Analoges Heimstudio

  • Das dürfte so nicht ganz einfach zu beantworten sein, denn das Problem entsteht ja nicht zwangsläufig durch ein digitales Studio, sondern eher durch digitale Kompression in Verbindung mit der Komprimierung bei MP3s.


    Ein analoges Heimstudio besteht aus Mikrofonen, einem analogen Pult (plus möglicherweise zusätzliches Outboardequipment) und einer analogen Aufnahmemöglichkeit wie zB einer Bandmaschine. Wer mit so einem analogen System ähnlich umfangreich arbeiten möchte wie mit einer DAW und wer professionelle Audioqualität anbieten möchte, sollte bei der Konsole alleine etwa ab 10 000 aufwärts rechnen. Soweit ich weiß, werden Bandmaschinen nicht mehr neu angeboten. Aber gebraucht sind die professionellen Sachen auch nicht ganz billig. Das eigentliche Problem ist allerdings die regelmässige Wartung, die ein Fachmann machen sollte. Gleiches gilt auch für die großen Analogpulte.


    Dazu kommt das teure Bandmaterial. Da können mit Stromkosten schnell monatliche Betriebsausgaben von ein paar Hundert Euro herauskommen. Dazu kommt, dass die meisten Amateure gar nicht mehr in der Lage sind, als Band komplette Takes fehlerfrei einzuspielen, womit wir wieder bei der Gesamtperformance wären und beim Grund dafür, dass sich nur noch die wenigsten der übrig gebliebenen Studiobetreiber so etwas hinstellen.


    Aber insgesamt gilt im oberen professionellen Bereich (also dort, wo man sich den eigentlich völlig unökonomischen Betrieb von Analogzeug noch leisten kann), dass es eine Abkehr vom Digitalen gibt. Siehe Foo Fighters, Jack White, QOTSA und zig andere.


    In ist auch, in schöne Preamps und gute Mics zu investieren (das sog. Frontend), um den Sound möglichst "natürlich" in die DAW zu bekommen. Leider kann auch das beträchtliche Summen kosten, wie ich selber erfahren durfte...aber es macht Spaß ;)


    Bevor das jemand als völlig überkandidelt bezeichnet: natürlich kann man eine analoge Aufnahme auch mit einem alten Tapedeck plus Mikro machen, da läge man dann bei ca. 50 Euro.



    lg
    max

  • ich glaube du hast den artikel etwas über-interpretiert. du kannst auch eine der hochgelobten aufnahmen von früher in 2 minuten zu einem artefakt-behafteten clippenden haufen schrott zusammenkomprimieren. den "digitalen klang" gibts so gesehen gar nicht, denn digital klingt einfach "nicht". also wirklich im wörtlichen sinne nicht: es kommt zu 100% das am ende raus, was am anfang rein gegangen ist. nimmst du z.b. eine fertige analoge aufnahme, und konvertierst die mit einem hochwertigen da wandler zu digital und danach wieder zurück zu analog, hast du ziemlich genau 0% sound verloren.


    was hier gemeint ist, ist was in der heutigen musik mit tollen aufnahmen passiert um sie konkurrenzfähig laut zu machen und einfach durch die weltgeschichte schicken zu können, hat aber mit der aufnahmetechnik an sich eigentlich nichts zutun.


    ich finde dieses thema auch sehr spannend, es ist wirklich erschreckend womit sich die heranwachsende(n) generation(en) so die ohren beschmutzen. viele von denen wissen war scheinlich gar nicht, wie eine echte hihat klingt. (achtet mal bei youtube drauf, wenns nicht grad 1080p ist klingt dort JEDE hihat scheisse, weil die mp3 zerr artefakte in den höhen am schlimmsten zum vorschein kommen....)




    jetzt mal on topic: ich würde dir raten, es zu lassen mit dem analogen studio. die realitäten hat luddie (wie immer) perfekt zusammengefasst. analog aufnehmen ist sowas ähnliches wie oldtimer fahren: technik von vorgestern zum preis von übermorgen. wer kann, der kann, aber um ein wirklich hörbar besseres ergebnis zu erzielen als mit digitalem equipment sollte man wirklich sehr genau wissen was man tut, ansonsten feuert man nur unendlich viel geld in den ofen...



    für ein wirklich ernst gemeintes analoges studio, mit dem du in konkurrenz zu einer i7 höllenmaschine mit den üblichen plugins, und einem hochwertigen 16 kanal interface treten kannst, (abgesehen von den dingen die analog einfach gar nicht gehen, wie z.b. der editing-wahnsinn) kannst du so ab 150.000 aufwärts rechnen. (nur equipment-anschaffugnspreis, von stromverbrauch, wartung und laufenden kosten [bänder] mal ganz abgesehen)

    sieg natur.

    Einmal editiert, zuletzt von slo77y ()

  • Ich denke auch das man diesen Artikel nicht überbewerten sollte.
    Wie Slo77y schon sagte ist das Problem nicht die digitale Verarbeitung des Aufnahmesignals, sondern das was am Ende auf den Tonträher gepresst wird.
    Physikalisch ist eine analoge Schallplatte einer CD hoffnungslos unterlegen.
    Die obere Grenzfrequenz einer Schallplatte liegt nur bei 10kHz(innere Rille)-18kHz (äussere Rille) hinzu kommen schlechtere Kanaltrennung, Gleichlaufschwankungen, Rumpeln, Knacksen und Verzerrungen durch die mechanische Abtastung und den störanfälligen analogen Signalweg.
    Eine CD läuft immer rund und die oberste sauber darstellbare Frequenz liegt konstant bei 22kHz. Es gibt kein Rauschen, Knacksen oder sonsige Störeinflüsse.


    Mir fällt nicht ein Argument ein weswegen eine teure und aufwändige analoge Produktion einer digitalen überlegen ist.


    Es kommt halt drauf an was man dann mit dem Material macht bevor man es auf eine CD quetscht.
    Bestes Negativbeispiel ist wohl seinerzeit eine CD von Red Hot Chilly Peppers, die konsequent so kaputtkompriemiert wurde das zumindest ich mich ausser standes sehe diese Platte schmerzfrei zu hören. Beim Mastern haben die Tonmenschen schon im Kopf das sich das ganze auf einem Telefon gut anhören soll, und dazu ist es notwendig auf dynamik zu verzichten.
    Zumindest auf einem Specrum Analyser sieht die Platte lustig aus, alles konsequent auf 0db gepegelt.


    Leider hat der Autor des Artikels wohl auch Recht was die Höransprüche betrifft. Ich kenne viele Leute die leider nicht in der Lage sind einen 8bit Klingelton von einer Referenz CD auf einer High-End Anlage zu unterscheiden, bzw denen es egal ist wie es klingt.
    Hinzu kommt, das die meisten auch mangels geeignetem Audioequippment gar nicht in der Lage sind "echt" zu hören.
    Und für diese Konsumenten wird dann halt so produziert.

    don´t panic

  • Den Beiträgen von Luddie und Slo77y ist im Grunde nichts wesentliches hinzuzufügen.
    Analog aufnehmen hat in meinen Augen einen großen Vorteil, der natürlich gleichzeitig ein Nachteil ist:
    Da jeder Meter Band bares Geld kostet, die Anzahl der Spuren limitiert ist und nicht alles ganz einfach editiert werden kann, muss man
    sich SEHR viel mehr Gedanken machen über das, was man eigentlich aufnimmt und sehr viel mehr Zeit in eine gute Vorbereitung stecken,
    bevor "das rote Licht" angeht. Man setzt sich gezwungenermaßen vielmehr mit der Musik und dem Arrangement auseinander als wenn
    man eh alles in kleinen Snippets aufnehmen kann und dann nachher im Mix einfach alles zusammen klickt.


    In digital nehme ich die Bassdrum einfach mal mit 6 Mikros ab. Positionierung ist nicht so wichtig. Irgendeins wird schon brauchbaren Sound liefern.
    In analog kann ich nur eine meiner 8, 16 oder 24 Spuren für die Bassdrum verwenden. Die soll aber so richtig knallen. VST Plugin nachher drüber? Geht nicht.
    Also sehe ich zu, dass ich die passende Trommel mit einem geeigneten Fell und einer guten Stimmung mit einem passenden Mikrofon in der optimalen Position
    verwende.


    Könnte man natürlich in der digitalen Welt auch alles machen. Macht natürlich jeder. Oder?

  • Aber is doch ne schöne Diskussion. Gut mal drüber zu reden ;)

  • Hallo Hellofadrummer!


    Das ist eine wissenschaftlich schwierig zu belegende Frage.


    Ich kenne eine vergleichbare Diskussion aus dem Beleuchtungsbereich. In den 80'er Jahren haben sich die sogenannten "Dreibanden" Leuchtstofflampen auf dem Markt durchgesetzt. Sie waren Lichtstärker und effektiver als Standard Leuchtstofflampen, weil sie nur in den drei Hauptfarben des Lichtspektrums (rot, grün, blau) Licht produziert haben. Heute ist das in den meisten Büros, Kaufhäusern und Industriebetrieben Standard. Die Gegner dieser Technik haben (auch mit wissenschaftlichen Studien) argumentiert, dass Glühlampen und sogenannte Vollspektrumlampen wichtig für unsere Gesundheit sind weil sie das komplette Spektrum wiedergeben und nicht nur lückenhafte Anteile die durch unsere Wahrnehmung zusammengefügt werden.


    Eine ähnliche Diskussion gibt es bei der Bildwiedergabe bei den Fernsehern (100 Hz Technik usw.)


    Subjektiv: Ich kann mir schon vorstellen, dass eine extrem lückenhafte Darstellung von Klang unserem Hirn eine gewisse Leistung abverlangt. Ob sich das aber wirklich Gesundheitsschädlich und stressig auswirkt bleibt eine persönliche Einschätzung.


    Ich habe einen sogenannten 1-Bit CD-Player. Der soll den Sound auch "natürlicher" wiedergeben. Ich habe aber vor dieser Anlage auch nie Kopfschmerzen von der Musik bekommen. Irgendwie bleibt das eine "Glaubensfrage".



    Gruß,


    Daniel

  • Hi,

    Hinzu kommt, das die meisten auch mangels geeignetem Audioequippment gar nicht in der Lage sind "echt" zu hören.

    stimmt wohl. Ich höre ganz oft, wenn ich mal ein Demo an Freunde schicke: "Klingt toll ... ... ... muss ich aber dann noch zu Hause in Ruhe hören, aber hier auf dem Laptop ..."


    Was ja eher noch ein positives Beispiel ist: Hier weiß jemand zumindest, dass Laptopboxen nicht das Gelbe vom Ei sind. :)

    Aber is doch ne schöne Diskussion. Gut mal drüber zu reden

    Hm ... ich hoff' jetzt einfach mal, dass der Kommentar nicht ironisch gemeint ist, obwohl es so klingt. Würde den Beiträgen wirklich nicht gerecht.


    Grüße
    Hajo K

  • Zitat


    Solche redaktionellen Beiträge wie im Link darf man ruhigen Gewissens als unterhaltsame, leicht verdauliche Denkanregung verstehen.
    Nicht weniger... aber auch nicht mehr.


    "In den 50er-Jahren hatte Musik noch einen prallen Klang..." Zitat


    Vielleicht richtet sich der Beitrag ironisierend-augenzwinkernd und etwas nostalgisch verklärt an alte Knochen die sich gerne mit dem lauten Ausruf "Genau, früher in den fünfzigern und sechzigern waren die Musikanlagen eine pralle Sache, dann kam das Transistorradio und die Welt wurde schlechter" auf die Schenkel klopfen.


    Vieles ist (wie bei redaktionellen, dem Zeilenumfang unterworfenen Beiträgen oftmals üblich) eben nur angedeutet. Manches liest sich nett, anderes eher etwas Mißverständlich und manches wie so oft etwas oberflächlich-angerissen bzw. unreflektiert.


    Anyway... weit ab vor Luddies Einwand mit den Bandkosten würde ich das Dilemma der Spurlagen (Azimuthwinkelproblematik, Höhenverluste, Phasing, Echoeeffekte im Zuge der Lagerung etc.) und des Kopfabriebs anführen. So wahnsinnig viele gute Aufnahmen ließen nämlich diverse analoge Systeme garnicht zu. Der Wartungsaufwand mag noch in den Achtzigern und teilweise Neunzigern als die ganze analoge Infrastruktur noch lückenlos bestand für ambitionierte Recordingfreaks und natürlich die großen Studios noch Peanuts gewesen sein...


    ... aber heute? Die Recherche, Kauf, Einbau und Justierung eines neuen Tonkopfes nebst folgenden Wartungen für eine 16-Spur oder gar 24-Spurbandmaschine wären mir zu viel Aufwand. Die Sorge um den ganzen anderen mechanischen Verschleiß der beweglichen Bauteile von Bandmaschinen (so genial! und anmutig diese aussehen) erstrecht.
    Einem guten Radio/Fernsehtechniker traue ich es natürlich zu. Ich persönlich könnte es nicht.


    Die Klangverschlechterung bzw. mehr Streß beim Hören per se oder gar nur den digitalen Mp3- etc. Formaten anzulasten ist natürlich nicht nur etwas naiv und einseitig sondern auch inhaltlich "irgendwie" Quatsch.


    Jeder der mal einen durchschnittlichen Consumer-Plattenspieler mit seinem Consumer-Hifirack in einem Raum mit Parkettboden (öder ähnliches) platziert hatte und beim Musikhören sich jemand im Raum mittels Schritten/Schuhen bewegt, spürte wie unschön sich eine innere Unruhe entwickelte. Bei mir durchzog sich das durch viele Lebensphasen/Wohnumgebungen. Irgendwann bemerkte man dass die Ursache nicht das schlechte Mittagessen war, sondern der Boden welcher über den Plattenspieler den Trittschall bzw. tieffrequente Frequenzanteile über die Nadel an die Boxen gibt. Dies ist auch an den Tieftönern sichtbar. Derartige Dinge konnte man zuweilen mit einem "Bass Filter" am Verstärker ein klein wenig limitieren. Aber auch nicht ganz. Und selbst da ging des ja schon zu Lasten des Frequenzganges. Aber nochmals: selbst wenn man diesen unbeschnitten ließ, gab es diverse! weitere Phänomene die durchaus auch "(Hör)Streß" erzeugten bzw. einem wirklichen Musikgenuß im Wege standen. Manche ließen sich durch Entkopplung lösen - andere nicht!


    Auch die Wechselwirkungen die bei "etwas" höheren Abhör-Pegeln ;) zwischen Lautsprecher und Nadel des Plattenspielers auftreten konnten und taten! waren faktisch unerwünschte Artefakte die im Widerspruch zur authentischen Wiedergabe des originalen Musiksignals standen.


    Und immer schon ging schlechtere Audiotechnik/Audiowiedergabe mit einem höheren Aufwand an Aufmerkskeitsfocussierung des hörenden bzw mehr Streß einher. Genau deswegen kauft doch jeder der Musik schätzt Anlagen die besseren Klang bieten. u.a. um schöner und unangestrengter Musik zu hören/genießen.


    Wenn ich Lieblingsplatten nicht 40 mal sondern tausende Male Mal lauschte wurde ihr Sound auch nicht besser. Immer mehr Staub und auch immer mehr Kratzer minderten über die Jahre die Wiedergabequalität und den Audiogenuß diverser meiner Platten hörbar. Von Bändern bzw. generell bandgestützten Systemen und deren Abrieb un die Auswirkung auf diverse klangbestimnmende Parameter könnte man viele Seiten füllen..


    Kleiner Einwurf: vermutlich fast jeder der sich mal Aufnahmen auf Draht auf damals teuren Musikanlagen (aus den Fünzigern) angehört hat wird selbst 128 Mp´s 3 (die ich hasse) höchstwahrscheinlich vorziehen :D .


    Wenn ich gewisse (re-Issue) Schallplatten kaufte (geschah bei mir beim Kauf diverser Sabbath-LP´s) war durch die Lagerung bzw. "Kopiereffekte" der alten Masterbänder auf den Schallplatten! ein Pre-Echo zu hören. Will heißen jeder Ton war schon leise vor dem Ton hörbar. Und das über ganze Schallplatten hinweg. Will heißen: obwohl ich Vinyl kaufte hatte ich die negativen Effekte von Bandsystemen zu tragen.

    Da könnte man seitenweise nervige, "stressige" Dinge aufzählen.


    Das auch eine Entwicklung wie "compressed to fuck" bei der immer mehr die Musik bis oben an die Grenze des Clippings und darüber hinaus gepegelt wird ebenso ein großes Stück weit eine fragwürdige bis radikale Fehlentwicklung ist, dafür könnte man sachlich viele Faktoren anführen. Vieles finde ich fürchterlich und auch ich kenne diverse alte Röhrenradios deren Klang besser war als manches optisch-schicke PC, I-Pod etc. Lautsprecher-Accessoire. Vielleicht (das ist meine naive Theorie) sind die Ursachen für diesen Lauststärke- und Kompressionswahn aber irgendwie auch letztlich logisch und nachvollziehbar zu verstehen. Ich kenne immer weniger Menschen mit passabel klingenden Hifianlagen. Diverse Menschen nehmen Musik am PC oder dem Mobilphone oder ganz kleinen Gimmickanlagen nebenher "mit". Auf jenen "Anlagen", auch bei den von mir genutzten MP3-Playern beim Joggen fällt mir auf, dass deren Klang WESENTLICH besser ist, wenn das MP3-Format laut ist und die internen kleinen Kopfhörerverstärker das Ursprungssignal nur geringfügig verstärken müssen. Je mehr ich hingegen die Pegel am Regler des Kopfhörerausgangs anhebe (bei günstigen Consumergeräten) umso mehr verfärbt/verschlechtert sich deutlich hörbar der Klang. Somit spiele ich dort lieber Formate mit hohem Pegel ab.


    Die Datenreduktion hingegen (also das Thema des Links) hatte in der Anfangszeit des Wandels auf digitale Technik auch ganz logische/pragmatische Gründe. U.a. Speicher oder Datenträger waren recht teuer und es sollten viele Songs ´draufpassen. Also lag der Wunsch nach Reduktion der Datenmengen nahe.


    Zurück zum Thema.
    Ich glaube ein analoges Heimstudio kann eine tolle Sache sein... wenn man das nötige Geduld und das Geschick mitbringt die Technik am Leben zu erhalten und sich der Arbeitsweise die diese Medien erfordern anpaßt... und Anachronismus schätzt ;).

  • Sowohl bei Herrn Rühl als auch bei Herrn Frost im Studio standen neben den digitalen Geräten auch jeweils eine Mehrspurbandmaschine. Es muss aber Gründe dafür geben, dass damit nicht aufgenommen wurde. Ein Problem sind sicherlich die Bänder, die nur schwer noch neu zu bekommen sind.

    Wer leichter glaubt, wird schwerer klug!

  • Vielleicht (das ist meine naive Theorie) sind die Ursachen für diesen Lauststärke- und Kompressionswahn aber irgendwie auch letztlich logisch und nachvollziehbar zu verstehen.


    Das finde ich ziemlich heftig relativiert. Genauso könnte ich dann über echten Krieg sprechen.


    Auch etwas seltsam, dass du bei analogen recordings scheinbar irgendwie nur Vynil mit einbeziehst...

    sieg natur.

  • Zitat

    Das finde ich ziemlich heftig relativiert. Genauso könnte ich dann über echten Krieg sprechen.


    Ich schrieb bewußt: naive! Theorie von mir.
    Von welchem "echten Krieg?" wird jetzt gesprochen? ;) - hier kann ich jetzt nicht mehr ganz folgen. Meinst Du den Terminus "Loudness War."? Der Begriff kommt nicht von mir. Den benutze ich nichtmal :D . Auch nicht Digital "gegen" Analog oder ähnliches.


    Sloy77y : Du weißt doch selbst so irre viel über das Mixing und kannst da handwerklich unglaublich tolles! Es hat doch keinen Sinn den "unwissenden zu mimen" ;) :D . Du weißt selbst sehr genau wie umstritten bzw. in der Diskussion in weiten Teilen der Audiowelt, unter Musikern, Engineers, Hörphysiologen und Hörpsychologen etc. etc. Tonträger sind, wo faktisch alles bis zum Anschlag gepegelt ist. Das bzw. die "Kompressionsexzesse" ;) sind doch seit mehreren Jahren diskutiert. Oder eben um konkret auf den Link zurückzukommen auf der anderen Seite die Komprimerungs/Reduktionsverfahren right from the start heftig diskutiert wurden (also der Versuch, Musik in kleinere Datenpackungen zu quetschen und ob die Reduktions-Algoritmen bzw. die Reduzierung der Original-Audiodatensätze nicht doch Auswirkungen auf den Musikgenuß hat)... etc.


    Zitat

    Auch etwas seltsam, dass du bei analogen recordings scheinbar irgendwie nur Vynil mit einbeziehst


    Schade, wenn es für Dich seltsam ankam. Genau das! war nicht meine Absicht. Ich erwähnte aber u.a. konkreter Vinyl da dies (siehe Welt-Bericht) in den 50 und 60 Jahren neben dem Radio DAS Hauptmedium zum Musikhören gewesen sein dürfte und da ich mit Vinyl und bandgestützten Systemen mit Abstand die meiste eigene Hörerfahrung verbinde und viele, viele Mankos im Alltagsbetrieb (die man damals in Kauf nahm - weil man es mangels bezahlbarer bzw. technisch noch garnicht vorhandener Alternativen mußte). Und da traten eben im alltäglichen Betrieb auch immer wieder "Dinge auf" die den "prallen Sound" der "Orignal-Signale" ausdünnten, reduzierten etc. bzw. den Musikgenuß real "stressiger" machten (Höhenverluste bei Tapes, Bandabrieb, Kratzer auf Platten, permanenter Verschleiß von Nadeln und Tonkopf die diverse Beschneidungen des Musiksignals bewirkten etc.etc.).


    Ich erwähnte aber auch explizit Bandmaschinen bzw. bandgestützzte Systeme... ja, selbst die Drahtaufzeichnung bei der das Frequenzspektrum wie die Dynamik technisch bedingt bei den Geräten extrem beschnitten war (da ja laut Bericht der Klang in den fünzigern generell? so prall war) :D und genauso könnte man noch analoge Pulte etc. etc. einbeziehen. Es ist alles eine Frage wieviel Bausteine im Prozeß der "Klangwerdung" ;) bzw. des "Bannens auf Tonträger" man einbeziehen will. Vieles ermöglichte wundervolle Musik. Fast alles was ich von Whitesnake, Rainbow, Thin Lizzy etc. liebe wurde analog geschaffen. Aber das "analoge" hat doch die Musik per se, bzw.die Komposition selbst nicht besser gemacht. Es war einfach die Technologie die damals verfügbar war. Nostalgische Verklärung ist nicht mein Ding und genau das stört mich auch an dem Welt-Bericht. Denn vieles der analogen Systeme hatte auch immense Nachteile bzw. erforderte eine Arbeitsweise der Musiker (ich vermeide die alte Vokabel "ARBEITSDISZIPLIN") die heute die meisten Musikanten erschaudern lassen würde. Ich mochte das Knistern der Schallplatten nie, ich haßte die Höhen-Verluste wenn der Azimuthwinkel bandgestützter Systeme nicht stimmte, ich haßte Gleichlaufschwankungen, mir machte auch der Bandabrieb Angst und die Frage wieviel von den bereits aufgenommenen Spuren in 10 weiteren Aufnahmen noch übrig ist etc. etc. Es mag wie ein Besuch aus dem Mittelalter klingen, aber vieles der analogen Umgebung hatte diverse handfeste Nachteile und wie man meinem ersten Post unschwer entnehmen kann empfand ich sie schon garnicht als besser. Mir wird da zu vieles nostalgisch verklärt.


    Das es keinen "echten Krieg" zwischen Digital und Analog (außer dem unbestreitbaren wirtschaftlichen Verdrängungswettbewerb vieler "Produktgruppen"der letzten Dekaden) gibt belegt vielleicht am besten der Alltag vieler von uns. Ich verwende für meine überschaubaren Anwendungen ein analoges Pult und ein digitales Aufzeichnungsmedium. Andere Personen mit mehr Ambitionen vielleicht auch oft bis meistens noch Rechner-basierte Plug-ins plus echtem Röhren-Kompressor für speziellere Feintunings etc. etc. Die Mischformen (analöges & digitales) des Equipments (wenn man die Ebenen der Wiedergabe und Aufnahme verlassen will und auch die Phasen zwischendem "Geräusch" des vokalisten/Insturmenatlisten von der Aufnahme bis zum finalen Tonträger einbezieht) sind durchaus auch im Jahre 2013 bei diversen Menschen noch vielfältig und zuweilen bunt "gemischt" - je nach Anwender. Mitunter den Klangvorlieben zuliebe oder der Praktikabilität bzw. dem Alltagshandling zuliebe oder aufgrund des Budgets. Schwer zu sagen aus welchen Bausteinen/Signalketten das finale Produkt letztendlich entstanden ist.


    Ich hoffe es war nicht zu sehr off-topic. Ich kann es (wenn zu langweilig) auch gerne löschen. :D
    Edits: irre viel Rechtschreibung, da zu viel parallel gemacht/"versucht".

  • lauter sein zu wollen als andere ist, ganz nebenbei bemerkt, keine folge der digitalisierung. bob ohlsson hat in den 60ern als mastering engineer bei motown damit angefangen. übrigens nicht, um für die songs mehr aufmerksamkeit beim radiohörer zu generieren, sondern um die bei den radiostationen platziert zu bekommen. hat ganz gut geklappt.

  • sehr sehr interessantes frettchen!!!


    hier mal ne kleine zeitreise by BOB KATZ...
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    *es muss clippen!
    *wer einschlafe mit popo die kratz, der aufwache mit finger die stink...!


    Death Metal: Souldevourer
    Acoustic Covers with Flair: Ruppert Spielt

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