DIY Trommelbau… Sinn oder Unsinn?

  • Im Thread von lukashue kam angestossen durch Mick eine Diskussion über den Sinn und Unsinn von DIY-Trommelbau-Projekten auf. Da ich die Diskussion äusserst interessant finde Lukas' Thread aber nicht mit OT zumüllen will, habe ich diesen Thread erstellt. Vielleicht ist es ja sinnvoll die entsprechenden Beiträge aus Lukas' Thread hier reinzuschieben…

    Hier meine Weiterführung des Threads nach Surfkoalas Posting

    Ich bin auch Surfkoalas Meinung (nur hätte ich es nicht annähernd so schön formulieren können).

    Mein 12-Jähriger hat, als wir den Keller eines verstorbenen Drummerkollegen leergeräumt haben, eine alte, abgerockte China-Standtom geschenkt bekommen. Die war ne gute Zeit einfach so rumgestanden. Jetzt hat es ihn gepackt und baut das Teil, mit Tipps von mir, zur Snare um. Gleichzeitig filmt er, weil er wie so viele andere Kids auch eine Menge Zeit in der Röhre verbringt, das Projekt mit, um danach seinen ersten Clip für seinen eigenen Youtube-Kanal zu schneiden.

    Wirtschaftlich natürlich völliger Blödsinn. Selbst die Abhebung die mir Katschi dankenswerterweise für dieses Projekt zur Verfügung gestellt hat, ist eigentlich zu wertvoll um sie an den Kessel zu schrauben. Aber…

    • ich finde es super, dass er ein Projekt hat, dass ihn über einen längeren Zeitraum bindet und seine Konzentration und Ausdauer erfordert
    • er bei dem Projekt sehr viel lernen wird und
    • er während des Projekts seine Zeit nicht mit Games oder ähnlichem Zeitraub verbringt

    Einzig bei der Tatsache, dass mein Sohn nach Projektabschluss einen eigenen Youtubekanal (mit 12) betreibt, bin ich noch hin- und hergerissen…



    Für meinen Teil ist das so…
    Ich bin gelernter Techniker, Fluggerätmechaniker um genau zu sein, sitze aber seit ca. 20 Jahren am Rechner und gestalte Reklame. Neben der Trommelei ist das Restaurieren der alten Kisten und das Bauen von Trommeln für mich ein willkommener Ausgleich zum Agenturalltag. Ich bin ein "Schuddler", will heißen, dass ich, hätte ich diese beiden Hobbies nicht, wieder wie noch vor 5 oder 6 Jahren, 14 Stunden und mehr in meinem Büro abhängen würde. Dazu bereitet es mir auch noch eine Riesenfreude zuzusehen, was da so alles entstehen kann und kann noch dazu meine technischen Fähigkeiten einsetzen bzw. mit jedem weiteren Projekt Stück für Stück weiter ausbauen. Das Spielen der Instrumente ist dann noch das I-Tüppfelchen. Inzwischen ist es so, dass ich viel lieber eines der alten Sets spiele, obwohl ich mit meinem Prolite ne amtliche Highendmaschine dastehen habe. Bei meinen aktuellen und kommenden Snareprojekten geht es mir nicht darum, wie das Mick schon angeführt hat, eine bessere Trommel als Sonor, DW, Tama und wie sie auch alle heissen zu bauen, sondern überhaupt ums Bauen… was kann ich, was schaffe ich und was könnte ich noch schaffen.


    Dass ich momentan vom Putzen, Polieren und Schrauben Muskelkater in den Händen hab, der mich wahrscheinlich heute Abend in der Probe etwas beeinträchtigen wird (wobei If You Knew Me Better geht auch mit Gummistiefeln und Schweißerhandschuhen :P ) steht auf einem anderen Blatt. Wahrscheinlich musss ich noch an der korrekten Schuddel-Life-Balance arbeiten.


    Bin mal gespannt, wie sich die Diskussion hier so entwickelt… haut rein :thumbsup:

  • Hallo,


    ja, interessante Diskussion. Ich wollte auch schon antworten, hatte aber auch Skrupel. Weiterhin finde ich auch, dass Surfkoala das sehr schön formuliert hat.
    Es ist ja immer die Frage, wie man ein Ziel definiert. Bzw. ob sich ein Aufwand "lohnt". Wenn es das Ziel des fotografischen Aufwands sein soll, dass Leute sich das ansehen und sagen: "Schön", dann ist das Ziel doch zumindest in diesem Falle erreicht.
    Und ich denke über wirtschaftlichen Sinn oder Unsinn eines Hobbys, speziell Schlagzeugspielen, nachzudenken macht keinen Sinn. Wenn wir hier alle rausschmeißen, die nicht wirtschaftlich Trommeln wird es aber ganz schön dünn :D
    Der "Vater-Sohn-Ansatz" erklärt es ziemlich gut. Heißt das Ziel dann da Zeit mit dem Sohn zu verbringen? Zeitverschwendung ist immer so eine Sache, man wird ja (meist) nicht gezwungen, so etwas zu machen. Immer wenn ich mich selbst dabei entdecke, wie ich jemand beobachte und denke: "Mann, so einen Blödsinn zu machen! Da wüsste ich besseres mit meiner Zeit..." Meldet sich eine zweite Stimme: "Genau! Du setzt dich in einen muffigen Raum, meist ohne Tageslicht, bewegst deine Arme und Beine rhythmisch auf und ab und zählst dazu laut 1 - 2 - 3 - 4 !"


    In diesem Sinne
    So long.

  • Die Frage stellt sich für mich nicht.


    Wenn mir jemand aus wie auch immer gearteten Materialien (alte Schrankwände, Paletten etc.) wunderbare Trommeln präsentieren kann, hat er meinen uneingeschränkten Respekt (ersatzweise Neid).


    Ich bin jedes Mal wieder fasziniert von den hier gezeigten Exemplaren.


    .

    Schöne Grüße - Rainer K. aus B. an der W.

  • Wenn wir hier alle rausschmeißen, die wirtschaftlich Trommeln wird es aber ganz schön dünn :D


    Du meinst sicher "die nicht wirtschaftlich trommeln".
    Oder habe ich das falsch verstanden?


    Nun denn, ich denke mal, die Diskussion wird hier im DF wahrscheinlich eher tendenziös in die Richtung gehen, die die vorangehenden Posts eingeschlagen haben.
    Und das ist auch meine Richtung.


    Mir geht es ähnlich, wenn auch etwas bescheidener.
    Ich baue kein Drumset selber, aber ich habe hier diese Tama-Bassdrum geschenkt bekommen, die ich gestern mit einem neuen (alten) Frontfell versehen habe.
    Diese Bassdrum werde ich mit meinem Black Horse-Billigset testen, gerne auch live mit der Band.
    Wozu der ganze Fez, wenn ich doch schon ein gut klingendes Set habe?
    Es macht einfach Spaß, rumzubasteln und auszuprobieren.
    :thumbup:

  • Ich finde die (provokante) Frage von Mick klasse! Ist sie doch sehr vielschichtig!


    Zunächst liegt auf der hand, dass eine selbstgebaute Trommel, oder selbst zusammengeschraubte Trommel, oder von einem Dritten extra angefertigte Trommel nicht per se "besser" klingen muss. (Was auch immer das heißen mag) Aber natürlich kann!
    Fakt ist aber dennoch, dass man sich selbst dem Placebo-Effekt kaum verschließen kann, wenn man auf einer selbst gebauten Trommel spielt! :) Und natürlich fängt man oft unweigerlich an zu fabulieren, warum man genau jenes Holz oder Material, diese Wandstärke, diese Gratung,etc.p.p verwendet hat, um genau DIESEN speziellen Sound zu erzeugen. Man sucht förmlich nach einer nachträglichen Begründung/ Rechtfertigung für das eigene Tun, und warum man es genau so und nicht anders gemacht hat. Mit einer fundierten, methodischen, meinetwegen wissenschaftlichen, Herangehensweise hat das freilich nichts zutun. Das kann man auch wunderbar bei anderen Konsum-/ Investitionsgütern beobachten. Und da sollte man ehrlich sein und sich eingestehen, dass es einem selbst auch so widerfährt. Da sollte man das nächste Mal, wenn man ein Auto/Fahrrad/ Handy/ Kamera/ Laptop/ Schlagzeug/ what ever kauft darauf achten. Je größer die individuelle Auswahl, um so stärker der Effekt würde ich meinen. Ist da irgendetwas verwerfliches dran? Ich meine nicht :P


    Soviel zur Frage, ob man des Ergebnisses wegen eine Trommel selber baut.


    Ob man eine Trommel selber baut, um Geld zu sparen: Das kann am Anfang sicherlich eine Beweggrund sein. Spätestens wenn man ein paar Trommeln selbst gebaut hat wird man feststellen, dass das ein Trugschluß ist, zumindest wenn man eine Vollkostenkalkulation vornimmt. ;( Aber deshalb ist es ja ein Hobby.


    Die anderen Beweggründe wurden ja schon sehr schön herausgearbeitet. Einfach weil es Spaß macht, es ein schöner Ausgleich sein kann, weil man sich dadurch auch selbst definiert. Hierzu möchte ich mal den Begriff der sozialen Produktionsfunktion einwerfen. Und natürlich ganz klar den Kurzfilm über unser aller Bruzzi, wo er bei nem Gläsle Wein darüber sinniert. (sorry, finde den Link gerade nicht)


    Für mich selbst liegt der Reiz am selbst werkeln (das müssen nicht nur Trommeln sein) am Ausgleich, am einfach mal machen, ergebnisoffen die Sache angehen. Aber natürlich auch, dass man am Ende etwas in der Hand hat, bewundern kann, dass man selbst geschaffen hat, ein Projekt dass man selbst geschafft hat. Und ganz wichtig, und dazu muss man eine Trommel nicht von Grund auf selbst bauen, dass man sein Instrument ein Stück weit kennen lernt, Dinge auseinander nimmt, hinterfragt. Nicht einfach nur glauben, sondern machen.


    Grüße Marcus

  • ...ich habe ebenfalls den höchsten Respekt vor allen, die solche Projekte - sei es nun Neubau oder Restauration - in Angriff nehmen. Und bei aller Freude über das Ergebnis ist hier doch vermutlich auch der Weg das Ziel, oder? Nicht so heftig wie bei Modelleisenbahnen (die dürfen einfach nicht fertig werden), aber es geht eben um die Sache an sich und in zweiter Linie um das Ergebnis. Oder täusch ich mich?

  • Und natürlich fängt man oft unweigerlich an zu fabulieren, warum man genau jenes Holz oder Material, diese Wandstärke, diese Gratung,etc.p.p verwendet hat, um genau DIESEN speziellen Sound zu erzeugen.


    Machen das die professionellen Hersteller nicht auch?
    Irgendwie muss man ja seine Produkte anpreisen.
    ^^

  • Ob DIY-Trommelbau Sinn macht, kann ich nur eindeutig mit "JA!" beantworten. Allerdings müsste man auch etwas differenzieren, was DIY individuell bedeutet.


    In meinem Fall war es einfach so:
    Ich fand das alte Japan-Made Yamaha Oak Custom Drumset immer toll. Es hatte eigentlich alles was ich mir von einem Drumset gewünscht hatte - schlichte zeitlose Finishes, schlichte kleine Böckchen, generell frei von überflüssigem Firlefanz und insgesamt einfach funktionell. Dazu toll verarbeitet und natürlich die Hauptsache - der Klang der mitteldicken Kessel aus japanischer Eiche, der durchaus sehr eigen, aber sehr dynamisch und vielseitig ist! Eigentlich ein sehr hochwertiges Kit zum Mittelklasse-Kurs. Als Nachteil empfand ich unter anderem die "nur" 17er Tiefen bei den BassDrums und den hohen Aufpreis, den ich hätte zahlen müssen für meine Lieblings-Konfiguration von 20" und/oder 22" BD und 10", 13", 16" (Rack)Toms. Eine Sonderbestellung war über verschiedene gute Kanäle nicht möglich.


    Also habe ich recherchiert, wie ich solch eine Kessel-Konfiguration, nebst dickeren Eichenholz-Kesseln (Schichtholz, keine Verstärkungsringe), ohne unverhältnismäßig hohe Kosten selbst realisieren kann. Heraus kam eine Custom-Order bei Highwood in England, welche mir die Kessel nach meinen Spezifikationen angefertigt haben, mit komplett Roteichen-Funieren, inklusive sehr toll gemachter Gratungen. Diesbezüglich wollte ich, mangels Werkzeug und Erfahrung, nichts anbrennen lassen. Aber das Finish, die Bohrungen und die Montage der von mir bei Gerd Steger ausgesuchten Hardware wollte ich unbedingt selbst machen. Und ja, ich bin sehr glücklich mit meiner Entscheidung und erfreue mich jedes Mal wie ein Kleinkind, wenn ich mich an das Set setze. Ich habe, nach sehr vielen Jahren des Suchens und Experimentierens nach "meinem" Drumset und Sound, das Gefühl endlich angekommen zu sein. Das inkludiert auch die ein oder andere Custom-Order bezüglich meiner Cymbals.


    Mein persönliches DIY war also nicht die komplette Kesselherstellung, oder eigenes Hardware-Design, vor dem ich immer wieder begeistert bin, wenn hier jemand so etwas kann/macht. DAS ist für mich auch Trommelbau von A bis Z!
    Aber der Erwerb hochwertig gemachter Kessel und die davon ausgehende Bearbeitung zu einer persönlichen Trommel macht einfach großen Spaß. Mit etwas handwerklichem Geschick und gutem Werkzeug kann man wunderbare Instrumente herstellen. Die Frage ist auch: Geht es eher "nur" um eine spezielle Optik, oder möchte man auch tiefer in die Klang-Möglichkeiten eingreifen und damit Erfahrung sammeln bzw. sich damit beschäftigen.
    Am Ende habe ich natürlich kein original Yamaha Oak-Custom Drumset bekommen, weder in Optik, noch im Sound. Allerdings habe ich doch die mir wichtigen klanglichen Eigenschaften von Eichenholz, dazu eine eigene Optik und eine mir gefällige Hardware.


    Mein persönliches Fazit: Es lohnt schlicht alleine schon wenn man Spaß am Basteln hat! Ob man ein klanglich noch besseres Set versus einem High-End-Stangen-Set bekommt, wage ich etwas zu bezweifeln. Zumal "guter Sound" auch durchaus subjektiv empfunden wird. Mir war eine sehr gute Kesselverarbeitung bezüglich Gratung wichtig und das etwas rustikale, sehr harte Eichenholz - die Grundessenz für einen wie auch immer gut klingenden und einfach zu stimmenden Trommelkessel, mit ganz eigenem Charakter. Günstig ist DIY auch nicht wirklich, da gute Kessel ihren Preis haben. Genau so gilt das für die gesamte Hardware - es gibt reichlich Optionen, nebst qualitativen Unterschieden im Detail. Hier würde ich nicht sparen oder Kompromisse eingehen wollen.
    Wenn man sich sehr viel Mühe gibt, bekommt man ganz sicher ein sehr hochwertiges Instrument - aber eigentlich geht nicht unbedingt um "besser", sondern vielmehr um etwas selbst Erschaffenes, um Individualität, um etwas mit einem eigenen Charakter. :)

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  • Was kann daran unsinnig oder nicht lohnend sein, wenn man sich genau mit der Materie auseinandersetzt, mit der man auch spielt? Ich finde es eher interessant, dass jeder seine eigene Herangehensweise hat: der eine probiert sich gleich an neuen Kesseln, der andere restauriert aufs Feinste, der nächste probiert sich an einem neuen Soundspektrum. Ich z. B. kleide gerne die guten, alten Kessel in neue Gewänder. Ich glaube dass jeder, der sich mit DIY beschäftigt, viel mehr über sein Instrument erfährt, als er zuvor wohl wusste, sich viel intensiver damit auseinandersetzt - und dann irgendwann auch mit dem Experimentieren beginnt. In gewisser Weise hat man beim DIY auch künstlerische Freiheiten. Gibt's was Besseres bei diesem Hobby? Der Ausgleich, die Arbeit mit einem zu restaurierenden Set sind mir viel wichtiger als irgendein Erlös.


    Ob sich das rechnet? Vor Jahren hatte ich mal eine Veranstaltung besucht, da waren alte Männer, die berichteten über ihr Hobby: Goldschürfen im Rhein. Der Chef dieser Truppe ließ ein kleines Glasröhrchen durch die Reihen gehen, darin waren ein paar erbärmliche Goldkörnchen und -flakes, vielleicht drei, vier Gramm. Auf die Frage, wie lang er geschürft hat, um diese Menge auszuwaschen, sagte er: "Gut und gerne fünfzehn Jahre" 8|. Als einer fragte, ob sich denn dieses Hobby und dieser Aufwand lohne, kam postwendend die Gegenfrage: "Mit welchem Hobby werden Sie schon reich?" Diese Frage war die beste Antwort. Ich sehs mittlerweile genauso.

    Ein Mann vom Schlag eines Zeugers!

  • Ich finde auch das es Sinn macht. Gilt für mich sowohl fürDIY als auch Restauration


    Am meisten muss es Sinn für denjenigen machen, der sich das antut.
    Ob er es aus wirtschaftlicher Hinsicht macht,
    weil er einfach ein Unikat haben will,
    weil er Spaß daran hat alten, verdreckten Sachen neues Leben einzuhauchen
    oder es als Berufung sieht ist dann egal.


    Und ich glaube auch das es wesentlich schlechtere Möglichkeiten gibt sein Zeit zu verbringen, als mit den
    Instrumenten mit dehnen man sich sowieso beschäftigt. Man lernt das Instrument ganz anders kennen, schätzen
    und hat einen ganz anderen Bezug dazu. Das sind auch Werte die in der heutigen Schnelllebigkeit von Produkten
    und Konsum auch immer mehr verloren gehen.


    Ich sehe immer wieder gern Bilder und Ergebnisse von DIY und Restauration :thumbup:

    Alles wird gut

  • Sinnvoll !!!


    DIY kann schon mit Snaremodifikationen wie:
    - Austausch der Spannreifen (S-Hoops, DieCast....)
    - hochwertiger, einem besser erscheinender Snareteppich
    - Experimente mit Schlag- und Resofellen
    - eventl. anderes, passenderes, ansprechenderes Cover
    beginnen.


    Dazu muß man nicht unbedingt bohren, sägen, hobeln, feilen oder gar drehen und hartlöten können, um sich seine persönliche Custom Snare zusammen zu stellen. :)

    ProgRocker in Rente :whistling:

  • Nun, zunächst Einmal ist es ja schön, wenn der moderne Trommler nebst dem eigentlichen Hobby oder Beruf sich ja noch weiter mit der Materie beschäftigen kann, kommt er doch in dieser Zeit nicht auf dumme Gedanken oder lungert auf der Straße rum bzw. nervt seine Familie. :D
    Das, was hier so präsentiert wird, kann sich in den aller meisten Fällen sehen lasesn, daher ist DIY auf jeden Fall gerechtfertigt. Kommen wir zum Pudels Kern sprich den Kessel. Hier fängt das Ganze für so einen Unbeteiligten in Sachen handwerkliches Können und Ausrüstung wie mich an, fragwürdig zu werden. Ich bin nicht in der Lage, einen Kessel zu basteln, der den Qualitätsansprüchen meines Naturbeckens (oberste Finanzierungquelle meines Fuhrparkes) entspräche. Also müsste ich auf das Produkt eines anderen zurückgreifen. Da wäre dann noch die Gratung und die Löcher für die harte Ware. Auch da fehlt es mir an Erfahrung und Werkzeug, also müsste das Produkt schon gegratet und gebohrt sein. Anpinseln könnte ich es, aber, das kann ein Profi auch besser (siehe weiter unten). Wieder nichts mit DIY. Bleibt also nur die Auswahl und die Montage der Teile am Kessel. Dieses durfte ich in Mainz-Kastel schon machen und konnte nicht umhin, eine gewisse Befriedigung festzustellen, wenn der fertige Kessel bespielt wurde. Da mein Naturbecken jemanden kennt, der in Sachen Kessel wesentlich mehr Ahnung als ich habe, baute dieser mir Trommeln nach Vorgaben meines Naturbeckens. Damit muss ich mich bis heute zufrieden geben.
    Denn: Bei der Fassbauweise haben mein Naturbecken und ich Bedenken ob der Halbarkeit. Wenn ich mir so ein richtiges Fass anschaue, sind da Metallringe zu sehen. Die haben ihren Grund, oder? Nun, ich hätte beim Bespielen einer von mir verbrochenen Trommel immer Bedenken, dass die Dauben auseinander brechen. Aber, dann müsste ich mir ja eingentlich auch Gedanken über die Langlebigkeit von Schichtholzkessel machen, oder? Abgesehen davon, damit so ein Daubenkessel auch innen rund ist, muss reichlich geschliffen werden. Das erzeugt reichlich Material für den Karmin, den ich nicht habe.
    Egal, mein Naturbecken steht ja eh schon seit fast einem Jahrzehnt auf Plastik, weil es sich nicht für eine Farbe entscheiden kann. Damit ist das Thema Holzkessel erledigt.
    Der andere Aspekt von DIY, die Restauration, ist durchaus alleine vom Anschauen her der hier präsnetierten Bilder desöfteren eine Quelle der Freude. Vermeintlich abgerockte Kisten wieder Leben einzuhauchen ist für mich mehr nachvollziehbar, aber, da ich ein Jäger und Sammler von Becken bin, kann ich auch hier nicht wirklich glänzen. Das Einzige, was ich mal wirklich verbrochen habe, war, die Folie meines ROY Made in Tawan, die sich schon löste, abzumachen und absolut unfachmänisch mit Beize aus dem Baumakrt zu verzieren. Die aus der Entfernung vermeintlich sichtbare Maserung entstand allerdings durch die unterschiedliche Dicke der aufgetragende Beize. Ich bin folglich mehr so für Grobe beim Handarbeiten. Dass die von mir bearbeiteten Trommeln schon lange nicht mehr zu meinem Fuhrpark zählen, ist wohl selbstredend.
    Nichtesotrotz gebührt mein Respekt all jenen, die sich stundenlang im Hobbykeller mit dem Thema DIY intenivst auseinandersetzen können, denn mir mangelt es dafür an Geduld, Werkzeug, Interesse und Fähigkeit und mein Naturbecken ist mit den Trommeln aus Mainz-Kastel immer noch sehr zufrieden. :whistling:

    Wer leichter glaubt, wird schwerer klug!

    Einmal editiert, zuletzt von braindead-animal ()

  • Sind wir nun in unserer Effizienz-Gesellschaft schon an dem Punkt, dass man den Sinn seiner Hobbies begründen können muss? ?( ;)


    Das Erfolgserlebnis, selbst etwas wachsen zu sehen (den selbst gestrickten Schal, das selbst angebautes Gemüse oder eben selbst gefertigte Trommeln), kann man doch völlig losgelöst vom Qualitätsvergleich mit professionellen Instrumenten sehen.


    Das, was zählt, ist allen Hobbies gemeinsam, nämlich schlicht und einfach der Spaß daran, etwas zu tun. Etwas aus Freude zu tun macht einfach glücklich oder wenigstens zufrieden. Selbst wenn andere sagen "was isn das fürn Sch...?".


    Was (leider :whistling: ) auch vielen Hobbies gemeinsam ist, ist der erhöhte finanzielle Aufwand im Vergleich dazu, es bleiben zu lassen. Ob die selbst gebaute Trommel am Ende mehr kostet als Stangenware, finde ich daher völlig unerheblich.

  • Ich habe mir vor Jahren mein Set selbst gebaut (zusammengestellt und montiert), weil mir mein Swingstar einfach nicht mehr zugesagt hat. Ich wollte quadratische Masse und viele Schrauben, dazu eine Holz- Optik. Also habe ich mir das Ganze so zusammengestellt, wie ich es haben wollte, und ich bin immer noch begeistert von dem Set.
    Dabei spielt auch der Stolz eine Rolle, aber eben auch Kosten und Individualität. Ich konnte selbst bestimmen, welche Kessel ich nehme, die Böckchen nach eigenem Geschmack, die Schrauben sind Inbus und metrisch... so wollte ich es. Preislich war es vermutlich nicht viel günstiger, vor allem, wenn ich die Zeit rechne, die ich für die Organisation, die Oberfläche und die Montage betrachte.
    Bei meinem "Basler"- Eigenbau sieht die Sache anders aus. Preislich macht das einen Riesen- Unterschied, abgesehen von dem Spass und der Erfahrung, die ich dabei machen kann. Ich würde aber wahrscheinlich auch bauen, wenn es preislich gleich wäre.
    Den Sinn des Eigenbaus kann jeder nur für sich entscheiden, wenn ich die Gelegenheit hätte, würde ich sehr gern nur so Sachen machen, leider können davon wohl nur die wenigsten wirklich leben. Also bau ich selbst, was geht, und dann weiss ich auch, wer Scheisse gebaut hat, wenn was nicht so ist, wie es sein soll.


    Für mich ist der Sinn des DIY auf jeden Fall gegeben :thumbsup: macht Spass, und man lernt auf jeden Fall dazu.

    ***Boss nüschd kost, daucht au nüschd!***

    Einmal editiert, zuletzt von ParadeDrummer ()

  • Guten Morgen,


    Sinn oder Unsinn ist immer relativ.


    Bei mir ist es so, dass ich gerne Schlagzeug spiele,
    einen Stimmschlüssel und ein Schweizer Messer sowie
    ein Fahrrad-Multifunktionswerkzeug besitze.
    Damit kann ich arbeiten. Alles andere überlasse ich
    den Profis.


    Bei mir ist die Philosophie beim Equipment eine Mischung
    aus Hochwertigkeit und Praktikabilität mit Kombinations-
    Möglichkeit und Flexibilität. Bislang habe ich da alles gefunden,
    was ich brauche, selbst könnte ich es nicht (besser) machen,
    ganz nebenbei fehlen mir neben Muße auch die nötigen Werkzeuge.


    Deshalb nehme ich meine Noten und übe in der freien Zeit ein wenig,
    damit der nächste Auftritt halbwegs erträglich wird, das Equipment
    wird von der Stange sein, aber individuell aufgebaut (das macht mir
    Spaß und das mache ich dann auch).


    Grüße
    Jürgen

  • Hi!


    Danke Hebbe für den neuen Thread. Ich wollte den Ursprungsthread nicht highjacken 8)


    Es sind hier schon interessante und nachvollziehbare Argumente genannt worden.


    Mit DIY meinte ich aber keine Restaurationsprojekte (die betreibe ich ja selber gerne), sonder nur den reinen Neubauten von Trommeln.


    Meinen Respekt haben natürlich alle "Hobby-Trommelbauer"! Und die Ergebnisse sehen ja auch meist sehr gut aus.


    Bin auf weitere Antworten gespannt!


    Mick

    DON`T PLAY THE DRUMS - PLAY THE BAND!

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