Welche Drums für draußen ohne Verstärkung?

  • Ok, der nächste Dienstag rückt näher und damit mein tatsächlich erster Gig nach vielen Monaten - und tatsächlich auch mein erster Gig draußen auf einer Pavillon-Bühne ohne Verstärkung (des Schlagzeugs). Und damit kommen die Fragen, wo ich gerne mal die Erfahrung anderer hier abgreifen würde, die sowas schon gemacht haben.


    So wird das Setting sein:


    Bühne ist ein freistehender Pavillon 3x3 m², der mit Gestellen etwa vierzig Zentimeter erhöht wurde. Rückseitig davon steht ein Gebäude in ca. 1,50 m Entfernung vom Pavillon. Nach vorne raus und zu den Seiten ist alles frei. Das Gelände ist ein sehr weitläufiger Biergarten, wo einzelne Tisch-Inseln inmitten eines schön angelegten Gartens mit Rasen und auch Bewuchs in Form von Büschen und Hecken liegen. Alles in allem sind die nächsten Tische ein paar Meter, die weitest entferntesten bestimmt 70 m entfernt, vornehmlich nach vorne und seitlich links von der Bühne aus positioniert. So sieht das da aus:


    Wir (2x Git, Bass, Drums, Vocals, 4 Musiker) spielen mit einer Gesangsanlage (12/2er Topteile mit gut überdimensionierter Endstufe) - die kann laut, aber keinen Bass. Subwoofer werden nicht vorhanden sein (sind auch seitens des Wirtes nicht erwünscht). Die Gitarristen spielen (um den Aufwand klein zu halten) mit ihren NUX Multieffektgeräten direkt ins Pult und hören sich über zwei Floormonitore ab, die auch für Gesang benutzt werden. Ich muss mit dem Leben, was davon bei mir hinten ankommt (könnte aber zur Not noch mein IEM anschließen). Der Bassist spielt mit seinem Fender Rumble 500 plus Zusatzbox. Nach vorne über die Anlage geht der Gesang, die Gitarren und eine Harp, wenn sie bei einigen Stücken gespielt wird. Wir mischen uns von der Bühne selber, Mischpult ist mein X32 Compact. Musikalisch geht es bei uns in Richtung Rock/Blues, gerne auch mal etwas heftiger, aber auch ruhigere oder funkige Nummern.


    So, jetzt aber zur eigentlichen Frage: Wie richte ich mein Set her, um in diesem Umfeld einen halbwegs passablen Sound abzusetzen? Für die Bassdrums stehen entweder 20x14 oder 22x16 zur Verfügung, beide entweder mit oder auch ohne Loch im Reso. Mein erster Ansatz war, so leise wie möglich und daher 20x14 ohne Loch mit Muffkopf. Beim neuen düber nachdenken dämmert es mir, dass diese Bassdrum wahrscheinlich sehr schnell an Kraft verliert und ein paar Meter weg nach nichts mehr klingt. Daher werde ich jetzt die 22x16 ebenfalls mit einem Reso ohne Loch herrichten, damit vielleicht ein wenig Druck entsteht (zumindest direkt vor der Bühne). Als Snare wird es wohl die 14x6.5 Maple werden, die klingt druckvoll, aber auch warm.


    Wer hat mit solchen Gigs Erfahrung? Funktioniert sowas mit der geschlossenen BD? Sollte ich die Toms ebenfalls offener als sonst stimmen (auf Resonanz), damit sie mehr Ton haben und tragen? Auf was muss ich mich noch einstellen bei solchen Outdoor-Gigs?

  • Ich hab grad wenig Zeit, bin am Weg zur Probe, aber ich glaube, du kennst die Aufnahmen von meinem Gig mit puca, ich war komplett unplugged, Gesang lief über ein Mischpult auf zwei Satelliten, die Gitarren/Bass hatten die Amps mit ihren cabinet speakern, mehr nicht. Feedback vom (zum Teil Musiker)Publikum: ich war gut zu hören, und alle anderen auch.


    Edith will nur der Vollständigkeit halber gesagt haben, dass ich mit Schneewittchen gespielt hab (22,12,16)

    Lieber brennende Herzen, als erloschene Träume! <3 xxxx Love life, and live! - It's worth it.


    “You are never too old to set another goal, or to dream a new dream.” ― C.S. Lewis


    Don‘t waste your time or time will waste you. (Muse - Knights of Cydonia)

  • Ich hab' zwar auch vor ein paar Jahren auf einem 40sten Geburtstag im Hippie-Stil OpenAir unverstärkt gespielt (O.K. - BD und Bass liefen über einen Mini-Sub, dessen Lebenszeit dadurch spürbar verkürzt wurde) und durfte ordentlich reinhauen, um mit den anderen, die über eine 2-Box-Anlage verstärkt wurden, mitzuhalten. Ist jetzt aber nicht so 1:1 mit deinem Gig vergleichbar, würde ich sagen.

    Ich denke, du solltest auf keinen Fall zu zaghaft, eher 'normal' spielen. Die Anlage wird dann auf deine (akustische) Lautstärke eingepegelt, fertig, mehr gibt's eben nicht. Schlimmstenfalls werden vermutlich zuerst deine Mitmusiker dein Instrument als "zu laut" empfinden.

    Ich werde wohl auch unter den Gästen sein und könnte mich als Mischer-Gehilfe anbieten. ;)


    Probiere doch vorher zu Hause um Garten mal aus, welche Bassdrum mit welchem Fell am anständigsten rüber kommt. Am besten lässt du jemand anderen das Pedal treten und du hörst, wie's aus der Distanz klingt.

  • Ich hab grad wenig Zeit, bin am Weg zur Probe, aber ich glaube, du kennst die Aufnahmen von meinem Gig mit puca, ich war komplett unplugged, Gesang lief über ein Mischpult auf zwei Satelliten, die Gitarren/Bass hatten die Amps mit ihren cabinet speakern, mehr nicht. Feedback vom (zum Teil Musiker)Publikum: ich war gut zu hören, und alle anderen auch.

    War das auch im Freien?

    Outdoor ist anders als Indoor.


    Ich habe jahrelang immer beim Tag der Musik in Kempten in der Fußgängerzone gespielt.

    Aufbau war wie bei der Dany, jeder hatte seinen Amp, nur der Gesang kam über die Anlage, das Schlagzeug war unplugged.

    Meistens war ich zu laut. :(

    Allerdings hatten wir das Publikum direkt vor der Nase stehen, also nicht so wie bei Euch.

    Trotzdem glaube ich, dass das bei Euch in dem Garten bestimmt wunderbar hinhauen wird.

    Ob mit oder ohne Resoloch ist wahrscheinlich egal.


    Wenn ich dran denke, dass man sich früher nie solche Gedanken gemacht hat.

    Beim Abi-Streich waren alle einfach auf dem Lehrerparkplatz gestanden, der Strom kam vom Nachbarn, alles auf die Zwölf, laut wars. :P


    Wenn es warm wird, dann freut sich der Musiker, der genau vor Dir steht über den Lufthauch, der (hoffentlich) regelmäßig aus dem Bassresoloch kommt.

    Dieser Punkt spricht auf jeden Fall mal für ein Resoloch.

    Aber sonst?

    Ausprobieren.

    Das Publikum besteht meistens eh nicht aus Musikern.

    ;)

  • In jedem Fall sollte die Snare in 70m noch zu hören sein. Bassdrum wird da nicht ankommen... Und wichtig ist, so zu stimmen, dass es draußen gut klingt- also lange tragende, eher höhere Stimmung....kann sein, dass das für dich dann aber schlimm wird 8o. Ich bekomme da immer die Krise....weils eben ungewohnt ist.

  • Hatte am Samstag einen Open Air Gig mit Big Band, die teilweise verstärkt war. Mein Schlagzeug wurde unverstärkt zu keiner Zeit als zu laut bezeichnet, obwohl die Akustik nicht so offen und vor einer halbrunden hohen Mauer sogar wirklich fett war. Eine Bass Drum kann da eigentlich nicht groß genug sein, damit man nicht nur Tock Tock, sondern auch etwas Bauch bekommt. Ich hatte meine 22x14 Vintage dabei mit 4" Loch im Reso. Schlagfell schön tief mit Punch, Reso etwas auf Ton gestimmt in der Erwartung, dass der Ton sich im Gesamtsound eh verliert, ohne aber zu trocken zu klingen. Sonst meint noch wer, das wär ein Knacken auf der PA gewesen. Hat gut funktioniert, würde ich sagen.


    Die Toms stimme ich für sowas mittelhoch, die Snare sowieso eher hoch. Und dann tatsächlich nicht zu zaghaft spielen. Toms Set ist in Kempten in der Fußgängerzone ja wirklich zwischen "Häuserschluchten", da sind Reflexionen von überall her eher ein Problem. Auf so ner begrünten Freifläche schaukelt das Set sich kaum so auf.


    Ich hab z.T. je nach vorhandener PA tatsächlich Overheads aufgebaut, um den Drumsound etwas breiter zu machen und besser zu integrieren. Selbst bei - nicht zu kleinen - Fullrange Boxen fand ich das Ergebnis mit ner Rockband schöner als ohne OH. Weniger wegen der Bässe, sondern weil die Präsenz des Drumsounds besser war. Typischerweise gehen ja vor allem die Höhen auf Distanz verloren, und übrig bleibt Mumpf.

  • Ich mache manchmal draußen Musik und empfinde es als anstrengender. Meist ist weniger Reflexion die Ursache, was aber durch einen unverfälschten Drumsound wieder wettgemacht wird. Aber wenn du die Gebäudefront im Rücken hast, bekommst du von ihr einige Reflexionen aufs Ohr. Schwierig zu hören werden wahrscheinlich deine tonalen Kollegen, die ja über die Gesangsboxen von dir wegstrahlen. Möglich dass aber über die Hausfront im Rücken einiges von den Boden Monitoren einiges zu dir dringt. Unmikrofoniertes Schlagzeug ist aber eine geile Herrausforderung... Klappt schon 8)


    _

  • Hallo,


    also früher haben wir immer unmikrofoniert gespielt, auch draußen.


    Fakt ist: alles, was filigran ist, verfliegt an der Luft. Da zählen Größe, Volumen und Durchsetzungskraft.

    Ich persönlich reguliere die Lautstärke vor allem durch die Spielweise. Größere Instrumente verfügen über ein größeres Dynamikspektrum.

    Ich würde mir aber eher Gedanken machen, ob die "Bühne" hält, irgendwann umkippt oder es reinregnet oder windet.

    Der Rest ist Rock 'n' Roll.


    Grüße

    Jürgen

  • War das auch im Freien?

    Ja, klar, 2019 wars ein ähnlich offener Pavillon, nur aus Holz und nicht erhöht (selbe Ebene wie Publikum), letztes Jahr haben die hinten und an einer Schmalseite eine Glaswand gemacht, die aber nicht bis ganz runter am Boden und auch nicht ganz rauf zum Dach reichte. Allerdings hatten wir keine Gebüsche und die Tische standen nicht so seitlich von der „Bühne“.

    Meine BD hat ein Resoloch, kann schon sein, dass man sie auf den weiter entfernten Tischen nicht mehr sooo gut gehört hat. Ich spiele aber auch nicht besonders laut, eher leise im Vergleich zu den meisten. Ein Grund, warum der Wirt uns mag. Weil bei den andren Bands hatten die (weiter entfernten) Anrainer immer die Polizei gerufen, wenn die 1 Minute nach 22 Uhr noch gespielt hatten.


    Was ich dir unbedingt raten würde, wenn du kein IEM machst: nehmt euch eine Box als Monitor mit, sonst hörst zumindest du den Gesang ev. nicht mehr, wenn die Lautsprecher vorne stehen und von dir weg strahlen, wir hatten auch eine mit. Die Amps standen auf meiner Höhe, also ganz hinten, die hab ich gut gehört, aber den Gesang hätt ich nicht gehört ohne die Monitorbox.

    Von der Größe her war unser Publikumsbereich aber kleiner, 70m waren das nicht bis zu den hintersten Tischen, eher 35-40. Die zur Bühne am nähesten stehenden Tische waren so ca. 8m entfernt.

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    Don‘t waste your time or time will waste you. (Muse - Knights of Cydonia)

  • Bei Openair und unabgemikt gilt der alte Film-Titel: "Gone with the wind", daher:


    Snare: Emperor x oder Emperor x Black Suede: Du brauchst Volumen und Sensible Ansprachen ala Ambassador oder andere Feinschmeckereien kannst du openair ohne Mics in die Tonne treten.


    Toms: klarer Tip: mach die Resonanzfelle ab und spiel einfellig, so bekommst den Attack, den du in dem Akustik-Surrounding brauchst. Auch hier eher schwerere Felle, in jedem Fall klare wegen des besseren Attacks.


    BassDrum: so gut wie keine Dämpfung, diese nur soweit, als dass Basketballspieler mitmachen wollen, wenn du kräftig genug spielst, halte das Reso geschlossen, ansonsten normal mit Loch, auch hier würde ich lieber auf klare felle setzen wegen des grösseren Attacks.

    "Pommes/currywurst hat einfach seine eigenen Gesetze."
    (c) by frint / 2008


    "Es macht so viel Spaß, ein Mann zu sein, das können sich Frauen gar nicht
    vorstellen!" (c) by Lippe / 2006

  • Ja, die BD wird das größte Problem. Becken und Snare wird man ausreichend hören. Würde auf jeden Fall die 22er Wumme nehmen und auch höher stimmen, ggf. ein wenig dämpfen.

    Die vorhandenen Boxen (PA und Bass) würde ich aber auch mit in Erwägung ziehen. Nicht als vollwertige BD-taugliche PA, aber als dezente Unterstützung (Gain nur leicht dazudrehen). Dadurch, dass sie vermutlich erhöht stehen, tragen sie das Signal noch etwas. Und falls der Kollege Bassist noch einen Eingang bei sich frei hat, kannst du auch mal die Bassbox probieren. Hab ich mal gemacht, ging. Kein Träumchen, aber ging. Versuch macht kluch.

    Wünsche viel Spaß jedenfalls!

  • Toms: klarer Tip: mach die Resonanzfelle ab und spiel einfellig, so bekommst den Attack, den du in dem Akustik-Surrounding brauchst. Auch hier eher schwerere Felle, in jedem Fall klare wegen des besseren Attacks.

    Du hast ohne Resofell zwar mehr Attack, das ist richtig, aber ist ein resonant gestimmtes Tom nicht lauter als ein einlagiges? Mir schwant irgendwie sowas stand in Nils Stimmbuch .



    Snare: Emperor x oder Emperor x Black Suede: Du brauchst Volumen und Sensible Ansprachen ala Ambassador oder andere Feinschmeckereien kannst du openair ohne Mics in die Tonne treten.

    Auch da denke ich mir ob ein CS Coated nicht subjektiv lauter ist, weil weniger Masse bewegt werden muss? Ein dickes Fell oder zweilagig braucht initial mehr Energie damit es klingt das ist richtig. Bei der maximalen Lautstärke bin ich mir da aber nicht so sicher.

    Warum ich auf die Idee komme ist, dass Toms bei Kneipengigs ja im Schnitt immer in der Masse untergehen. Das liegt meist daran, das Hauskits Pinstripes mit am besten noch ganze Taschentuchpackungen auf den Trommeln haben. Da muss man gefühlt derart reinsemmeln das da in der ersten Reihe überhaupt noch irgendwas ankommt.

    Ich glaube das Stichwort ist vor allem höher stimmen, hat aus dem Grund nicht Bonham das genau so gemacht?


    lg

  • Ich habe bei Toms immer sehr gute Rückmeldungen bekommen, wenn ich bei unverstärkten Gigs

    das Resofell tiefer gestimmt habe als die Schlagfelle.

    Ich stimme die dann meistens 3 Halbtöne unterhalb des Schlagfells.

    Wenn bei Stiftung Wahrentest ein Dildo mit Befriedigend bewertet wird, ist das dann Sehr Gut?



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  • Ein Overhaed dezent einsetzen - und den Chuck Booms Hinweis auf Bassbox (auch dezent) kann man erwägen.


    Um die Leute, die 70m weit von der Bühne weg sind, würde ich mir keinen Kopf machen.

    Solche Besucher sitzen - wenn es geht - immer weit weg, weil sie nichts hören wollen...

    Schöne Grüße - Rainer K. aus B. an der W.

  • Vielen Dank für eure guten Tipps und Hinweise! Ich werde mein Set vorher draußen testen und ggf. vor Ort noch nachstimmen. Das die Location mit dem verfügbaren technischen Aufwand ein Kompromiss bleiben wird, ist mir klar. Ich seh zu, das beste draus zu machen.

    Ich berichte dann, wie es gelaufen ist!

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