Vollholz-Drums, was ist das? Wer baut das? Wer spielt das? Pro & Contra?

  • Hallo zusammen,

    da das Thema "Vollholz"-Trommeln hier im Forum immer mal wieder angeschnitten wird und ich mich damit überhaupt nicht auskenne, geschweige denn sowas überhaupt mal gehört / gesehen zu haben, möchte ichs jetzt einfach mal wissen. ^^

    Ich weiß, sowas kann man googeln, aber es scheint mir dann doch ein ziemliches Nischenprodukt zu sein und vielleicht kann hier mal jemand ne kleine Einführung geben, der sich damit auskennt.

    Spielt hier jemand solche Trommeln? Wer sind die "großen" Hersteller? Was sind die Vor- und Nachteile? Und vor allem: was kostet sowas?


    Ich stelle mir da immer einen Baumstamm vor, der ausgehöhlt wird. Logischerweise ist das sehr aufwendig und da das Holz vorher getrocknet worden sein muss, auch platzintensiv, da man ganze Stämme zum Trocknen einlagern muss...

    Four on the floor sind zwei zu viel. SONOR Vintage Series: 20", 22" BD; 14" Snare-Drum; 10", 12" TT; 14", 16" FT

    PAISTE 2002, 2002 Big Beat, 602 Modern Essentials, PstX

    Next Gigs: 20.07. Motorradtreffen Stegen-Eschbach (FR), 23.11. Lokalität Baumann Heitersheim, 30.11. Heimathafen Lörrach mit >> Blackwood Mary

    >> Mein Vorstellungsthread

  • Ich hatte mal eine entsprechende Snare von einem (ich meine) tschechischen Drumbauer (komme gerade nicht auf den Namen, wenn ich noch ein Bild finde, liefer ich das nach). War ein sehr schönes Teil. Ich erinnere mich an eine sehr sensible Ansprache und feinen Klang.


    Wenn ich das so lese, war der Verkauf rückblickend vllt. etwas blöd von mir ...

  • Mahlzeit!


    Die etablierten Hersteller haben so etwas üblicherweise nicht im Programm.


    Tatsächlich könnte man fräsen, aber ich halte das nicht für sinnvoll oder für extrem teuer, wenn es taugen soll. Es ist weder wirtschaftlich noch ökologisch vertretbar.


    Man kann aber wohl auch ein quasi breites Furnier biegen. Auch das ist nicht ganz einfach und eigentlich auch nicht sinnvoll, weil der Aufwand eigentlich in keinem Verhältnis zum Nutzen steht. Es ist bei Vollholz ja auch viel schwieriger, eine vernünftige Auswahl zu treffen. Schmale Furniere lassen sich viel leichter aussortieren, wenn da mal die Maserung komisch läuft oder gar der Ast grüßt.


    Gerade die Stabilität und Langlebigkeit ist bei Sperrholz am besten.

    Selbst diese zusammengeklebten Briketts sind weil Vollholz viel rissanfälliger als Sperrholz.


    Wer es voll will, kann sich ja einen Metallkessel ziehen oder gießen lassen. Das ist dann die volle Dröhnung und da kommt sowieso kein Holz heran.


    Grüße

    Jürgen

    Heavy (Metal?)

  • Also:

    Vollholztrommeln sind nicht aus einem Stamm.
    Das würde reissen. Und wäre ausserdem vollkommen unwirtschaftlich.


    Sie werden aus einem dünnen Brett gebaut, welches, meistens unter Dampf, zwischen 3 grossen Rollen gebogen wird, bis sich beide Enden erreichen. Dann werden die Enden miteinander verleimt.

    So wurden viele historische Trommeln gebaut

    Solche Trommeln funktionieren i.d.R. nicht ohne Verstärkungsringe, da es schwer ist ein solches Brett perfekt kreisrund zu halten.
    Je dünner desto reaktiver auf Luftfeuchtigkeitsschwankungen.


    Daher empfielt es sich das Holz zu sperren, also Furniere im 90 Grad Winkel miteinander zu verleimen, um die Spannung der einelnen Holzschichten zu kontrollieren.
    So werden heutzutage die meisten Trommeln gebaut.


    Alternativ gibt es die Stave/Fassbauweise. Da wird der Stamm im Prizip nachgebaut, allerdings aus zahlreichen Stücken, die dann zu einem Kreis verleimt werden.


    aah Jürgen war schneller :)

  • Ziemlich üblich ist das ja bei diversen Folkloretrommeln, da kann man sich das wichtigste abschauen.

    Als erstes braucht man ein passendes Stück Baum, ohne Fehler im entscheidenden Teil des Lebens Stammes. Kernfaul darf er aber sein.

    Dann kann man aus dem noch nassen Holz einen Rohling mit einigen Zentimetern Wandstärke drechseln/sägen/fräsen/schnitzen. Weil der Kern jetzt fehlt, reißt da auch nichts beim anschließenden Trocknen. Verziehen wird es sich schon, daher die große Wandstärke. Mach reichlicher Trocknung kann man dem Ding dann die endgültige Form geben.

  • Ich kenne nur die Fassbauweise als Massivholzvariante.

    Falls dich die Herstellung interessiert, schau hier mal rein:


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    Schlagzeug in der Rockmusik? ...ist doch nur verwirrend, nervig und bringt die anderen Bandmitglieder völlig aus dem Konzept 8o


    "Üb' erstmal langsam. Ungenau wird es von alleine." [Zitat Jiu Jitsu Trainer]


    "Schlagzeug spielen ist doch ganz einfach. Man muss einfach nur drauf hauen." :pinch:

  • Gibt's doch. Siehe hier:

    https://canopusdrums.com/en/product/zelkova-snaredrum/

    Inwiefern das ganze sinnvoll ist, überlasse ich der sicher noch folgenden ausgiebigen Diskussion. 😊


    Ziemlich üblich ist das ja bei diversen Folkloretrommeln

    Die Zelkova steht ja in Form und Bauart in der Tradition der japanischen Taiko-Trommeln.

    Ich habe kürzlich ein Buch darüber gelesen, nachdem ich von einem Konzertbesuch bei Yamato extrem begeistert war.

    Die größten Taiko-Trommeln werden wohl nicht mehr oder nicht mehr traditionell hergestellt, da es an "dicken", nicht geschützten Bäumen fehlt.

    Le roi - c'est moi! :saint:

    Der Gesunde Meschenverstand liegt bei den Dinosauriern.

  • Wie man den Kessel nun baut ist egal. Rund sollte er natürlich sein. Und getrocknet muss jedes Holz, egal welche Bauweise.

    Unter Vollholz verstehe ich jetzt diese einlagige Kessel. Man könnte sagen, da wird ein "Brett" unter Wasserdampf zu einem Kessel gebogen.

    Um das hinzubekommen wird man wahrscheinlich in der Wandstärke beschränkt sein. Ganz im Gegensatz zu Stave-Kessel, deren Wandstärke bis zu einem gewissen Maß frei wählbar ist.


    Die Solid Kessel, wie si auch genannt werden, werden mit Verstärkungsringe ausgestattet, damit die sich von alleine verziehen. In diesem Video sagt Gerd Stegner ein paar Sätze dazu.

    Habe diese Bauweise bisher auch nur bei Snare-Kesseln gesehen.

    Toms werden meist doch eher etwas dünner gehalten. So ein Verstärkungsring, der bei Toms eigentlich nicht nötig ist-außer man heißt Lexi und will ein Teppich drunter haben-macht gegenüber einem Kessel gleicher Wandstärke bestimmt auch einen Unterscheid aus.

    Ich sehe gerade, doublefish hat es ganz gut erklärt warum einzelne Furniere versetz verleimt Vorteile gegenüber einem einzelnem gebogenem Brett haben


    Ich habe zwei Snare-Kessel in Fassbauweise (Fichte 10" und Esche 13"), weil ich diese Bauweise, gegenüber einem gebogenem Brett, als sinnvoller erachte.

    Ich habe beide Kessel bisher nur mal provisorisch bespielt-also ohne angebaute Hardware und Teppich. Die Kessel sind fast noch unbebohrt und warten auf ihre Vollendung, die wie jeder weiß, nicht ganz billig ist, wenn man sich vor Augen führt was an so einer Snare alles dran sein muss.

    Liegen jetzt jetzt schon eine Weile bei mir rum und fühlen sich "rund-um" wohl.

    Ich sehe die Schichtholz-Kessel nicht als eine "günstige" Alternative an, sondern als eine sehr gute Bauweise, um Kessel herzustellen. Gut verarbeitet halten diese Kessel ein Leben lang.


    Es gibt natürlich Ausnahmen-da wo die Kessel einzig und allein von der Außenfolie zusammen gehalten werden ;)

    Bei Toms und Bassdrums finde ich die Bauweise völlig in Ordnung.


    Bei Snare-Kessel bin ich etwas anderer Meinung. Da kann man schon nach zu was Besondern greifen. Wenn mir ein Kessel in Fassbauweise über den Weg läuft, dann greife ich durchaus mal ohne nachzudenken zu. Bis das Ding dann fertig ist dauert es halt ein bisschen.

    Zu den Kosten kann ich nur sagen, dass der Kessel meist das günstigste ist. Das was dran muss ist so teuer. ich spare auch ein bisschen ein, weil ich alle Arbeiten an dem Kessel selber mache>>bohren und zusammenbauen.

    2 Mal editiert, zuletzt von Lexikon75 ()

  • In USA gibt es (mindestens einen) Schlagzeugbauer, der die Trommeln aus einem dicken Baumstamm herausarbeitet, ich meine, er fräst, und dann aber aus diesem Stück Holz auch die jeweiligen kleineren Trommelkessel herausfräst, so dass aus einem Holzklotz mehrere Trommeln entstehen. Ich habe die Bilder noch vor Augen, komme aber nicht mehr auf den Namen ...

  • Stephan Moises war mal mit seinem Drumset im TV, dessen Kessel wurden aus ganzen Stämmen geschnitten, gefräßt. Er ließ außen sogar die Rinde dran.

    Sah klasse aus, ein bisschen wie bei den Flintstones.......😆

    An meine CDs lasse ich nur Haut und Wasser... !


    "E.F. stört wiederholt durch unqualifizierte Bemerkungen und widerspricht fortwährend!"
    (Klassenbucheintrag 1983)

  • Definitiv schöne Teile dabei. Mir fehlt aber immer noch komplett die Vorstellung, ob ein Vollholzset anders klingt oder sonstige Vorteile bietet, die man bei Plywood oder Stavebauweise nicht bekommt. Einige Nachteile wurden ja schon genannt und klingen plausibel.

    Im Moment sehe ich darin nur eine vermutlich recht archaische Spielart des Trommelbaus, die man sich als Liebhaber und Sammler zulegen kann, aber keinesfalls muss. Am ehesten vielleicht vergleichbar mit Naturfellen auf Schlagzeugen. Früher die einzige Möglichkeit, heute eine Facette für besondere Wünsche und angesichts des technischen Fortschritts nicht die praktikabelste aller Möglichkeiten.

  • Ich kenne nur die Fassbauweise als Massivholzvariante.

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    Falsches Video :P


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    SUCHE:

    - Sonor Designer Toms in Birdseye Maple/Birdseye Amber

    - Zildjian K Sweet 19" Crash


    "Wenn man das Knie sieht, ist die Bassdrum zu klein!", Ballroom Schmitz (RIP)

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    bitte nicht als werbung für meinen Kanal sehen sondern das video einfach anschauen. da erfährt man fast alles über die Vollholz trommeln. Allerdings ist alles auf englsch. Da wird irgendwann nochmal was kommen


  • Definitiv schöne Teile dabei. Mir fehlt aber immer noch komplett die Vorstellung, ob ein Vollholzset anders klingt oder sonstige Vorteile bietet, die man bei Plywood oder Stavebauweise nicht bekommt ...

    Einige von diesen Antonio Snares konnte ich mal antesten. Sie klingen toll, so wie jede andere gut gemachte und verarbeitete Holz-Snare in 14x6,5 (als Beispielgröße). Ob aus Kirschbaum, Esche oder Walnuss - najoahhhh - wenn man möchte kann man Gras wachsen hören und das Auge spielt ja auch immer mit.

    Da Trommeln aber zur Instrumentengattung der Membranophone gehören und physikalische Gesetzmäßigkeiten sich nicht überlisten lassen, klingen diese auch nicht anders wie ein Schichtholz Kessel. Und nein - Schichtholzkessel ersaufen nicht in klangbeeinflussendem Leim!

    Entscheidend auf die Klangentwicklung sind, wie immer, die Gratung, Steifigkeit der Kessel und die Masse. Sonst nichts. Mit Stave- oder Steambent-Kessel lassen sich z.B. sehr dünne Kessel ohne Zusatzversteifung eher schlecht realisieren, also klingen diese wie etwas dickere Schichtholzkessel. Das solche Kessel "holziger" klingen konnte ich nicht feststellen. Es ist schlicht eine von mehreren Möglichkeiten einen Holzkessel herzustellen - nicht mehr, nicht weniger.

  • Danke dir für die Erläuterungen. Das entspricht ziemlich exakt meiner Vermutung, der Rest ist dann eben ein Hauch Exklusivität aufgrund der geringe Verbreitung. Die enormen Preise für Slingerland Radio Kings auf dem Gebrauchtmarkt führe ich auch ein wenig darauf zurück, dass die Snares aus dem vollen Holz gezimmert wurden. Ich erinnere mich, dass DW mal ein paar Vollholzsnares auf den Markt brachte, ich meine sogar, die waren auch aus nem Baumstamm gefräst. Außer einem Artikel in D&P hinterließen sie aber wohl wenig "Impact", obwohl natürlich der Sound erwartbar hochwertig war.

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