Wie kann ich mich als Schlagzeuger bei der Entstehung von neuen Stücken miteinbringen?

  • Moin,
    wir möchten vermehrt eigene Songs spielen. Wir sind zu viert. Gesang, Gitarre & z.T. Gesang, Bass und Schlagzeug. Ehrlich gesagt geht die Entstehung neuer Songs aber eher schleppend voran, wir sind alle mehr oder weniger Anfänger und als Ü35 z.T. zeitlich (Familie/Beruf) und dadurch auch kreativ limitiert. Ich möchte mich deshalb bei der Entstehung von Songideen mehr mit einbringen. Vor allem ausserhalb unserer Jams/Proben. Ich spiele kein Melodie-/Harmonieinstrument, habe bisher zwei Texte geschrieben die auch in Songs verwendet werden.
    Kurz gesagt, ich habe zwar kein Plan von Komposition, Harmonielehre und den ganzen nützlichen Sachen, spiele auch kein Instrument ausser dem Schlagzeug, möchte aber auch ausserhalb unserer Proben Ideen für Songs mit auf den Weg bringen – die wir dann beim Proben bzw. Jammen ausprobieren können.
    Wie sieht das bei Euch aus? Standet oder steht Ihr vor ähnlichen Herausforderungen und wie geht Ihr damit um? Was kann mir dabei helfen? Ein weiteres Instrument erlernen wäre schon noch schön (Keys, Bass), aber ich übe am Schlagzeug bereits nicht so häufig wie ich gerne möchte.


    Grüsse

    Blaukraut bleibt Blaukraut & Brautkleid bleibt Blaubtkreid

  • Ich schreibe auch Texte und habe meistens auch Ideen zur Melodie. Entweder singe ich sie (mehr schlecht als recht) vor, oder ich beschreibe anhand von Liedern, wie ich es gerne hätte. Z. B. "70s AC/DC wie Sin City", oder ich finde ein Gitarrenriff, was einigermaßen passt.
    Auf Handy Apps kann man mittlerweile ganz gut Piano spielen, um mal eine grobe Idee zu finden...
    Daraus ergibt sich meist ein Jammen und am Ende des Tages kommt etwas heraus, was dann alle erarbeitet haben.

    +++ my heart beats in seven +++

  • Hallo Dani,


    Texte schreibst Du ja schon. Das ist ein sehr wertvoller
    Beitrag, wenn man als Band eigene Stücke schreiben will.
    Trommler sind prädestiniert sich ins Arrangement
    einzumischen, das Thema Dynamik wie eine Monstranz
    vor sich her zu tragen und das ganze Geschehen mit
    etwas Abstand aus einer "Produzentenperspektive" zu
    betrachten.
    Aber das Wichtigste ist es, ein Harmonieinstrument
    zu lernen. Zum einen kannst Du dann selbst komponieren
    und noch mehr zum eigenen Programm beitragen und
    zum anderen wird es Dein Schlagzeugspiel wesentlich
    verändern. Ganz sicher. Zu wenig Zeit hast Du auch nicht.
    Du musst Dir nur über Deine Prioritäten klar werden.


    fwdrums

    nontoxic: kurze lange CD-Pause

  • Danke für eure Tipps. Es geht mir vor allem um Bemühungen ohne direkten Schlagzeugbezug. Von daher ist der Gedanke des Erlernens eines Harmonieinstrumentes, und wenn es nur "stümperhaft" ist, naheliegend.
    Vielleicht sollte ich tatsächlich mal Klavierunterricht nehmen. Der Gedanke kreist seit einigen Monaten um meinen Kopf.

    Zu wenig Zeit hast Du auch nicht.


    Dann ist ja gut :D
    Nee, ich verstehe schon wie's gemeint ist. In der Tat lässt sich immer irgendwo Zeit finden. Statt 3h/Woche fernzusehen könnte man auch...

    Blaukraut bleibt Blaukraut & Brautkleid bleibt Blaubtkreid

  • Wie willst du denn deiner Band mit 7 Akkorden helfen? Damit bist du doch vollkommen überqualifiziert und machst nur Durcheinander. :D
    Ich stimme aber zu: Ein Melodieinstrument oder zumindest ein bisschen Harmonielehre sind schon sehr hilfreich.
    Ansonsten kannst du dich natürlich sehr gut beim Arrangement einbringen. Wie soll es klingen, wie kann man einzelne Teile instrumentieren, welche Übergänge passen wo musikalisch... Nur Akkorde und Melodie machen ja noch kein Lied. Und dafür muss man kein anderes Instrument spielen können. Da hilft vermutlich vor Allem aufmerksames Musikhören und Kreativität. Und auch aktive Beschäftigung mit dem Lied. Also nicht nur zur Probe erscheinen und schauen, was beim Jammen ganz spontan rauskommt, sondern eben auch mal zuhause hinsetzen und an Ideen feilen. Im Idealfall kannst du bei der nächsten Probe deine Vorschläge den Bandkollegen begreiflich machen und ihr spielt mehrere von dir vorgegebene Versionen durch.

    Einmal editiert, zuletzt von Korki ()

  • Außer den schon erwähnten Ansätzen gibt es aber durchaus auch drumspezifische Schmankerl, die ein Stück prägen und / oder weiterbringen können. Z. B. indem du dir (wenn es das Stück hergibt) einen speziellen Groove bzw. eine von dir maßgeschneiderte Begleitung ausdenkst (ggf. auch nur für Teilstücke, z. B. den Refrain). Man denke z. B. an die 50 Wege, seinen Liebhaber zu verlassen (OK, großes Tennis). Oder Come Together. Oder hier was Unbekannteres. Gibt viele Beispiele.


    Oder allein durch einen Wechsel in der Hihat (Betonung on oder offbeat, geschlossen oder (halb)offen etc.) oder der Snare (auf 2+4 oder 4 on the floor oder half- oder doubletime oder versetzt etc.) kann man als Drummer einem Stück eine ganz neue Richtung geben.


    Oder sich Gedanken machen zur Songstruktur. Wo soll es vllt. abgehen, wo täte vllt. eine softe Passage gut, wo könnte ein Break einen Kick geben, muss es immer STR-REF-STR-REF-SOLO-REF sein oder geht auch was anderes etc.?

  • Ich denke, jeder Ansatz, seinen eigenen musikalischen Horizont zu erweitern, hilft dabei, innerhalb der Band musikalische Impulse einzubringen. Ein Harmonieinstrument zu spielen, ist eine super Ergänzung, etwas theoretisches Wissen zu Komposition, Harmonielehre u.ä. kann ebenfalls sehr hilfreich sein. Schon das Verständnis für definierte Tonlängen ist für uns Drummer ja nicht ganz selbstverständlich. An der richtigen Stelle ein Crash nicht einfach abzustoppen, sondern gemeinsam mit allen EXAKT ein Achtel klingen zu lassen, trägt vielleicht dazu bei, ein durchschnittliches Arrangement zu einer ausgefuchsten Komposition werden zu lassen.


    Ich habe mal für eine Funk-Coverband mit mehrstimmigem Bläsersatz sämtliche Originaltracks am PC transkribiert und dadurch echt viel gelernt. Zumal ein Teil der Herausforderung war, 5 bis 6 Originalstimmen auf unsere 3 "einzudampfen", ohne den typischen Charakter zu verlieren. Gibt also etliche Möglichkeiten, wo man sich auch als Drummer einbringen kann. Auch analytisch Musik hören ist nicht zu unterschätzen. Von wem lernt man besser, wie man gute Musik komponiert, als von den ganz Großen?


    Zum Beispiel bin ich im Erfinden von Hooklines, Harmonien und Texten völlig unkreativ. Wenn aber jemand anderes da vorarbeitet, tu ich mich leicht, eine interessante Instrumentierung oder gute Übergänge zu finden. Da muss man vielleicht auch rausfinden, wo man selbst Stärken hat.

  • Man kann sich natürlich auch mit 72 noch am Konservatorium einschreiben um dann irgendwann dem Gitarristen einen Akkordvorschlag zusenden zu können, der selbst auf einem iPad Pro (quer) noch einen Zeilenumbruch verursacht.


    Man kann allerdings auch einfach mal so Dinge machen wie … Laute (nicht zwingend das Instrument) benutzen. Ich muss dem Gitarristen doch keine technisch saubere Riffvorlage vorspielen, ich kann doch den Vorschlag auch vorsummen/rufen/jaulen ... Oder Dinge wie "Du fängst direkt mit Schrammeln an, wie wäre es denn, die erste Strophe zu zupfen?"

    Wenn man das Knie sieht, ist die Bassdrum zu klein!

    Einmal editiert, zuletzt von Ballroom Schmitz ()

  • Wie willst du denn deiner Band mit 7 Akkorden helfen?


    Gar nicht, denen kann man nicht mehr helfen. Gitarre zu spielen ist nur für meine Ausprägung wichtig, damit ich der Band eine unumstürzbare Basis präsentieren kann, die sie halt akzeptieren müssen oder es lassen.
    Meistens lassen sie sich auf mich ein, zum Glück 8o :D


    -

  • Die heutigen Möglichkeiten erlauben ja so einiges ohne besondere Vorkenntnisse...Am Beispiel cubase mal in Ansätzen gezeigt. Wenn es dan tatsächlich Laune macht, wird man sich sicher auch ein bisschen in die Materie "Musiktheorie" reinarbeiten können.


    https://new.steinberg.net/de/cubase/
    Der link funktioniert nicht wie gewünscht...einfach runterscrollen und das Video "komponieren" anklicken.

  • Hallo
    Vorweg würde ich klar sagen,dass man als Musiker,egal welches Instrument man sein eigen nennt,seinen ganz individuellen Stil zu spielen sich an eignen sollte. Welchen weg man da nimmt,muss jeder für sich selber finden.
    Sich von anderen Musikern,Gruppen,Stilistiken beeinflussen lassen kann ein weg sein. Lässt man dies zu,so werden die Ideen zur Musik von ganz alleine kommen. Geht ja auch zum größten Teil darum seine eigene Phantasie zu beflügeln.
    Auch nicht soviel drüber nachdenken,was falsch oder richtig ist.Einfach machen. Klar,ist alles auch ein wenig abhängig von ein wenig theoretischem Wissen. z.B. wie baue ich ein Musikstück auf,wie gestallte ich meine Fill-Ins, welchen Stilistik soll das Stück haben,Musik dienlich oder seine eigenen Ferkel fliegen lassen..auch mal dinge nehmen,die man mal gelernt hat >Spieltechniken bewusst machen.


    Aber ganz wichtig ist,dass man in der Gruppe miteinander redet..viele Ideen kommen oft gemeinsam..

  • Moin! Selbst, wenn du kein Harmonieinstrument spielst bzw. wir das einfach mal außen vor lassen, kannst du natürlich auch vom Schlagzeug aus Impulse geben.
    Schreib doch einfach mal ein Drumintro. Fang mit einem einfachen, rhythmischen Motiv an und versuche, das auszubauen - vielleicht hin bis zu einem Beat.


    Ich mache es auch hin und wieder so, dass ich Bandkollegen einfach mal ein paar Beats baue und rüberschicke.
    Allein eine rhythmische Idee kann ja schon ein Impuls für eine neue Melodie sein, auf die z.B. der Gitarrist so nicht gekommen wäre.
    Hierbei kannst du natürlich verschiedene Tempi benutzen und verschiedene Feels: Mal Half-Time, mal Normal-Time, Mal Double-Time. Du kannst mit Synkopen spielen, mit der Bassdrum vielleicht sogar schon mal die Grundlage für ein Riff vorformen. Irgendwie sowas.
    Hoffe, das klingt jetzt nicht zu abstrakt.

  • Harmonien zu verstehen, kann beim gemeinsamen Liederschreiben helfen - wenn die anderen zuhören und verstehen ("wie, Moll ist doch vermindert"). Vielleicht kann man der Komposition in anderen Bereichen besser helfen - und ganz ohne Harmonielehre.

    • Melodie: Wenn die Melodie noch nicht steht, kann man Riff oder Akkord-Abfolge mitschneiden, daheim eine Melodie überlegen und diese Vorsingen oder als Aufnahme teilen. Erfordert Mut und Kritikfähigkeit.
    • Text: Du hast ja schon selbst Texte geschrieben. Man kann sich auch als Co-Texter anbieten, wenn jemand mit Halbgarem kommt und für Ideen offen ist (das muss man ganz sensibel rausfinden): Drastisch kürzen; Wörter und Phrasen austauschen; Herz-Schmerz-Reime ausräumen, Phrasierung verändern etc.
    • Struktur / Abfolge: Überlegen und Vorschläge machen. Was eignet sich als Refrain? Wird das langweilig? Fehlt 'ne Bridge? Ist die Nummer viel zu lang? Soll das Intro wirklich so lange dauern? Über welchen Teil sollte soliert werden? Wie könnten wir das Ende des Solos anzeigen? Wie gestalten wir den Schluss?
    • Dynamik: Als Quasi-Dirigent sind wir Wächter der Dynamik und können so aus Geschrammel richtige Musik machen. Erfordert Muße, Ausdauer und Durchsetzungskraft, aber es lohnt sich. Und wenn Du von der Sängerin geküsst werden willst, dann sorge dafür, dass die Irren an Git und Keys sich auch in der zweiten Strophe noch zurücknehmen.

    Ich mein' ja nur,
    M.

  • Vielleicht sollte ich tatsächlich mal Klavierunterricht nehmen.


    Mit Gitarre wirst Du m.E. schneller ans Ziel kommen, denn schon mit den Grundakkorden kannst Du Gesang begleiten und einen kompletten Song als Idee vorstellen. Ich spiele sowohl Klavier als auch Gitarre, aber um schnell mal einen Pop/Rocksong zu zeigen würde ich immer zur Gitarre greifen.

    Nix da.


  • Mit Gitarre wirst Du m.E. schneller ans Ziel kommen, denn schon mit den Grundakkorden kannst Du Gesang begleiten und einen kompletten Song als Idee vorstellen. Ich spiele sowohl Klavier als auch Gitarre, aber um schnell mal einen Pop/Rocksong zu zeigen würde ich immer zur Gitarre greifen.


    Nee, geht gar nicht. Hab so'n Teil mal in der Hand gehabt, und.., was soll ich sagen, ;( Nööööö :D
    Tasten fühlen sich besser an. Bass geht aber auch.

    Blaukraut bleibt Blaukraut & Brautkleid bleibt Blaubtkreid

  • So wie ich das sehe hat man als reiner Schlagzeuger grundsätzlich folgende Möglichkeiten:


    • Groove Ideen fürs Songwriting bereitstellen (initiativ)
    • Grooves und Fills für vorhandene Songs bereitstellen
    • Ideen fürs Arrangement von vorhandenen Songs einbringen
    • Texte schreiben


    Bis auf letzteres hatte ich alles in verschiedenen Bands mit eigenen Sachen schon umgesetzt. Texte schreiben steht definitiv bei mir auf dem Plan.


    Komplette Songs schreiben kann man als reiner Rhythmiker eher nicht. Hier ist halt die Frage, wie gut man sich in der Band ergänzen kann. Darum gehts ja letztendlich auch.


    ... ich werde meinen Horizont noch erweitern und mich mit Harmonielehre, Gehörbildung uvm. beschäftigen ... aber ob ich dann Songs schreiben kann? :whistling:

  • Nee, geht gar nicht. Hab so'n Teil mal in der Hand gehabt, und.., was soll ich sagen, ;( Nööööö :D
    Tasten fühlen sich besser an. Bass geht aber auch.


    Ich fahre mit der Ukulele ganz gut. 4 Saiten sind noch gut zu bewältigen und inzwischen hat sich auch ein E-Exemplar dazu gesellt. 8)

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!