Handhaltung Jazz Schlagzeug: "Traditional Grip"

  • Ich kann sowohl als auch spielen, sehe aber seit geraumer Zeit absolut NULL Sinn, darin, traditional zu spielen

    Habe auch Erfahrung mit beidem, aber seit vielen Jahren spiele ich aber nur noch die angeblich "sinnbefreite", "überflüssige", "Haltungsschäden verursachende", traditionell geschumpfene Stockhaltung.

    Also ich spiele seit meinem 5. Lebensjahr den Traditional Grip.

    Ich war Ü30. Davor Tanzmusik, Rock und Bigband in symmetrischer Haltung. Ohne Marschtrommelerfahrung, altmeisterliche Vorbilder oder Lehrereinfluss wollte ich mein Spektrums erweitern und habe nebenher "traditional" erlernt und ausprobiert. Ich fand es so angenehm, dass ich jetzt seit Jahren ausschließlich so spiele. Ich sitze gerade, komme gut an alles dran (z.T. besser), habe keine Haltungsschäden und fühle mich durch die Asymmetrie z.T. anders inspiriert.


    Wenn der Mehrheit diese Stockhaltung nicht liegt, ist das ja vollkommen in Ordnung. Das sollte aber kein Grund sein, sie mit den angeführten Begründungen kategorisch in Frage zu stellen. Die hier angeführten Gründe dazu klingen plausibel, sind aber falsch oder zumindest unvollständig.


    Wenn ich ein Meistertrommler wäre, dann würde ich wieder Matched Grip spielen, damit ich jünger wirke und damit mehr Leute meine Lern-Videos kaufen, auf dem sie natürlich lieber jemanden sehen, der die Stöcke so hält wie sie.


    Eigentlich egal, wie mans macht: Thomas Lang kann alles - egal mit welcher Stockhaltung.


    M.

  • Kein neues, aber interessantes Thema!

    Ich habe mich in der letzten Zeit auch intensiv mit dem traditional grip auseinandergesetzt, mehr oder weniger gezwungermaßen.

    Ich muss dazu sagen, dass ich trotz meiner 49 Jahre zu den Jazz-Newbies gehöre, vor ca. 5 Jahren damit angefangen habe.


    Mein Problem war tatsächlich die linke Hand, ganz konkret: die doubles beim comping auf "and a" (bd auf die "one") oder der die "one and" (und die bd auf die "a").

    Nach einem Jahr Triplet-Übungen viel mir das mit dem matched grip immer noch schwer und lief nicht rund.


    Irgendwann hab ich mich dann, durch dieses Video inspiriert, intensiver mit dem traditional grip auseinander gesetzt:


    Externer Inhalt www.youtube.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.


    Ich bin absolut kein Jazz-Romantiker und gehöre nicht zu der Fraktion, die Jazz zwangsläufig mit dem traditional grip vereint sehen, dazu verehre ich zu sehr drummer wie Bill Stewart.

    Trotzdem war ich überrascht über meine Erfahrungen:


    1. Die doubles gingen definitv gleichmäßiger, lockerer und nach einer gewissen Zeit auch schneller.


    2. Mein Körper bewegte sich anders zur Musik, was dem Spiel gut getan hat. Es wurde definitv dynamischer, was nicht nur subjektiv ist, sondern mir von den Band-Kollegen zurück gespielt wurde.


    3. Die Unabhängigkeits-Übungen funktionierten plötzlich besser! Kann mir das nur so erklären, dass die linke Hand durch die unterschiedliche Haltung wie ein anderes Organ vom Gehirn erkannt werden. Das ist aber natürlich eine pseudo-wissenschaftlicher Erklärungsansatz.


    4. Und jetzt kommt die für mich eigentlich spannenste Erfahrung: durch das intensive Training mit der linken Hang im Traditional Grip funktioniert plötzlich auch der matched grip links besser! Dafür hab ich keine Erklärung, ist aber definitiv meine Beobachtung.


    Mittlerweile spiele ich mal so und mal so und genieße die Abwechslung.


    Völlig unklar ist mir @Selannes Ansatz mit dem Fulcrum zwischen Mittel- und Ringfinger. Ich spiele das so wie im Video, also klassisch und finde, das fühlt sich auch richtig an. Ist aber natürlich alles äußerst subjektiv.

  • Da ist man mal zwei, drei Jahre nicht aufmerksam, schon sieht das Forum anders aus. Aber die Themen sind irgendwie immer noch die gleichen. Habe aber draufgeschaut: Der Thread ist gar nicht alt....


    Ich habe matched gelernt und mich für Jazz auf trad umerzogen. Einzig und allein, weil in meinem ganz persönlichen Gefühl eine asymmetrische Haltung zum triolischen Spielen besser passt und eine symmetrische zu allen Achteln und Vierteln. Kann man sicher drüber streiten, ist für mich aber angenehmer. Dazu kommt, dass ich mit zunehmendem Alter immer mehr Besen spiele (inzwischen zu 80%). Das kann ich mir so gar nicht in matched grip vorstellen, da die Hände ja vollkommen unterschiedliche Sachen machen und die linke immer in Bewegung bleibt. Wenn ich auf Stöcke wechsle, bleibe ich ganz einfach beim Trad.

  • Das kann ich mir so gar nicht in matched grip vorstellen, da die Hände ja vollkommen unterschiedliche Sachen machen und die linke immer in Bewegung bleibt. Wenn ich auf Stöcke wechsle, bleibe ich ganz einfach beim Trad

    Da sagst du was sehr Interessantes.Die Hände machen unterschiedliche Sachen.Stichwort "Arbeitsteilung"

    Ähnlich wie bei unterschiedlichen Schlagtechniken.Auf der HiHat spielt man meist etwas anderes wie auf der Snare.

    So verhält es sich dann auch zw. Trad. und Matched. Es gibt von dem Drummer in dem Video auch noch ein weiteres.Da tauscht er die Hände und spielt mit der Rechten Trad. auf der Snare.

    Bei Open-Handed wäre das eine Möglichkeit so zu spielen.


    Braucht man beim Traditional-Grip etwas mehr Kraft,um gleich stark/laut zu spielen?

    Hab das mal ausprobiert.Um die gleiche Schlagdistanz zu erreichen muss ich beim Tr.-Grip den Arm heben.Oder ist das einfach nur Übungssache?Wenn ich andere Drummer beobachte die es richtig fliegen lassen,da ist die Trad.Hand/Arm mehr in Bewegung.

  • @ stompology :thumbup: und wie recht er doch hat, Herr Jo Jones



    ....


    Ich hab mal wieder nichts verstanden.... :/

    ich auch nicht, das ist wohl ein Thema für Fortgeschrittene und Profis.

    was denn genau nicht verstanden


    Das mit den Achsen ? - betrachtet man sich die innere Handfläche mit dem Unterarm und denkt sich dadurch eine zentrale Achse, so Würde die am Ende durch den Mittel- und Ringfinger Auslaufen. Nicht aber in der Beuge zwischen Daumen und Zeigefinger.

    Diese Beuge kann jedoch bei Fulcrum im Mittelfinger ringfinger Bereich gut, bei Bedarf, als "Anschlag" benutzt werden.

    Ohne dabei viel Muskeln mit bewegen zu müssen.

    Beim "modernen Grip" hingegen musst z.b. um den Stick gegen den Handballen abzustützen oder einen Anschlag zu generieren das Handgelenk üblicherweise, aktiv mitbewegen, um den Stick aktiv in die Aufwärtsbewegung zu bekommen.

    Man will ja den Rebound in der Regel nicht in auslaufende Mehrfachschlägen auslaufen lassen.


    Ja und generell Underhand, Gewicht zieht halt nun mal nach unten.


    Der vergleich "matched Gripp", vs. Traditional, in Bezug Verlagerung Fulcrum nach hinten bei z.B. Fullstroke?

    Besser wäre vielleicht sogar in Verbindung mit Single Fullstroke, hier liegt der Fokus weniger auf Rebound, als auf

    Anschlagstärke.

    Die Verlagerung des Fulcrums bei Matched Gripp nach hinten verlängert die aktive Sticklänge nach hinten in den Ringfingerbereich (aus dem Sweetspot) für mehr Power.

    Das Gleiche beim Traditional Gripp, dann nach hinten, vom Mittel- Ringfinger, zum Daumen- /Zeigefinger.


    Beim Traditional Grip, z.B. kann man auch gut mit Backsticking,auf dem Floortom, von der Snare anschlagen.

    Oder von FT zu FT.

    Hier sogar auch gezeigt mit Matched Gripp

    Rob Carson SCV snare drum: rare footage from the 1970s! - YouTube

    ich höre immer du musst, du brauchst.....ist "modern", "out", "in", "trendy" und so....
    ich mach`s wie`s mir passt, schei.. auf die Säue, die laufend sinnbefreit durch
    die Dörfer getrieben werden.



  • Das Ganze mit Trad. vs. Matched. Ich hab mal versucht mir Trad beizubringen, aber das ist total kompliziert und fühlt sich seltsam an, wogegen sich Matched ganz natürlich anfühlt.

  • PaisteDrummer95 Dann würde ich dabei bleiben. Es hat doch keinen Sinn sich etwas beizubringen, was keinen Nutzen bringt und nur Quält.

    Ja, hab’s auch aufgegeben, vor allem da ich weiß, dass mein German Grip gut ist (hat mir mal ein Schlagzeuglehrer in ner Probestunde gesagt).

    Ach, man sollte allem eine Chance geben und sich intensiv auch mal mit dem beschäftigen, was anfangs etwas sperrig ist.


    Ich halte den French Grip als Universal-Grip, insbesondere bei grösseren modernen Sets auch für vollkommen deplatziert und gerade bei Anfängern sogar für etwas gefährlich, er hat aber doch bei bestimmten Sachen unbestreitbar seine Berechtigung und da auch seinen ganz eigenen Charme: Insbesondere aber habe ich durch Beschäftigung mit dem French Grip unheimlich viel gelernt über Finger Technik, was ich dann beim German Grip entweder direkt anwenden bzw übernehmen konnte bzw viel besser hinsichtlich der Unterschiede verstehen konnte, sodass sich meine Finger-Control beim German Grip extrem verbessert hat.


    Schreib den French Grip daher nicht völlig ab: er ist ein Verführer, aber wenn man ihn in seine Schranken weist, ein gute Leiterstufe. Und bzw Leiterstufen gilt: nur die, die man unter und hinter sich lässt, lassen einen hoch hinaufsteigen.

    "Pommes/currywurst hat einfach seine eigenen Gesetze."
    (c) by frint / 2008


    "Es macht so viel Spaß, ein Mann zu sein, das können sich Frauen gar nicht
    vorstellen!" (c) by Lippe / 2006

  • French hab ich auch mal probiert ja, würde ich auch mal wieder, aber wundere mich, ob es normal ist, dass die Finger irgendwie krampfen wenn man versucht aus den Fingern zu spielen?

  • Ja, jede ungewohnte Körperbewegung kann natürlich anfänglich zu Verspannungen führen, das allein wäre jetzt nicht ungewöhnlich.


    Vielleicht hilft das ein wenig:


    - French Grip ist im wesentlichen wirklich ne reine Fingertechnik und ungeeignet für Wirst/-Handgelenks-Schläge: Das HG funktioniert in dieser Haltung nicht vertikal. Daher wirklich nur Fingerbewegungen, keine Wrist-Shots.


    - Anfänglich sollte man alle Übungen gleichmäßig und langsam machen, ersteres ist viel wichtiger als zweites. Und ruhig auch alle Finger einzeln einbeziehen, statt alle immer zusammen.


    - Ruhig auch nicht nur auf Snare oder Pad spielen, auch auf anderen Spielflächen mit weniger Rebound: Da der Rebound nicht so schnell kommt, hat man mehr Zeit, die Schläge langsam zu machen und den Köper langsam dran zu gewöhnen, ohne sich am Anfang zu überfordern. Ausserdem trainiert es etwas die Ausdauer.


    - Nicht zu schwere Sticks nehmen: Was im normalen Trommel-Trubel okay erscheint, kann sich bei Technikübungen dann doch als zu schwer entpuppen.Daher: Nicht gleich die Sticke wechseln, wenns nicht klappt, aber schon drauf achten, ob man gewichtsmäßig die Finger nicht überfordert.


    - Und: Nicht den Griffpunkt Zeigefinger/Daumen zu stark anspannen. Teilweise neigt man beim French Grip schnell dazu (Gerade am Anfang ), den Stick dort geradezu "festzuschrauben", weil er einem insgesamt zu lose erscheint. Aber die zu feste Haltung des Sticks an der Stelle tötet den FrenchGrip ab, der ja davon lebt, dass der Sticks frei schwingen können. Grade beim Spielen auf Toms ist das dann oft der Tod im Topf: Viele denken, dass sie einfach fürs Setspielen nicht genug Übung haben oder der schwächere Rebound der Toms dafür verantwortlich ist, dabei ist es nur der Stick bzw die Hand, die beim Übergang auf die Toms wegen der unsicheren Haltung schnell "zu macht" und ab da keine vernünftige Bewegung mehr zulässt.

    "Pommes/currywurst hat einfach seine eigenen Gesetze."
    (c) by frint / 2008


    "Es macht so viel Spaß, ein Mann zu sein, das können sich Frauen gar nicht
    vorstellen!" (c) by Lippe / 2006

    Einmal editiert, zuletzt von Seelanne ()

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!