Whiplash - Kinofilm über einen Drummer

  • Whiplash ist ein cooler Film, ich finde es toll dass er dem Instrument und dem Genre eine so große Bühne bietet - aber im großen und Ganzen ist er absolut nicht realitätsnah und komplett überladen von Klischees.


    Weder bei den vermittelten Idealen (schnell = gut - „Show me your double time swing“) noch bei der Art und Weise, in der dort geprobt wird. Aber das durchschnittliche Jazz-Studium kannste natürlich nicht ansatzweise spektakulär verfilmen. Wenn ich an meins zurückdenke würde der durchschnittliche Zuschauer vermutlich nach drei Minuten einschlafen.


    Eine sehr tolle Analyse bietet Adam Neely, seinerseits studierter Jazzmusiker:

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    Und wenn ihr auf eine realitätsnahe Perspektive in Bezug auf Jazz und Beruf schauen wollt, empfehle ich euch diese beiden Dokus:


    Der Preis der Anna-Lena Schnabel

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    Leider nur noch auf Vimeo:

    Gegen den Beat - Christian Lillinger und die Jazz Baltica

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  • Moin

    Ich habe mit dem Genre mal so gar nix am Hut, ihr schweift aber gerade in Landes- bzw. Kulturmentalität ab ;)

    Den besagten Film habe ich nur auszugsweise gesehen, finde aber die Mischung aus Film- und Musikindustrie (bedingt) interessant.

    Der Film suggeriert "für mich" ein Verhalten welches man eher aus dem "nicht westlichen" Teil der Welt kennt oder erahnt, ... wo auch immer man gerade auf dem Planet steht :/

    Das es Menschen/ Kinder gibt die so einiges mit sich machen lassen, ist wohl nichts ungewöhnliches, das ist dann aber der eigene Ehrgeiz (meistens).

    In dem Film verschwimmt das sehr durch sagen wir mal, pädagogische Fehltritte gepaart mit Hass beider Seiten.

    Wenn dann aber, vorwiegend im Asiatischen Raum, Kinder mit 5-6 Jahren aus dem Keller gelassen werden und "ALLES" rauf und runter spielen können, finde ich das besorgniserregend oder spooky ?( Balett/ Tanz wurde ja schon angekratzt, im Sport wird das ja noch deutlicher und dringt gelegentlich auch an die Öffentlichkeit. Und wir machen ja auch sowas wie "Sport" :)

    Und da kommt dann wieder Land, Kultur, Mentalität, etc. in's Spiel.

    Hier im "Westen" muss man Üben, sonst ist man raus. Bei den Anderen kommt man nicht raus und muss Üben :/

    Ist schon verrückt die Welt ...

  • Na klar, ist halt Hollywood, da muss es dramatisch zugehen... 😉

    #102

    Eben. Und wenn ein realistischer, dokumentarischer Film geschaffen worden wäre, wäre keiner ins Kino gegangen, keiner würde einen Oscar bekommen, keiner würde Millionen verdienen.


    Für die Amis ist Show das A und O, egal, ob Musik, Sport, Film. Das darf man einfach nicht vergessen und in diesem kulturellen Kontext muss man solche Filme sehen und analysieren.


    Wie sehr dort alles dem Faktor Show untergeordnet wird ist mir auch erst bewusst geworden, als ich mehrfach die Staaten bereist hatte. Und da war es egal, ob du in Kalifornien, New York, Florida oder sonstwo bist. Selbst die Elite Unis, wie Stanford, Columbia, Berkeley usw. waren und sind durchtränkt von "Greatest show on earth"-Psychologie und Kommerz. Und auch die Jazzclubs in News York ordnen inzwischen alles dem Show und Kommerz-Faktor unter. Blue Note und Village Vanguard leben von Mythenbildung, Verherrlichung, Marketing und austarierten Shows zwecks Gewinnmaximierung. Zwei Sets pro Abend, strikte Zeitvorgaben, genaue Showvorgaben, was wann gesagt wird, geschieht, strikte "Verzehrregeln" für Besucher, strikte Zeiten für Ein- und Auslass. Das ist reine UnterhaltungsINDUSTRIE inzwischen.

    "You don't have to show off" - Peter Erskine

  • Tja, frage mal Musikstudierende oder Profimusiker, die erst wenige Jahre im Orchester spielen.

  • Also, die, die ich kenne und mit denen in in Workshops und auch abseits davon zusammen über die Jahre hinweg werkelte, ob Piano, Bass, Sax, Trompete oder Gesang, fanden den Film alle zwar unterhaltsam, aber weitgehend fern der zumindest hiesigen Realität. Soweit aber auch nur meine persönlichen Erfahrungen bzw. Rückmeldungen. In der Bigband der Hamburger Polizei und bei der NDR Bigband z.B. sei sowas jedenfalls nicht präsent, und auch nicht denkbar, was im Film kolportiert wird. Wenn du da andere Erfahrungen gemacht haben solltest, so be it. In meinem Umfeld ist jedenfalls der Film als stark überzeichnet eingeordnet/abgetan worden.

    "You don't have to show off" - Peter Erskine

    Einmal editiert, zuletzt von Moe Jorello ()

  • Ich habe mit Musikstudierenden und Profimusikern im Orchesterbetrieb (wo es also für jede Position Konkurrenz gibt) gesprochen. Dort wurde der starke Druck bestätigt.

    Im Bandkontext ist das sicher anders.

  • Ich glaube, wir reden gerade aneinander vorbei. Niemand bezweifelt, dass es Druck gibt im Profigeschäft. Das ist völlig normal. Es wird natürlich erwartet, dass du pünktlich bist, vorbereitet und sauber abliefert. Klar. Aber dieser sadistische Kasernenumgang, die psychische Abwertung, dieses toxische, mobbinghafte Gebaren, das im Film dominiert, das ist eben nicht usus, wie vom Film suggeriert. Und falls ein Orchesterchef das eine Weile praktizieren sollte, naja, der Gang zum Arbeitsgericht ist nicht weit, die Entlassung eines Soziopathen und Narzissten nicht wirklich schwer.

    "You don't have to show off" - Peter Erskine

    Einmal editiert, zuletzt von Moe Jorello () aus folgendem Grund: Tippfehler beseitigt

  • Und sich die Hände blutig zu üben ist auch Blödsinn.


    Dass man von langen und verschwitzten Gigs mehrere Tage direkt hintereinander mal Blasen hat kenne ich auch.

    Die Wahrscheinlichkeit dafür sinkt aber deutlich, je geübter man da ist und entsprechend mehr Hornhaut hat.

  • Das sind aber - mit Verlaub - Einzelfälle und die Mehrzahl dieser medial bekannten Fälle bezogen sich auf sexuelle Übergriffe meines Wissens. Der Film hingegen suggeriert, dass sadistisches Fehlverhalten "normaler Orchesterbetrieb" sei (obgleich der Typ am Ende rausgeworfen wird). Und das finde ich einfach nicht passend. 🤷🏼‍♂️

    "You don't have to show off" - Peter Erskine

  • Es wird natürlich erwartet, dass du pünktlich bist, vorbereitet und sauber abliefert. Klar. Aber dieser sadistische Kasernenumgang, die psychische Abwertung, dieses toxische, mobbinghafte Gebaren, das im Film dominiert, das ist eben nicht usus, wie vom Film suggeriert.

    Der Film ist ganz sicher überspitzt. Dass musikalische Leiter verrückte Fanatiker sein können, verbal unter der Gürtellinie und skrupellos, Musiker zu ersetzen, wenn die Leistung nicht gleich stimmt, glaube ich aber schon. Dass sie dabei körperlich werden, wohl eher nicht - wobei vor 50 Jahren in den Schulen auch noch der Stock zum Einsatz kam! Das aber wahrscheinlich eher nicht wegen schlechter Leistung sondern wenn sich einer daneben benahm.

    Ich erinnere mich an einen kürzliche Schlagabtausch Podcast Folge, in der Dirk Brand von einem seiner Lehrer sprach, der zumindest verbal nicht zimperlich war, wenn falsch eingezählt wurde. Vielleicht weiß deinschlagzeuglehrer genaueres? Ich krieg es nicht mehr zusammen.

    Aber Fletchers Darstellung in Whiplash ist sicher einfach eine überspitzte Darstellung eines Freaks, für den es nichts anderes auf der Welt gibt als seine Band.

    Four on the floor sind zwei zu viel.

    SONOR Vintage Series: 20", 22" BD; 14" Snare-Drum; 10", 12", 13" TT; 14", 16" FT

    PAISTE 2002, 2002 Big Beat, 602 Modern Essentials, PstX

    Gigs: 23.01.26 Markthalle Freiburg, 21.03.26 Heimathafen Lörrach, 09.05.26 KiK Offenburg, 19.06.26 Haferkasten Kenzingen, 19.09.26 Mehlsack Emmendingen, 03.10.26 Private VIP Gig, 31.10.26 Durbacher Hof Offenburg, 21.11.26 Bierakademie VS, 28.11.26 Heimathafen Lörrach mit >> Blackwood Mary

    >> Mein Vorstellungsthread

  • Dass musikalische Leiter verrückte Fanatiker sein können, verbal unter der Gürtellinie und skrupellos, Musiker zu ersetzen, wenn die Leistung nicht gleich stimmt, glaube ich aber schon.

    Das bestreite ich ja auch gar nicht. Es ist nur nicht usus. Nehmen wir nur mal den Bereich der klassischen Musik: 129 öffentlich finanzierte Konzert-, Opern-, Rundfunk- und Kammerorchester gibt es in Deutschland laut unisono. Hinzu kommen einige private Orchester und etliche kleinere nicht professionelle oder semi-professionelle Orchester. Hinzu kommen dann Big-Bands/Orchester abseits der Klassik. Macht viele, viele, viele Orchester unterschiedlicher Couleur. Die Zahl der Meldungen über "musikalische Fanatiker" in Relation zur Anzahl der musikalischen Ensembles spricht dagegen, dass Bekloppte landauf landab die Orchester leiten und Musiker drangsalieren würden. Zu Verurteilungen vor Gericht kam es nur in wenigen Fällen. Um aus einem Bericht von "Politikkultur" zu zitieren:

    Zitat

    Grenzüberschreitungen bleiben meist Einzelfälle; das wissen auch die Juristinnen und Juristen aus der unisono-Rechtabteilung zu berichten.

    Und die Grenzüberschreitungen im Orchesterbetrieb sind mehrheitlich sexueller Art, Mann gegen Frau, Frau gegen Mann, und dies auch mehrheitlich innerhalb der Orchestergruppe und eben nicht auf die Chefs bezogen. (Und das meiste davon ist im Zuge von me-too medial nicht selten aufgebauscht präsentiert und ausgeschlachtet worden. Sensationspresse eben.)


    Würden Misshandlungen und Sadismus etc. im Stile von Whiplash so weit verbreitet sein, ganz ehrlich, dann würde doch kein Mensch mit zwei Cent Verstand diesen Berufsweg überhaupt einschlagen, oder? So doof kann man doch nicht sein. Die Orchester wären zum krepieren verurteilt, wenn es überall toxisch zugehen würde.


    Vielleicht auch ein Ding zum Nachdenken: hat irgendein populärer Musiker gesagt, Whiplash sei ein Abbild der Realität? Mir ist da nichts in der Hinsicht bekannt. Gegenteiliges hingegen schon. Und das vielfach.


    Nichts desto trotz: Idioten gibt es überall, weil Menschen einen Hang zur Idiotie besitzen. Darüber braucht man nicht zu streiten. 😉

    "You don't have to show off" - Peter Erskine

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