gut
vertraut und darf so ziemlich alle regulären
Veröffentlichungen zu Lebzeiten mein eigen
nennen.
Eine deutliche Zappa-Nähe von MM gibt es imho
vor allem bei den ersten Soloplatten. Fränk
hat es sehr oft meisterhaft verstanden Unter-
schiedliches elegant zu vereinen. So ganz den
Zusammenhang zu Aristocrats, so wie Du ihn
offensichtlich siehst, kann ich da nicht herstellen.
Ansonsten bin ich da ganz bei Trommla. Und
gefrustet, dass ich Vieles nicht kann, was andere
können, bin ich sowieso nicht. Ich höre ja auch
nicht auf Fußball zu glotzen, nur weil es Ronaldinho-
Videos gibt (Ich sag's besser dazu: Ironie &
unlautere Verdrehung).
fwdrums
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