Werden wir zu Kommunikationskrüppeln??

  • Ich glaub nicht, daß »wir älteren« großartig anders waren, wir haben auch für jeden Sick nachgefragt, den wir wissen wollten; nur war eben die Anzahl der Adressaten erheblich überschaubarer und auch die Zahl derer, die es mitbekommen. Ich glaube letzteres ist der Hauptunterschied, ich teile meine Fragen, Antworten, Ansichten halt nun mit der Welt.


    Ich glaub, Dinge die man selber weiß und/oder gut kann erhebt man für sich gerne zum "Basiswissen" und hält dann andere schneller für doof. Das ist oft in Foren der Fall, wo halt jeden Tag irgendeiner fragt ob Paiste gut ist oder Photoshop oder Ikea oder Horst. Im Grunde nix anderes als im Baumarkt, wenn dich der 50. Kunde fragt wo die Küchenarbeitsplatten stehen denkste dir auch »Kann denn keine Sau mehr Schilder lesen?«


    Bei Emails teile ich das allerdings, besonders im Job. Die sind nicht nur oftmals unnötig und nervig, sondern auch hervorragend geeignet in Sekundenschnelle den schwarzen Peter weiterzugeben, nach dem Motto »Ich hab dir um 13:59:59 noch ne Mail geschickt, das war noch Time, also muss das noch (gebaut, geerntet, gefahren, gewasweißichnochalles) werden.«

    Wenn man das Knie sieht, ist die Bassdrum zu klein!

    Einmal editiert, zuletzt von Ballroom Schmitz ()

  • Ich möchte mich mal als Vertreter der jüngeren Generation melden. Ich bin 22 und kenne das Internet noch mit 56k-Geschwindigkeit. Trotzdem bin ich damit aufgewachsen und war immer in sozialen Netzwerken präsent. Dennoch habe ich außerhalb des Internets die Mädels aufgerissen, mir Mitmusiker angelacht und Freundschaften geschlossen. Und nachdem man die Telefonnummer hat fragt man eben auch ob die andere Person bei Facebook angemeldet ist. Denn nicht alles dort ist schlecht bzw. kommunikationsstörend. Wenn man solche Socialnetworks für sich nutzen kann, bringen sie einem auch Vorteile. Ich wüsste nicht wie ich sonst einige Leute nach Jahren wiederfinden soll, wenn diese weggezogen sind oder Ähnliches. Abgesehen davon kann man sich spontaner zu einem Bierchen mit mehreren Personen verabreden ohne alle einzeln anrufen zu müssen oder hinzulaufen. So entstehen, zumindest in meinem Bekanntenkreis, viel mehr Treffen an denen auch neue Leute teilnehmen und mit denen man dann in der Kneipe REDEN kann. Denn es ist ja auch immer eine Frage der Gesellschaft mit der man sich umgibt. Wenn ich mir nur Internetsuchtis als "Freunde" zulege muss ich mich nicht wundern dass meine sozialen Kontakte digitalisiert werden.


    Natürlich ist mir bewusst, dass es viele gibt, die im Internet sozial verrecken, ich möchte bloß zeigen dass es auch Ausnahmen gibt und das ich damit nicht alleine bin.



    Beste Grüße, Josef

  • Ich bin 17, und obwohl ich mittlerweile fast sagen würde, dass meine Generation vom Internet abhängig ist, fänd ichs schön, mal eine Zeit ohne es erlebt zu haben. Ich weiß nicht ob die extreme Welle der Dummheit und Bequemlichkeit gleichzeitig mit der Technik kam, oder ob es die früher auch schon gab. Aber vor manchen Leuten in meinem Alter grausts mir teilweise...

  • Nabend,


    ist ja alles schön, gut und auch richtig was hier gesagt wurde. Man sollte sich aber auch mal vor Augen führen, daß die Erfindung des Internets und deren Auswirkungen auf die Menschheit, mit der Erfindung der Dampfmaschine, des Automobils, Schießpulvers, Buchdruckes, der Eisenbahn, oder sogar des Rades gleichzusetzten ist. Soetwas hat es in den letzten Jahrzehnten vielleicht das letzte mal gegeben als "wir" Satelliten ins All geschossen haben, oder vier Nordengländer zu jammen begannen.


    Mich kotzt es auch an, obwohl ich mit 13J. lieber ein paar Knöpfe für den "Wichs to go" betätigt hätte, anstatt mich, quasi unter Lebensgefahr, in Oppas Hobbykeller schleichen mußte.
    Is halt nich zu ändern....

    Ich bin nicht intolerant, ich hasse jeden!


  • :thumbup:

    Alles wird gut

  • punkdrummer:
    Schöner Post. Ich wollte Internet, Foren, social networks usw. auch nicht per se verteufeln. Ich nutze das ja selbst auch, und auch ich habe dank facebook wieder Kontakt zu Leuten, mit denen ich mich sonst aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr austauschen würde heut.


    Es gibt nur leider doch viel zu viele, die darüberhinaus das echte Leben quasi "vergessen". Nicht nur im Sinne davon sich auch mal in einer Kneipe mit Leuten zu treffen, sondern in vielerlei Belangen...

    Freizeit Moderations-Arschloch

  • Hallo,


    um mal auf die Ausgangsfrage im Titel zurückzukommen: Ich glaube nicht, dass die elektronischen Möglichkeiten die Kommunikationsfähigkeit grundsätzlich verschlechtern. Sie machen sie höchstens offensichtlicher.


    Beispiel: Gestern hat eine Kollegin eine Anfrage wegen einer Absprache an mich und zwei weitere Kollegen geschickt. Unsere Arbeitsplätze liegen an einem großen gemeinsamen Tisch (Newsdesk), Entfernung von ihr maximal drei Meter. Zu dem Zeitpunkt saßen alle am Platz, keiner hat telefoniert oder war sonstwie unabkömmlich. Wie kann man da eine Mail schicken kann, statt einfach in die Runde zu sagen "Hört mal, Kollegen ..." werde ich persönlich nie verstehen. Wohlgemerkt: Wir reden hier von einer hochintelligenten, gebildeten jungen Frau, die Kommunikation zu ihrem Beruf gemacht hat.


    Gegenbeispiel: Die Diskussion in diesem Thread. Leute, die sich zum Teil wohl nie persönlich begegnen werden, und die sich sonst nie kennengelernt hätten, diskutieren sehr ernsthaft und zum größten Teil mit viel Substanz über ein interessantes Thema.


    Insgesamt ist bei diesem Thema halt die Gefahr groß, in die "früher war alles besser"-Falle zu tappen, und die eigenen Maßstäbe auf andere Menschen zu übertragen. Wer sagt denn, dass das "wahre Leben" offline stattfindet? Wenn jemand lieber zuhause vor dem Computer sitzt und sich mit Leuten aus aller Welt austauscht, als in der Kneipe mit den immer gleichen Bierdümpfeln zu hocken und sein Gehirn mit Alkohol zu schädigen, dann steht es niemandem zu, darüber ein Urteil zu fällen.


    Ebenso ist es unfair, jungen (oder allgemeiner gesagt unerfahrenen) Drummern ein Fachforum vor die Nase stellen, dass ganz offensichtlich vor Schlagzeug-Kompetenz und -Erfahrung nur so strotzt, und sich dann darüber aufzuregen, wenn diese Anfänger in ihrer Begeisterung eine Frage stellen, ohne sich vorher stundenlang durch alte Threads gequält zu haben.


    Früher hat man sich halt über mangelde Umgangsformen wie Hände-in-die-Hosentaschen-stecken oder Ellbogen-beim Essen-aufstützen aufgeregt, das kratzt heute keinen mehr. Die Zeiten ändern sich - mit etwas Abstand betrachtet ist da aber nichts besser oder schlechter, nur eben anders (und auch das nicht substanziell).


    Als das Telefon aufkam, waren viele Leute überzeugt, dass das zum Untergang der abendländischen Kultur führt, weil die Menschen nicht mehr persönlich miteinander reden.


    Als ich ein junger Drummer war, gab es in meiner Reichweite einfach niemanden, den ich hätte fragen können, wie man z.B. am besten eine Snare stimmt. Ich hab' viel rumprobiert, dabei aber auch viel Mist gemacht, und aus heutiger Sicht klang mein Zeug nur grässlich. Hätte es damals das DF schon gegeben (oder überhaupt Internet :) ), hätte ich vielleicht (!) weniger Zeit mit Stimmen verbracht, dafür vielleicht (!) mehr mit Üben. Wäre ich dann jetzt ein besserer Schlagzeuger? Vielleicht sogar Profi? Ich weiß es nicht - und sonst weiß es auch niemand.


    Um mal das Beispiel mit dem Merken von Telefonnummern aufzugreifen, weil es immer wieder genannt wird: Wo soll denn da das Problem sein? Die Telefonnummer ist nichts weiter als ein unzureichender Auswuchs einer technischen Übergangszeit. Wenn ich heute mit meinem Smartphone jemanden anrufe, dann wähle ich keine Nummer, sondern einen Namen. Ich persönlich finde das besser - ein Kommunikationskrüppel bin ich deshalb nicht.


    Und noch ein letzter Gedanke, obwohl der sich mit anderen Beiträgen etwas doppelt. Wer ist der größere Kommunikationskrüppel: Derjenige, der in einer ihm neuen (virtuellen) Umgebung gegen ihm unbekannte oder für ihn nicht nachvollziehbare Verhaltensregeln verstößt, oder der Alteingesessene, der diesen Neuling aus einer vermeintlichen Position der Überlegenheit heraus sofort attackiert und verbal niederknüppelt, weil ihm die Frage, der Tonfall, die Rechtschreibung oder wasauchimmer nicht gefällt?


    Aus meiner Sicht gibt es nur eines, was jemanden ganz offensichtlich zum Kommunikationskrüppel macht: Wenn er nicht in der Lage ist, auch einfach mal die Klappe zu halten ...


    Viele Grüße, Kai

  • Beispiel: Gestern hat eine Kollegin eine Anfrage wegen einer Absprache an mich und zwei weitere Kollegen geschickt. Unsere Arbeitsplätze liegen an einem großen gemeinsamen Tisch (Newsdesk), Entfernung von ihr maximal drei Meter. Zu dem Zeitpunkt saßen alle am Platz, keiner hat telefoniert oder war sonstwie unabkömmlich. Wie kann man da eine Mail schicken kann, statt einfach in die Runde zu sagen "Hört mal, Kollegen ..." werde ich persönlich nie verstehen. Wohlgemerkt: Wir reden hier von einer hochintelligenten, gebildeten jungen Frau, die Kommunikation zu ihrem Beruf gemacht hat.

    Mach ich auch oft, dann ist es dokumentiert. Nichts schlimmer als Absprachen, die man nächsten Monat aufs neue treffen muss, weil alle Beteiligten vergessen haben, worum es eigentlich ging. Und zu sagen "Hört mal, ...! Prima, ich schicks Euch jetzt auch noch mal per Mail." wirkt auch ein bisschen blöd...




    Aus meiner Sicht gibt es nur eines, was jemanden ganz offensichtlich zum Kommunikationskrüppel macht: Wenn er nicht in der Lage ist, auch einfach mal die Klappe zu halten ...


    Uneingeschränkte Zustimmung!

    Nix da.


  • Es geht nicht nur um mangelnde Kommunikation, sondern auch um mangelnde Selbstständigkeit wie es hier auch schon gesagt wurde.

    Und das exakt ist das Problem. Es gibt Untersuchungen in England, die nachweisen, dass bei Jugendlichen deutlich die Problemlösungsfähigkeit abnimmt, weil sie bei jedem Problem Mama anrufen können, statt selber nach Lösungen zu suchen. Nach meiner persönlichen Erfahrung ist es auch so, dass z.B. Navis (und ich nutze eins!) dazu führen, dass man sich Wege nicht mehr merkt und dann ohne Navi aufgeschmissen ist (weil: einen doofen analogen Stadtplan hat man ja auch nicht mehr dabei.). Die Segnungen der Technik sind unbestreitbar (ich hätte ohne Handy erhebliche Probleme bei meiner Arbeit), die Gefahr ist aber auch da: Zunehmende Abhängigkeit und Unselbständigkeit.

    "Most drummers are crazy, aren't they ? They don't all start off crazy, but they end up that way." ;( Charlie Watts

  • Zitat

    Mach ich auch oft, dann ist es dokumentiert. Nichts schlimmer als Absprachen, die man nächsten Monat aufs neue treffen muss, weil alle Beteiligten vergessen haben, worum es eigentlich ging. Und zu sagen "Hört mal, ...! Prima, ich schicks Euch jetzt auch noch mal per Mail." wirkt auch ein bisschen blöd...


    Das ist nicht Blöde, das ist ein Protokoll der Zusammenkunft von Tick, Trick und Track, in dem nochmal zusammengefasst wird.



    Blöde ist, wenn jeder Piss nochmal doppelt und dreifach kommentiert werden muss. Ich hab den Bullshit jeden Tag, »Hallo Dienstleister, bitte Auftrag 08/15 stornieren«. Keine 5 Minuten später »Hallo Auftraggeber, habe 08/15 storniert.« Hallo … davon geh ich a.) erstmal aus, kann es b.) eh nicht kontrollieren weil ich nicht in dein System reingucken kann …


    Wenn ich mehr Zeit hätte, würd ich mir ja den Witz machen, jedes mal zurückzumailen »Bestätigung erhalten, bitte um Bestätigung der Bestätigungsbestätigung.«


    Aber gut, daß ist wiederum QM und bedeutet im Grunde nur, daß man mehr Zeit darauf verwendet nix Schuld zu sein als auf die eigentliche Arbeit.



    Deppen …

    Wenn man das Knie sieht, ist die Bassdrum zu klein!

  • Und das exakt ist das Problem. Es gibt Untersuchungen in England, die nachweisen, dass bei Jugendlichen deutlich die Problemlösungsfähigkeit abnimmt, weil sie bei jedem Problem Mama anrufen können, statt selber nach Lösungen zu suchen. Nach meiner persönlichen Erfahrung ist es auch so, dass z.B. Navis (und ich nutze eins!) dazu führen, dass man sich Wege nicht mehr merkt und dann ohne Navi aufgeschmissen ist (weil: einen doofen analogen Stadtplan hat man ja auch nicht mehr dabei.). Die Segnungen der Technik sind unbestreitbar (ich hätte ohne Handy erhebliche Probleme bei meiner Arbeit), die Gefahr ist aber auch da: Zunehmende Abhängigkeit und Unselbständigkeit.


    Je größer der Vorteil eines Geräts ist das wir benutzen, desto größer ist der Nachteil wenn man plötzlich nicht mehr drauf zugreifen kann.
    Aber das ist ja nichts schlechtes, das ist einfach der Preis den wir für einen Vorteil zahlen.


    Und zur Problemlösungsfähigkeit zählt übrigens auch: Wo, und wie frag ich am besten nach? Und da sind hier viele wie man sieht ganz tüchtig am lernen.

    (19:45:39) _kaotical_: ich wollte schon immermal in irgendwessen signatur
    (01:13:44) seppel: unglücklich sein hat eine ganz besondere qualität. hält länger an als glücklich sein. das muss man auch mal positiv sehen.
    (21:32:33) Drummingguitaris: gube, hast du brüste? wenn ja, hoffe ich dass du ein mann bist

  • Und das exakt ist das Problem. Es gibt Untersuchungen in England, die nachweisen, dass bei Jugendlichen deutlich die Problemlösungsfähigkeit abnimmt, weil sie bei jedem Problem Mama anrufen können, statt selber nach Lösungen zu suchen. Nach meiner persönlichen Erfahrung ist es auch so, dass z.B. Navis (und ich nutze eins!) dazu führen, dass man sich Wege nicht mehr merkt und dann ohne Navi aufgeschmissen ist (weil: einen doofen analogen Stadtplan hat man ja auch nicht mehr dabei.). Die Segnungen der Technik sind unbestreitbar (ich hätte ohne Handy erhebliche Probleme bei meiner Arbeit), die Gefahr ist aber auch da: Zunehmende Abhängigkeit und Unselbständigkeit.


    Genau deshalb nutze ich kein Navi.
    Um meinen Senf zum Thema zu geben, ich denke, dass soziale Kompetenzen durch diese ununterbrochene Facebook-Nutzung zurückgebildet werden. Ich selbst nutze sowas "nur" alle paar Tage und bekomme dann gesagt, ich solle mich auf Facebook mal integrieren, nur weil ich nicht meiner kompletten Stufe Freundschaftsanfragen sende, sondern nur Freunden.

  • Ich nutze auch selten ein Navi, ich glaube bisher 3 mal.
    Und nach meiner letzten Erfahrung auch zurecht, da schickte mich das Ding einen guten Kilometer mehr durch Frankfurt als es hätte sein müssen...


    Mir fällt aber sowas oft genug auch bei Leuten über meinem Alter auf.
    Hätte ich heute nicht mal bei der Werkstatt angerufen, stünde mein Auto noch immer da.
    Chef sagte mir "Ja der wird heute fertig, kannste abholen" - der Mitarbeiter sagte dann: "Ah ja, der steht schon seit Anfang der Woche aufm Parkplatz."

    "Welches Pumporgan des Menschen ist hauptsachlich für den Blutumlauf verantwortlich?" - "Die Milz!"
    (siehe: Wildecker Milzbuben mit ihrem Hit Milzilein, Milzinfarkt oder Doppelmilz)


    "Ob-La-Di, Ob-La-Da, life goes on, brah"

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!