Übungsroutinen - wie lange übe ich was

  • Guten Abend,


    Gefühl kann man üben, aber schwer zuhause.


    Daheim übe ich Technik. Erst wenn die Grundlage sitzt, kann man damit arbeiten.

    Allerdings sind weder Shuffle noch Ghost Notes Gefühlssache an sich.

    Wenn man es kann, kann man es nach Gefühl einsetzen, wenn man es nicht kann, muss man es üben.


    Grüße

    Jürgen

  • Und hier noch eine weitere Perspektive zum Thema „Gefühl“, Üben und Technik: Ich glaube es ist sehr wichtig (zumindest ist es für mich so), dass sich das Schlagen bzw. Spielen (von was auch immer, auch anderen Grooves) gut anfühlt. Dass die Sticks gut in der Hand liegen, die Bewegungen geschmeidig sind, die Schläge nicht verkrampft usw..


    Das bedeutet entsprechende Technik zu entwickeln (und zwar so weit, dass man darüber auf der Bühne nicht mehr nachdenken muss) und das kann man üben, auch zuhause.


    Wenn sich spielen nicht gut anfühlt, irgendwo was stört (muskulär, mechanisch, in der Bewegung etc.), klingt es meist auch nicht so gut, wie es sonst könnte (und macht außerdem keinen Spaß, wenn es krampft z. B., was sich auch wiederum auf den Groove auswirkt).

  • mal ne kurze frage zum thema üben. ich versuchs mal an einem beispiel zu erklären.


    mal angenommen ich übe einhändige 16tel grooves und die gehen mir bei 84 bpm flott von der hand.
    wann stellt ihr das üben eines grooves ein? wenn ihr eine bestimmte geschwindigkeit erreicht habt und der groove flüssig klingt? und übt ihr den groove solange bis ihr diese geschwindigkeit erreicht habt oder legt ihr die übung beiseite und probiert euch auch an was anderem. denn mitunter kann es ja ziemlich lange dauern dauern bis sich die muskulatur soweit entwickelt hat bis sie ein bestimmtes tempo bewältigen kann.


    welche erfahrungen habt ihr gemacht und womit kommt ihr beim üben am besten klar bzw mit welchem übungsansatz erzielt ihr die größten erfolg


    Eine Perspektive zum Thema "kann ich" bzw. ab wann kann ich was.


    Mir hat mal einer gesagt: "Amateure" üben bis sie es können, "Profi's" bis sie es nicht mehr falsch machen können.


    Ich muss zugeben, ich habe einen Moment gebraucht, um das intellektuell zu durchdringen, aber da steckt einen Menge Wahres drin.


    Ich glaube im Beipack ist auch immer wichtig klar zu sagen: Es gibt Sachen und selbst nur bestimmte Details oder technische Themen, die einfach mehrere Jahre brauchen, um zur eigenen Zufriedenheit zu funktionieren. Grade wenn man jung ist ist der Automationsprozess of super schnell. Da habe ich extrem geschludert und musste später schmerzvoll nachsitzen. Wenn Du älter bist und Neues lernst ist der "Vorteil", dass Du nicht so schnell verinnerlichst und automatisierst dann aber eben auch präziser übst bzw. die Überholspur nicht so funktioniert.

    "If you don't have ability you wind up playing in a rock band" (Buddy Rich)

  • mal ne kurze frage zum thema üben. ich versuchs mal an einem beispiel zu erklären.


    mal angenommen ich übe einhändige 16tel grooves und die gehen mir bei 84 bpm flott von der hand.
    wann stellt ihr das üben eines grooves ein? wenn ihr eine bestimmte geschwindigkeit erreicht habt und der groove flüssig klingt? und übt ihr den groove solange bis ihr diese geschwindigkeit erreicht habt oder legt ihr die übung beiseite und probiert euch auch an was anderem. denn mitunter kann es ja ziemlich lange dauern dauern bis sich die muskulatur soweit entwickelt hat bis sie ein bestimmtes tempo bewältigen kann.


    welche erfahrungen habt ihr gemacht und womit kommt ihr beim üben am besten klar bzw mit welchem übungsansatz erzielt ihr die größten erfolge?

    Ich hab im Grunde zu der Thematik vor einigen Wochen ein recht umfangreiches Tutorial veröffentlicht:

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    Man braucht natürlich nicht immer alle 10 Kriterien, aber ich denke, dass es ein guter Anhaltspunkt sein kann :)

  • Lustig, ein fast 20 Jahre alter Thread mit nur 24 Beiträgen. Da muss es wohl ums üben gehen :P


    Üben ist im Kopf sowas wie die kleine Schwester vom echten Schlagzeugspielen. Nicht ganz ernst zu nehmen, das quälende Vorspiel zur Selbstverwirklichung als Drummer in einer Band mit Auftritten. Im Kopf hatte es für mich bis dahin nie den selben Wert wie eine alle zwei Wochen stattfindende Bandprobe.


    Dann wurde mir aber mal klar, dass üben eigentlich das wahre Trommeln ist und die Band einen oft nur davon abhält. Die meckern sowieso dauernd an den Drums rum obwohl sie selbst nicht trommeln können.


    Der Gedanke war eine echte Befreiung, natürlich auch von der Pandemie unterstützt, da Bandproben ja lange nicht erlaubt war. Ich hab dann am E-Drum in der Wohnung in den Corona-Jahren an die hundert Coverstücke eingespielt, die mir schon immer gefielen, und immer solange Videos aufgenommen, bis ich mit der Videoversion spielerisch zufrieden war. Dann habe ich mir wieder neue Songs gesucht zum lernen. In meinen Bands haben wir nie eines von diesen Stücke gespielt.


    Ich hab dann verstanden, dass mein Selbstverständnis ein Drummer zu sein, nicht von einer Band abhängt, sondern nur von meiner Motivation, die Sticks in die Hand zu nehmen, um mich persönlich beim trommeln weiter zu entwickeln. Da gab es dann Songs, die hatten Parts, da bin ich allein nicht weiter gekommen. Ich hab dann gedacht, dass ich mir für das, was mir noch fehlt, einen Schlagzeuglehrer suche und mich ein bisschen coachen lasse. Ich wollte es ein paar Wochen machen, aber jetzt gehe ich schon seit 3 Jahren in den Unterricht und möchte ihn auch nicht mehr missen.


    Und einer Band spiele ich auch wieder. Aber kein Cover. Und es wird auch nicht mehr rumgemeckert. Da hat das viele trommeln wohl auch was gebracht.


    Aber noch immer ist mir das üben wichtiger als die Bandprobe. Ich übe etwa 45 Minuten täglich und nehme 2x mal im Monat eine Stunde Unterricht. Und meine Band probt noch einmal in der Woche 2 Stunden.

  • TripHops: kann ich 90 % von exakt so unterschreiben. Erstaunliche Erkenntnis dadurch: ich spiele Schlagzeug tatsächlich nur um des Schlagzeugspielens willen, keinerlei andere Motivation vorhanden, weder Anerkennung, noch Applaus, noch Kommunikation, noch Geld oder sonst irgendetwas. (Eine Form von) Glück sind Zeit, Sticks und ein Pad, Steigerungsform Zeit, Sticks und mein Set. Ich übe mittlerweile jeden Tag mindestens 1/2 Stunde am Pad und oftmals 1 Tag in der Woche für 5-7 Stunden am Stück.

    "Pommes/currywurst hat einfach seine eigenen Gesetze."
    (c) by frint / 2008


    "Es macht so viel Spaß, ein Mann zu sein, das können sich Frauen gar nicht
    vorstellen!" (c) by Lippe / 2006

  • Mich beschäftigt gerade die Frage, ob man Gefühl üben kann

    Hmm, finde ich nicht mit einem Ja oder Nein zu beantworten. Feeling lernen kann man definitiv, dazu gehört aber, wie Drum Bee schrub, nicht nur Spielen, sondern auch Hören. Üben im Sinne planbarer Ziele mit messbarem Fortschritt? Eher nicht, denn für Feeling gibt es keine Referenz. Wie oft attestieren wir Musikern ein ganz "eigenes" Feeling? Haben die dann effektiver geübt? Oder eher in die "falsche" Richtung?


    Manchmal kann man Feeling erst durch die Beherrschung bestimmter Techniken entwickeln. Häufig sagt man technisch versierten Drummern aber auch nach, zu viel Technik und zu wenig Feeling zu haben, als sei es ein Widerspruch. Was jeder Einzelne bei einem Stück fühlt, ist eh höchst unterschiedlich. Gibt es sowas wie DAS Feeling vielleicht gar nicht?


    Im Gegensatz zu TripHops und Seelanne finde ich Trommeln für mich alleine ohne Kontakt zu anderen Musikern so ziemlich das langweiligste, was ich mir vorstellen kann. Klar, um meine Technik zu verbessern, bleibt auch das unumgänglich. Gute Musik entsteht aber doch immer durch das Zusammenspiel mehrerer Instrumente, selbst wenn es nur wie bei ner Batucada n Haufen Trommler sind. Die Magie entsteht bei mir erst, wenn man im Ensemble eine gemeinsame Sprache der Musik findet, ohne fehlt der Kern der Musik. Und wenn dann noch die Interaktion mit Publikum dazu kommt, geht die Sonne auf.


    Deshalb würde ich denken, um wirlich solides Feeling entwickelnzu können, sollte man schon in Bands spielen, statt nur für sich alleine zu trommeln.

    Ich kann etwas nahezu perfekt spielen, aber das Spielgefühl ist noch nicht da.

    Ich denke, das könnte eine direkte Folge deiner fehlenden Banderfahrung sein, und mein (hartes) Urteil wäre wohl, wenn das Spielgefühl nicht da ist, ist dein Trommeln eben noch weit von Perfekt entfernt, selbst wenn du halbwegs verlässlich auf dem Click bist. Was nicht bedeutet, dass du nicht zufrieden sein darfst mit deiner Leistung. Aber ein Musikstück perfekt zu spielen, heißt eben so viel mehr, als nur die richtigen Noten an der richtigen Stelle zu spielen. Nur ist unser Leben meist viel zu kurz, um all das zu erreichen, von dem wir wissen, dass es für Menschen erreichbar ist 😉


    Seit ich aufgehört habe, am Set son Quatsch wie Polyrhythmik zum Quadrat und andere praxisferne Eskapaden zu trainieren, und stattdessen versuche, mit dem was ich kann entspannter Musik zu machen und den Rest einfach weglasse, überzeugt zumindest mich das Ergebnis mehr.

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