Standtom als Bassdrum nutzen ohne Umbau? Das geht!

  • Liebe Kolleginnen und Kollegen,



    die Zeit der Auftritte naht. Vieles wird sich im kleineren Rahmen abspielen, und da braucht es auch entsprechendes Equipment. Daher habe ich mir – neben meinen anderen Umarbeitungen von Becken und Schlagzeugen – überlegt, wie man eine ST ohne Umbau als BD nutzen könnte. Die Idee war, eine ST mit Beinen so zu belassen wie sie ist, also an den Aufnahmen für die Beine nichts zu ändern und keine zusätzlichen Bohrungen anzubringen. Daher habe ich mir überlegt, wie eine solche Konstruktion ausreichend stabil sein könnte, da die Flügelmuttern für die ST-Beine und die Halterungen als solche ja oft nicht sehr massiv ausgelegt sind. Daher habe ich zwei alte ST-Beine so gebogen (warmmachen hilft), dass sie satt auf dem Boden stehen, nicht wegkippen können und es keiner hohen Festhaltekraft bedarf. Was ich meine, seht ihr an den Bildern; ich habe zum Fotografieren eine einfache (billige) ST genommen, die ich zu Technikübungen nutze und auf den Schlagseite mit einem Meshhead versehen habe. Man kann die Beine auch so biegen, dass sie etwas schräger stehen und damit sich dem Look einer BD annähern. Nach dem was ich ausprobiert habe ist die Stabilität aber so am höchsten.







    Damit ich mein Fußpedal nicht umbauen muss und mit der üblichen Einstellung weiterverwenden kann, habe ich mit einfachen Mitteln einen Riser gebaut, auf dem die ST einfach nur aufliegt. Ihr seht zwei „Modelle“, eines mit Moosgummi, bei dem ich einen Teil eines Kessels einer alten ST verwendet habe, und ein anderes Modell, bei dem ich die Standplatte nur mit handelsüblichen Gummifüßen versehen habe.









    Die Aufnahme für die Halterung des Fußpedals ist einfach gehalten, insgesamt sind beide Riser aus Restmaterial gebaut. Das Modell mit der Moosgummiunterlage ist für eine ST gebaut, die 8 Böckchen hat. Der schmalere Teil passt genau zwischen die Lugs, der breitere zwischen Spannreif und Lugs, so dass der Riser an der Stelle festgehalten wird und sich beim Treten nicht zur Frontseite bewegt. Auf den Bildern müsste eigentlich die breitere Seite zum Spannreif zeigen, aber da hat wohl meine Kamera versagt. Ich habe ein paar verschiedene Riser gebaut und festgestellt, dass diese sich bei einer anderen Konstruktionsweise fortbewegen können, insbesondere wenn der Untergrund glatt ist. Dies kann man aber dadurch unterbinden, dass man einen Schraubhaken in Richtung Fußpedal anbringt, der dann über den Spannreif reicht und das Pedal somit in Position hält. Falls Interesse besteht, kann ich ja mal gesondert auf die Riserkonstruktionen eingehen.


    Ich habe mit solchen umgebauten STs schon ein paar kleinere Auftritte gespielt, das geht wunderbar. Das Pedal habe ich an den Riser „fest“ montiert, man setzt die ST einfach nur drauf und kann loslegen.


    Frohes Basteln!

  • Sehr schöne Idee und aussagekräftige Fotos mit den selbstgebauten Risern !


    Statt der "geopferten" Standtombeine ging es bei mir auch mit einfachen L-Rods, die gegen Verrutschen angespitzt bzw. mit Gummikappen versehen wurden.

  • Klasse, danke! Schönes Projekt. Auch die Datails, z. B.

    Der schmalere Teil passt genau zwischen die Lugs, der breitere zwischen Spannreif und Lugs, so dass der Riser an der Stelle festgehalten wird und sich beim Treten nicht zur Frontseite bewegt.

    oder mit dem Haken (wie wäre es eig. statt einem mit zweien?) und den breit aufliegenden Beinen sind prima getüftelt. So was macht doch Laune, vor allem, wenn es dann funzt. :S

    mit einfachen L-Rods, die gegen Verrutschen angespitzt bzw. mit Gummikappen versehen wurden.

    Auch eine gute Idee. Aber sind "normale" L-Rods nicht zu kurz dafür? Hast du da spezielle genommen?

  • Dürfte ich als Laie genauere Informationen mit welchere Wärmequelle die Beine angewärmt wurden und mit welchem Werkzeug wurden dann beide gebogen, damit das Endresultat so gleichmäßig ist ? Danke für Info.

  • Da gibts doch von Pearl genau für diesen Zweck diesen Jungle Adapter. Kostet nicht die Welt 😁

    Ich habe die Pearl-Version an mehreren Sets im Einsatz und kann daher aus Erfahrung sprechen. Die Konstruktion der Beine unterscheidet sich in einem wichtigen Detail. Die Pearl-Beine neigen zum Auseinanderdriften, da sie seitliche Kräfte nicht abfangen, und bringen dabei sehr viel Kraft auf die Bein-Böckchen. Man muss die Schrauben ganz schön hart festziehen, damit das einigermaßen stabil bleibt. Die von Odd-Meter gewählte Konstruktion ist in diesem Punkt deutlich besser für's Material.

  • Ich danke herzlich für die freundlichen Rückmeldungen.


    Gewärmt habe ich mit einer Lötlampe / Bunsenbrenner. so etwas kostet nur ein paar Euro und erleichtert Biegevorgänge ungemein. Und kann auch zur Unkrautvernichtung dienen. Die Umstände, die der Ersatz eines abgebrochenen Metallteils macht, sind ungleich höher. Allerdings habe ich mich erst kürzlich dazu entschieden, die 20 Euro zu setzen (und mich geärgert, dass ich es nicht schon früher getan habe). Gebogen habe ich per Hand bzw. mit einem Schraubstock und einem Rohr.


    Der Einsatz von L-Rods liegt natürlich nahe, aber mein Problem war, dass man den Fliehkäften zur Seite mit dem vorhandenen Material an Lugs und Flügelmuttern nicht begegnen kann, selbst wenn man fest anzieht, kippen die L-Rods weg, oder das Material bricht. Mit der gebogenen Form kippen die Beine vor allem nicht nach außen, ein wenig mehr Schrägstellung ließe sich wohl aber verkraften.


    Kaufen kann man vieles, aber erstens bin ich Schwabe (deshalb auch nur eine Schraube ;) )und zweitens habe ich viel zu viel Freude, etwas hinzubekommen oder zu verbessern, als dass ich mich mit vorgefertigten Lösungen von vornherein zufrieden gäbe. Die Bindung zum Instrument und zum Hobby stärkt es auch.

  • Auf der Schlagseite bietet sich ein doppellagiges Fell an, Ich mache für die Begleitung von unverstärkten Instrumenten über den Beater gerne ein Schweißband, einen Kinderhandschuh oder ähnliches, das gibt einen weichen Vintage-Sound und macht die "BD" nicht zu laut.

  • Ich nehme auch ein doppellagiges plus leichter Dämpfung oder mit verstärktem Rand für weniger Sustain.

    (Das Reso aber ohne Loch und entsprechend eine befestigte Dämpfung für den Transport.)

  • Klasse gemacht, da kann man sich jetzt wohl drauf gefasst machen, dass Eisenbiegerei zum neuen Hobby vieler Drummer wird.


    Mich würde der Sound interessieren. Bislang konnten mich solche Mini-Bassdrums in Geschäften klanglich selten überzeugen, schon meine 18er ist mir akustisch manchmal zu winzig. Aber häufig liegt das wohl an der (natürlich falschen) Erwartungshaltung, der Rumms könne annährend mit richtigen Bassdrums konkurrieren.


    Allerdings sehe ich den Benefit solcher Kompaktlösungen nicht primär auf kleinen Bühnen, sondern auf dem Weg zu selbigen (=Transportfreundlichkeit). Ich kann mich mit meinem Bop-Set bei Bedarf sehr klein machen und hab noch auf (fas) jeder Mini-Bühne spielen können. Aber es bleibt halt ein komplettes Set mit aller damit verbundenen Schlepperei.

  • Bei meinen umgebauten Bassdrums habe ich das Gefühl, dass die einlagigen (Tom-) Schlagfelle nach nicht allzu langer Zeit üm sind. Es klingt dann einfach nur noch flach, patschig (oder eher pock-ig) und tonlos. Bei richtigen Bassdrums hatte ich das nie, da habe ich eigentlich nie Grund, das Schlagfell zu wechseln. Keine Ahnung, ob es tatsächlich an den Fellen liegt, die für ordentliches Reintreten nicht ausgelegt sind, oder an mir bzw. meiner Wahrnehmung.

    Unabhängig davon gratuliere ich natürlich zum gelungenen Projekt. Für den Riser habe ich immer die kommerzielle Lösung mit ISS und Jungle Adapter gewählt, als Beine aber auch schon mal Gewindestangen zurecht gebogen.

  • Der Sound kann naturgemäß mit einer großen BD nicht mithalten, aber zu vielen Arten von Musik passt das ganz gut, insbesondere wenn man ein unverstärktes Klavier oder Akustikgitarren begleitet. Und wenn man mikrofoniert spielt ist sowieso alles möglich. Immerhin kommt Rob Searight auch mit einer 16-er BD zurecht, und dem kann man kaum mangelnde Professionalität absprechen.


    Wer seine ST mit zwei verschiedenen Fellarten ausstattet und für die eine Seite ein einlagiges Fell und für die andere Seite ein doppellagiges Fell nutzt, kann, wenn die ST tief angebracht ist oder wenn man sehr lange ST-Beine hat, die Unterseite mit dem einlagigen Fell nach oben nehmen; dass die ST "verkehrt herum" aufgebaut ist, sieht man manchmal bei Verkaufsanzeigen. Oder man biegt die Beine so, dass der gerade Teil, der in die Lugs kommt, länger ist oder bleibt (man muss die Beine sowieso kürzen), und nimmt die Unterseite mit dem doppellagigen Fell als BD-Schlagseite. Die gebogenen Beine ragen dann in Richtung Frontseite aus den Lugs. Sie müssen daher so lange parallel zum Kessel verlaufen, bis mehr als die Hälfte der Tom erreicht ist, und erst dann Richtung Boden gehen, sonst kippt die Konstruktion (in der Theorie, ausprobiert habe ich das nicht).


    Für das Transportproblem habe ich mir eine 16-er BD als BD to go gebaut (ich gebe zu, dass hierfür nicht ein zwingender Bedarf bestand, aber mit dem Teil war nichts weiter anzufangen): ich habe mir mal ein Rimmel-Schlagzeug zugelegt wegen der (wirklich guten und schönen) Lugs und der schönen und stabilen Folie, das Teil hat nur ein paar Euro gekostet, also ein schönes Bastelobjekt. Eigentlich hatte das Set tolle Holzkessel (nur unglaublich unsauber abgelängt und daher kaum stimmbar). Leider waren die Kessel leicht verzogen, weil nur auf einer Seite mit den Lugs versehen. Bei der ST war das Oval auf der "offenen" Seite ausgeprägt. Daher habe ich einen schmalen Ring angefertigt (ausgeschnitten aus einer Mehrschichtplatte) und auf der ovalen Seite eingefügt, und dort auch Lugs angebracht. Die ST habe ich dann mit einfachen BD-Beinen versehen und auf der Oberseite mit einem Koffergriff. Fertig war die BD to go. Das Teil funktioniert auch erstaunlich gut. Der Vorteil ist, dass die kleine BD klanglich auf diese Aufgabe abgestimmt werden kann; bei einer Doppelnutzung als ST und BD muss man da mehr Kompromisse eingehen.

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