Gigs, Gage, Hut

  • Wobei ja im Grunde auch international Erfolgreiche Rock- und Jazzgrößen wohl mal als "komponierende Amateurbands" angefangen haben dürften

    Ja klar, niemand wird als Profi geboren. International erfolgreiche Bands haben i.d.R. ein oder mehrere Hauptkomponisten, die enthusiastisch und verrückt genug sind, um sich die Skills draufzuschaffen. Da kann Musiktheorie dann ebenso dazugehören wie nächtelange Analyse herausragender Songs, nebenbei will man aber auch noch sein Instrument/seine Instrumente perfektionieren und die eigenen Texte voranbringen. Und natürlich spielen, spielen, spielen...


    Das ist im Grunde für kaum einen Hobbymusiker mit Hauptberuf zu erfüllen, und wer dann ehrlich zu sich selbst ist, covert primär und steuert vielleicht mal ne Eigenkomposition hier und da bei, die gut gelungen scheint. Wem Selbstreflexion eher unangenehm ist, der lässt keine Chance aus, kundzutun, nicht das gleiche machen zu wollen wie alle anderen, schließlich fühlt man sich künstlerisch ja irgendwie einzigartig.


    Entsprechend schwanken solche Darbietungen bei mir häufig zwischen "eigenwillig" und "unangenehm". Wenn ich mich bewusst darauf einlassen kann, ist das trotzdem ok. Aber dem Nicht-Musiker geht es doch nicht anders, den reißt das auch nicht vom Hocker, nur kann ich eben besser analytisch beschreiben, woran's liegt. Solche Bands haben halt auch nicht viel mehr Potenzial als für 2 bis 3 Konzerte jährlich, weil Family & Friends ne endliche Ressource sind.

  • Mit meiner aktuellen Combo haben wir zwei mal im Beavers bei Open Mike gespielt. Wir hatten 20 min, manch andere weniger. Viele haben Eigenkompositionen präsentiert und das war dann in vielen Fällen auch eher nicht so schön anzuhören. 1-2 Titel hatten aber schon Potential. Die muss man dann herausfischen und daraus etwas machen.

    Während meiner Abiturzeit hatten wir mit unserer Schulband nur Eigenkompositionen. Einmal kam ein rot-blonder Typ vorbei, der wollte uns dann Ratschläge geben. Sein Name war Nosie Katzmann. Wir fanden ihn doof.

  • wenn ich die ganzen Beiträge hier so lese, frage ich mich, warum wir alle hier überhaupt noch Musik machen

    Bei uns im Münchner Raum bringen die wenigsten, die ich kenne, selbstgeschriebene Musik auf die Bühne, dann passt das doch 😉


    Find ich auch gar nicht ehrenrührig, ich glaube es gibt viel mehr gute Instrumentalisten als Komponisten. Wenn alle das machen, was sie können, gibt's logischerweise auch mehr Nachgespieltes. In der Klassik seit Jahrhunderten normal, ich will mir gar nicht vorstellen müssen, dass jeder Dirigent nur noch Eigenkompositionen ins Programm nimmt.


    Mir ist jedenfalls gutes Handwerk mehr wert als schlechte Kunst.

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