Brisant: Bubinga Recherche!

  • erstmal Luddie: respekt. ich finde es gut das sich leute gedanken über ihr hobby- oder berufsinstrument machen. es gibt viele bereiche in unserer technisierten zeit bei dem man nicht gross wählen kann, beim schlagzeug aber z.b. schon.


    auch bin ich voll hinter der meinung von drumstudio1. nicht in vielthemerei verirren, sondern hier nur thema bubinga und evtl andere kritische hölzer (golden madrone usw) diskutiere und evtl. soweit gedeihen zu lassen,d as die hersteller gar nicht anders können als sich zu äussern. ich möchte nicht wissen, wie viele bäume kritischer holzarten für musikinstrumente abgeholzt werden, es werden aber schon so einige sein.


    Der Kritische: das ist ein anderes - sicherlich genauso wichtiges - thema, dafür sollte man beizeiten (vielleicht auch schon jetzt) einen eigenen thread eröffnen.

  • Bemerkenswerter Beitrag, sticht sofort raus.


    Ehrlich gesagt hatte ich bei so hochpreisigen Artikeln selbstverständlich damit gerechnet, daß bei "dem bisschen" Holz alles (oder zumindest das gröbste) mit rechten Dingen vor sich geht. Mal wieder Pustekuchen. Überall nur Muh und Schmuh, wo man hinschaut, überall nur Korruption und Profitgier.


    Ich bin nach diesem Artikel mal wieder echt bedient. Schade, daß es auch in den Bereichen, die einem wichtig sind und die man mag, so beschissen abläuft.

  • Danke für Dein Engagement Luddie! Und schon krass, was Du als Privatmann zu hören bekommst. Ich muss das auch erst mal sacken lassen, bin ein bisschen froh, mir bisher kein B/B leisten zu können und werde mir wohl auch in Zukunft keins kaufen. Natürlich kann man nicht in allen Lebensbereichen auf alles achten, speziell wenn man nicht so viel Kohle hat, aber man muss ja nicht den Kahlschlag von solchen Wäldern fördern, indem man sich für ein Schlagzeug entscheiden, was vielleicht nicht viel anders tönt, als eins aus europäischer Birke oder nordamerikanischem Ahorn...

  • Toll gemacht Luddie.............



    ......dennoch mache ich mir gerade Gedanken über die Sinnigkeit des ganzen.


    Das ist wie mit den Vegetariern,man beruhigt sein Gewissen,aber ändern kann man nix.
    Man denkt sich vielleicht: "Für mich wird kein Bubinga gefällt",aber gefällt wird er trotzdem.

  • Zitat

    Original von Lupi
    T..dennoch mache ich mir gerade Gedanken über die Sinnigkeit des ganzen.



    Man denkt sich vielleicht: "Für mich wird kein Bubinga gefällt",aber gefällt wird er trotzdem.


    Der Beitrag und die Gedanken darüber sind absolut sinnvoll: schließlich wird dieses Produkt ja für den zahlenden Endkunden hergestellt. Wenn dieser aber lieber ein "ökologisch vertretbar"-hergestelltes Produkt bevorzugt, wenn solch ein Trend erstmal einsetzt, dann reagiert die Industrie da eigentlich recht schnell.

  • 1. Toleranz ist zwar toll - stammt aber von nem ganz anderen Wort ab.


    2. Super Recherechearbeit. Es ist auch wichtig über solche Verhältnisse zu informieren.


    3. Aber Sind wir doch mal ehrlich: Es ist einfach sinnlos. Es gibt zig Missstände (alleine heute erfahren: H&M (bzw. deren Lieferanten) zwinge Kinder die Baumwolle zu ernten; Mastgänse bekämen 3 mal am Tag 1kg Futter per Stahlrohr (durch den Hals) direkt in den Magen gepumpt; und Tama benutze unsinnigerweise geschützte Tropenhölzer). Die Liste wird zudem jeden Tag länger und länger. Natürlich würde ein drastischer, transnationaler Käufer-Boykott helfen, eine Verbesserung zu bewirken. Aber die Vergangenheit hat meiner Meinung nach gut gezeigt, dass es (trotz vorhandener, teilweise sogar sehr guter medialer Berichterstattung) niemals soweit kommen kann. Lösungsvorschläge gibt es wohl einige - von denen meiner Meinung nach aber nur wenige eine wirkliche Verbesserung der Situation bewirken könnten.


    Letztlich liegt es an internationalen Institutionen und Organsiationen Auflagen und Regelungen festzulegen - kombiniert mit drakonischen Strafen und strenger Kontrolle. Der Bürger im Kleinen und die Gesellschaft im Großen ist wohl alleine nicht in der Lage am Status Quo irgendetwas zu ändern (das leite ich aus meinem Menschenbild ab, in dem jeder (Konsumenten und Produzenten) auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist).


    Ich hoffe jedoch, dass sich die Politik in all ihren Formen dieser Situation im Allgemeinen bewusst ist. EU & UN sind zwar auf einem sehr langsamen, aber auf einem guten Weg um zu gegebener Zeit in der Lage sein zu können um solche Auflagen zu erteilen. Die Hoffnung stirbt wohl zuletzt.

  • Zitat

    Original von chop ... 3. Aber Sind wir doch mal ehrlich: Es ist einfach sinnlos ...


    Schwachsinn!


    Jeder kann was verändern und zwar da, wo es sich kontrollieren läßt - nämlich bei einem selber!
    Wer das nicht macht, ist einfach nur zu faul, zu bequem, desinteressiert, verantwortungslos.


    ...es ist doch so schön hinzusitzen und mit dem Finger zu zeigen und dann drauf zu warten, daß irgendjemand, irgendwann was ändert...



    Es gibt nur eines: Anfangen, und zwar sofort - gilt für jeden! Alles andere sind Ausreden, zumal es für alles!!!! Alternativen gibt.

    ..."meine" Musik: Jazz (Big Band bis Free), brasil. Musik, Avantgarde, hin+wieder Klassik ->am Drumset, an den Percussions, am Schlagwerk

  • Wow, da muss ich grad mal leer schlucken.
    Vielen Dank, Luddie. Ich finde deinen Beitrag sehr gut.
    Ist informativ und leider auch etwas depremierend.


    Aber es wird mir helfen bei meiner nächsten Auswahl eines Drumsets or whatever, vielleicht etwas vorsichtiger, bzw. umsichtiger zu sein.


    Zum Glück gibt es immer wieder Leute die einem (mal sicher mir) am Gewissen klopfen. Danke nochmals.


    So, ich bin auch ein Tama Besitzer. Habe noch ein älteres reines Birke Starclassic. Werde mir bald mal ein neues Set zulegen (wenn die Kohle reicht :D)
    Aber !! von einem Tama bin ich jetzt noch ein Stück weiter weg. Die ganze Warlord-Scheisse hat mir eh nie gepasst. (zum Glück habens sie's nicht Truppenführer genannt. Sonst gäbs im deutschsprachigen Raum wohl keinen Absatz mehr) jedenfalls ist mir nach dieser Geschichte der Appetit auf Tama noch ein Stück weiter vergangen....

  • Hey Luddie , toller Thread und super Recherche. Bei meiner Anfrage bezüglich Bubinga-Holzes hat Tama/Meinl damals überhaupt nicht reagiert. Ich hatte da auch schon so ein komisches Gefühl von Anfang an dabei. War aber nicht hartnäckig genug, habs einmal per Mail probiert und dann nicht wieder :(
    Bin ganz froh, das ich kein Bubinga Set hab. Wenn ich mir vorstelle, das man als Endorser überall mit so nem fragwürdigen Produkt in der Öffentlichkeit steht und dafür auch noch Werbung macht...


    @ chop
    Du hast Recht, die Liste der weltweiten Ungerechtigkeiten ist lang, aber der einzelne Konsument kann doch in sehr vielen Dingen entscheiden, was er kauft und welche Firmen er unterstützt, so fern er gewillt ist sich zu informieren, ich denke dabei vor allen Dingen an Ernährung und Kleidung. Aber der Kreis der Drummer ist glaube ich viel überschaubarer, da ist es wesentlich einfacher ein Produkt zu boykottieren, bzw. ein Zeichen zu setzen (u.a. natürlich in diesem Forum)


    Wie sagte es Luddie neulich so schön, oft überwiegt bei Musikinstrumenten aber erst einmal die Faszination für das Gerät, bevor man (falls überhaupt) anfängt über seine Herstellung nachzudenken.


    Grüße


    Christoph

  • Was ich noch erbärmlicher finde, als Firmen die mit bedenklichem Tropenholz Geld verdienen: Menschen, die sowas aus Bequemlichkeit und Faulheit mit der fadenscheinigen Begründung "ich kann ja sowieso nichts ändern" einfach ignorieren.


    Gilt übrigens nicht nur in diesem speziellen Fall.

    Zitat

    Original von Marty Feldman
    "The pen is mightier than the sword, and considerably easier to write with."

  • toll ist es auch, daß die einschlägigen gazetten kein wort darüber verlieren.
    beim ersten artstar gabs die gleiche diskussion. ruckzuck wars vom markt verschwunden.
    die bubingaschwemme von heute ist ganz anders dimensioniert.
    die pillemänner tun so, als hätten sie das rad neu erfunden.


    lust auf ne radtour?


    alle guten schlagzeuge wurden schon gebaut. es gibt keine besseren, nur andere.

    Satellite of Love

  • Hier im Drummerforum gibt es ein Interview mit Armin Rühl, wo er die Bubingaproblematik anspricht.
    Genau wie auf seiner Homepage. Ganz neu ist das nicht. Umso besser das luddie die Thematik nochmal anpackt. Respekt, ich ziehe meinen Hut.

  • zuerstmal meine hochachtung! good job, luddie!


    wähend das genannte edelholz bei trommeln eher im bereich "hauchzart" aufgetragn wird, kommen bei bässen oder harfen wahrscheinlich gleich ganze stämme zum einsatz... auch darüber sollte man sich mal gedanken machen.


    vollkommen unverständlich hingegen finde ich den einsatz diverser edelhölzer als intarsien in fahrzeugen, wo das ganze lediglich einen pimp-effect hat. und die werden bekanntlich millionenfach hergestellt...

    music is the best

  • Zitat

    Original von matzdrums
    ein fertigungsort ist grundsätzlich kein qualitätsmerkmal. chrom macht überall dreck. den dreck wegzuräumen kostet an verschiedenen orten auf diesem planeten verschiedenes geld. ich könnte in meiner garage zb. hw verchromen, ein bubingabaum wächst aber nicht in meinen garten.

    Ich bezog mich auch eher auf die ausbeute von Menschen.
    Aber du hast recht, die Chinsesen kippen die chemie einfach in den Yangtze.

    "Man muss das Grundgesetz vor seinen Vätern schützen und die Verfassung vor ihren Schützern."
    "Der Faschismus ist eine Spielart der freien Marktwirtschaft."
    Wolfgang Neuss

  • Sehr guter Beitrag der hoffentlich Wellen schlägt und auch die richtigen Leute erreicht.
    Hut ab vor der Arbeit, Recherche, Courage und auch dem Mut an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich denke in einer Gesellschaft in der man sich ökologischen Belangen mehr und mehr bewusst wird [zum Glück] kann sich ein Unternehmen nicht derart präsentieren.

  • Sehr interessant die Diskussion. Wie einige vielleicht wissen habe ich Forstwissenschaften studíert und mich auf das Thema Holz spezialisiert, ein sehr großer Teilbereich war dabei die Tropenholzwirtschaft. In diesem Falle bitte ich dringenst darum, nicht jedes Land, sogar jede Region über einen Kamm zu scheren. Ich stelle hier nun einmal ein paar Thesen auf, die zum Nachdenken anregen sollten und mich im Studium sehr beschäftigt haben:
    Stellt euch einmal vor, ihr seid Grundbesitzer in Südamerika. Ich weiß nicht, ob es heute noch so ist, aber damals wurden Claims abgesteckt für die Bauern, jedes Stück Land wurde den Leuten überschrieben, die es gerodet, dem Urwald abgerungen hatten. Wichtig:
    Ich spreche hier von Rodung und nicht von Abholzung!!!!!!
    Das ist ein himmelweiter Unterschied!!!!!
    Der Effekt ist aus dem All zu beobachten:
    Man sieht von dort wie riesige Flächen den Flammen zum Opfer werden und als Waldfläche für immer verloren gehen, das liegt an den Bodenverhältnissen dort ( Der Urwald hat seine Nährstoffe in der Krone, nicht im Boden). Die Bauern treiben dort ein paar Jahre Landwirtschaft, dann ist der Boden ausgelaugt und braucht Jahre um sich zu erholen, die Folge: Die Bauern ziehen weiter.......
    Jetzt stellt euch mal folgendes vor:
    Dem Bauern würde ein Stück Land überschrieben, das er nachhaltig zu bewirtschaften hätte, Sprich: Den Urwald als "nachhaltigen!!!" Rohstofflieferanten nutzen, das würde doch bedeuten, also wenn ich Bauer wäre würde ich zumindest drüber nachdenken, wie ich am besten meine Fläche nutze oder? Es geht hier ums Essen, Erträge, Schuhe für die Kinder u.s.w.
    Wenn ich also sagen würde ich nehme immer nur das raus was nachwächst, dann hätte ich einen jährlichen Ertrag der meine Familie ernährt, oder?
    So, wir stehe also vor der Wahl: Brandrodung oder Nachhaltige Forstwirtschaft, alles andere sind meiner Ansicht nach Träumereien.
    Meine Wahl wäre; Holz verkaufen!!
    Wenn aber der Westen sagt: "Ihr seid böse, weil ihr Tropenholz einschlagt, deshalb kaufen wir nix" fehlt dem kleinen Bauern der Absatz, was macht er?
    Richtig: Brandroden.
    Als vor einigen Jahren der Kauf oder Verkauf von Tropenholz geächtet wurde, wurden die meisten Waldflächen der Welt in Äcker umgewandelt!!
    Sicher, es ist einfach zu sagen, ja das kaufe ich nicht, das Geld haben die Falschen verdient, wahrscheinlich auch war, aber: Wenn man der Welt nicht klarmacht, das der Wald was Wert ist, dann ist der Wald bald weg!
    Das ist meine Überzeugung!
    Diese Thema geht uns alle an,
    macht euch bitte die Zusammenhänge klar!!!
    Die Wälder dieser Erde sind neben den Meeren der größte CO2 Speicher!
    Mit jeder Holztrommel die ihr kauft und benutzt bindet ihr CO2 auf Jahre, das heißt ihr tut was für die Umwelt.
    Klingt hart, ist aber so.
    Wo kriegen wir denn die Katze bei den Eiern?
    Richtig , am Sack und da ist Kohle drinnen
    Haut rein, ich finde es super, wenn es mal so sinnvolle Diskussionen im Forum gibt!

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!