Wie sieht guter Unterricht aus?

  • Das fragen wir uns neuerdings immer öfter. Mein Sohn ist 12 und hat jetzt seit fast zwei Jahren 60min Unterricht pro Woche an einer freien Musikschule. In letzter Zeit wachsen (leider) immer mehr die Zweifel an seinem Lehrer und daher fragen wir uns, ob das an uns liegt oder evtl doch am Lehrer.


    ZB ist es so, dass mein Sohn selten “Hausaufgaben” bekommt. Sprich, es kommt kaum vor, dass er zu Hause was bestimmtes üben soll, was dann beim nächsten Mal vorgespielt (und ggf korrigiert) wird. Überhaupt ist es auch so, dass es keinen roten Faden zu geben scheint (kein begleitendes Buch oder ähnliches…). Der Lehrer weiss eigentlich nie, was er beim letzten Mal mit meinem Sohn gemacht hat und fängt dann was anderes an. Es macht alles eher so den Freestyle Eindruck.

    Meinen Sohn nervt das immer mehr, da er schneller mehr lernen will und sich mittlerweile selber Übungen durch Bücher aneignet, da er von seinem Lehrer zu wenig gezeigt kriegt.


    Ich habe schon zwei Mal versucht den Lehrer vorsichtig dazu zu befragen (vielleicht gibt es ja einige sinnige Erklärung). Aber irgendwie kam da nichts bei rum. Er meinte nur, man müsse die Kinder einfach laufen lassen, der Rest käme dann von alleine. Einerseits nachvollziehbar, aber so ganz ohne Grundlagen oder roten Faden??


    Vielleicht ist das auch in dem Alter noch normal? Keine Ahnung. Ich will ihn da nicht wegen nichts rausziehen und woanders hinschicken, zumal er an der gleichen Musikschule auch noch Bandunterricht bekommt.


    Was sagen denn die Schlagzeuglehrer hier so dazu?


    Danke schon mal.

  • Ich bin kein Schlagzeuglehrer, habe aber im Alltag/Job mit Menschen in Lernsituationen zu tun.

    Was ich super finde: dein Sohn fängt eigenmotiviert an selber Material zu suchen und zu üben.

    Was ich kritisch sehe: ein roter Faden oder eine Sammlung an Übungen (welchen), die in einem Zeitraum X erreichbar sein sollen fände ich schon hilfreich: als Ziel und Perspektive für deinen Sohn. Wenn das fehlt klingt es seitens des Lehrers planlos und das fände ich suboptimal.

    Hausaufgaben sind nicht unbedingt der Weisheit letzter Schrei, weil es im Falle der Nichterfüllung zu Frust und Vermeidungsstrategien seitens des Schülers kommen kann und weil sie gerne unter Druck im letzten Moment erledigt werden. Was aber offensichtlich bei deinem Sohn beim Trommeln anders ist: Glückwunsch an ihn!

    Mit 12 Jahren sehe ich schon ein großes Maß an möglicher Eigenständigkeit: vielleicht versucht ihr beide die Vorteile des Unterricht(stils) für ihn zu nutzen und er bekommt zusätzliches Futter woanders her.

    Auch kann ein 12Jähriger durchaus mit vorbereiten Themen und Fragen an seinen Lehrer herantreten und dort gezielt um Hilfestellung fragen und so den Lehrer in seiner Rolle fordern (ja, das ist nicht der Job des Schülers) um das Verhältnis positiv weiter zu nutzen.

    Wenn dabei was rumkommt: super, ansonsten gibt es doch auch prima Onlinelehrer wenn vor Ort kein geeigneter mehr ist?


    Zur Ausgangsfrage: guter Unterricht sorgt dafür, dass der Schüler es schafft selber zu erlernen. Er ist Hilfestellung und kein Eintrainieren von x erfolgreichen Übungen.

    Aber vielleicht kannst Du was zu den Zielen deines Sohnes sagen?

  • Wenn dabei was rumkommt: super, ansonsten gibt es doch auch prima Onlinelehrer wenn vor Ort kein geeigneter mehr ist?


    Zur Ausgangsfrage: guter Unterricht sorgt dafür, dass der Schüler es schafft selber zu erlernen. Er ist Hilfestellung und kein Eintrainieren von x erfolgreichen Übungen.

    Aber vielleicht kannst Du was zu den Zielen deines Sohnes sagen?


    Ziele meines Sohnes…. Das ist natürlich bei einem zwölfjährigen noch mit Vorsicht zu genießen, aber wenn es nach ihm geht, wird er später hauptberuflich Schlagzeuger. Für ihn gibt es nur Musik und Schlagzeug. Im Schnitt spielt er am Tag locker zwei Stunden.


    Er hat an der jetzigen Musikschule einen Kumpel kennengelernt, der genauso fanatisch E-Gitarre spielt wie er sein Schlagzeug. Die zwei haben letztes Jahr eine Band “gegründet” und bekommen jetzt als Ensemble noch Zusatzunterricht. Theoretisch gibt es noch eine Musikschule im nächsten Ort wo er auch Schlagzeug lernen kann. Aber die Variante möchte ich nur im absoluten Notfall ziehen, da halt seine Band auch noch dran hängt. Schlagzeug in Schule B und Band in Schule A ist kompliziert…

  • Ich bekomme selbst seit 1,5 Jahren Unterricht und halte sowohl einen roten Faden als auch Hausaufgaben für wichtig.

    Meine aktuelle Hausaufgabe besteht darin, aus einem Übungsheft Triolen zu üben.
    Damit hatte ich am Anfang große Probleme, aber durch das tägliche Wiederholen derselben Übung geht das von Tag zu Tag geschmeidiger.

    Ohne diese Hausaufgabe würde ich mich nicht so konzentriert damit beschäftigen.

    Grüße
    Dirk

  • jeder hält fast immer seine eigenen Lernbedürfnisse auch bei anderen für richtig, aber es gibt unterschiedliche Lerntypen mit unterschiedlichen Lernbedürfnissen und auf die sollte ein Lehrer eingehen.


    Manche können nur mit Noten vernünftig, andere blockiert das völlig, dann ist lautes Mitzählen beim spielen auch nicht jedermanns Sache während andere da gerade mit gut lernen können. Der eine hat Probleme mit der Stickhaltung, der nächste mit der Bassdrum, linke Hand, rechte Hand und dann auch noch der präferierte Musikstil...


    Da gibt es kein ein einheitliches didaktisches Modell für. Angewendet werden sollte, was am besten für den Schüler ist.


    Und wie viel Schüler machen eigentlich die Hausaufgaben wirklich, wenn man schon 1 Stunde pro Woche mit Lehrer hat? Für Hausaufgaben muss ja auch Zeit sein und nicht jeder hegt die selbe Motivation fürs trommeln.


    Was sagt denn der Sohnemann selbst dazu, wie er am liebsten lernen möchte?


    Wenn er das Gefühl hat, dass es der Lehrer ihn nicht groß weiterbringt, dann sollte er einen anderen Lehrer ausprobieren, der mehr auf seine individuellen Lernbedürfnisse eingeht.


    Oder den Unterrichtszyklus kann man auch mal ändern. Z. B. nur alle 2 Wochen 1 Stunde aber mit mehr Übungsanteilen für zu Hause

    2 Mal editiert, zuletzt von TripHops ()

  • Und wie viel Schüler machen eigentlich die Hausaufgaben wirklich, wenn man schon 1 Stunde pro Woche mit Lehrer hat? Für Hausaufgaben muss ja auch Zeit sein und nicht jeder hegt die selbe Motivation fürs trommeln.


    Was sagt denn der Sohnemann selbst dazu, wie er am liebsten lernen möchte?


    Mein Sohn möchte schneller und mehr lernen. Er spielt ja auch eh jeden Tag zwei Stunden, sprich für Hausaufgaben bzw Übungen ist genug Zeit und Motivation vorhanden. Mangels Aufgaben aus dem Unterricht covert er halt weiter verschiedene Songs bzw übt das Repertoire für den Bandunterricht. Zwischendurch schnappt er sich dann ein Übungsbuch und ackert halt sowas wie 16tel oder Ghostnotes durch… Beim nächsten Unterricht macht dann der Lehrer große Augen, wo er das jetzt her hat…

  • Hallo,


    vorausgesetzt, die Sache ist genau so wie beschrieben: da stimmt etwas nicht.


    "Hausaufgaben" sind fundamental wichtig.

    Üben ist ja wichtiger als Unterricht, was nutzt die graue Theorie alle Jubeltage mal praktiziert, wenn man daheim nur sinnlos vor sich hin wurschtelt oder gar gar nix macht.

    Selbst sich Aufgaben zu schaffen ist gut, aber ich erwarte diese eben auch im Unterricht.

    Und Struktur ist existenziell, sonst kann man ja gleich kakophonieren.


    Das Entscheidende ist: Unterricht muss passen.

    Natürlich gibt es die Schnarchnasen, die nie üben und wo jeder Lehrer verzweifelt.

    Wenn aber der Schüler topmotiviert ist und sogar unterfordert erscheint, muss halt mehr passieren.

    Ich würde auf jeden Fall mal einen Zweitlehrer antesten.


    Grüße

    Jürgen

  • Also deiner Beschreibung nach würde ich mich nach nem anderen Lehrer umsehen. Dein Sohn ist offensichtlich motiviert und erwartet sich mehr vom Unterricht, wohingegen der Lehrer eher unmotiviert klingt.

    Unabhängig davon, wie gut oder schlecht der Lehrer ist (ich möchte da niemandem aufgrund einer kurzen Schilderung was unterstellen), scheinen die beiden nicht gut zusammenzupassen.


    Für mich klingt das so, als hätte dein Sohn gerne sehr strukturiert aufgebauten Unterricht. Das erinnert mich ein bisschen an mein Jahr beim Drummers Focus. Wenn du uns sagst, in welcher Ecke ihr seid, kann euch vielleicht sogar jemand hier im Forum eine gute Schule bzw. Lehrer in der Umgebung empfehlen.

  • Ich hatte einen super netten „Lehrer“. Aber bei ihm war es auch so, kaum „Hausaufgaben“ und keine Kontrolle des geübten, sondern in fast jeder Stunde was Neues. Ich habe ihn auch darauf angesprochen, aber es blieb irgendwie weiter hin so. Ich habe mir dann einen neuen Lehrer gesucht.

    Screw up BPM! It must be FPM „Feel per Minute“ Tony Colemam

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