"In-Ear für Musiker" - Warum eigentlich?

  • Moin wertes Forum,


    eines vorab: Es geht in diesem Thread nur um kabelgebundene Inears. Das Thema Bluetooth lasse ich außen vor, da es für den Live-Betrieb irrelevant ist. Auch über angepasste Otoplastiken möchte ich hier nicht diskutieren - diese haben definitiv ihre Daseinsberechtigung.


    Nun zum Thema: Ich habe in letzter Zeit oft über den Sinn und Unsinn der Produktgattung "In-Ear für Musiker" nachgedacht. Diese hochpreisige Gattung existiert relativ streng separiert neben den In-Ear Kategorien "HiFi-Inears" oder eben stinknormalen Consumer-Produkten (vermeintliche "Billig-Produkte" unterhalb der 50 Euro-Marke).


    Zentral sind für mich die Fragen:

    - Warum werden Musiker-Inears separat geführt und teilweise auch in anderen Geschäften angeboten? (ok, die Frage ist eigentlich hinfällig... es geht um Marketing und Geld)

    - Was unterscheidet diese Inears von den "Standard"-Produkten?

    - Warum sind viele (nicht-maßgeschneiderten) Musiker-Inear-Modelle so teuer? Sind die Preise von teilweise 1000+ Euro berechtigt?

    - Funktioniert ein "Standard"-Inear Modell für 50 Euro womöglich genauso gut im Live-Betrieb?


    Bei meinen Mit-Musikern in Bands und anderen Projekten herrschte oft das Credo, bei Inears bräuchte man "unterhalb von 500 Euro eigentlich gar nicht zu schauen." Das sei alles Mist, der langfristig nicht glücklich mache.


    Ich persönlich habe hingegen ein paarmal die Erfahrung gemacht, dass normale, günstige Standard-Modelle um die 50 Euro mir annähernd gut gefielen wie etwa meine 500-Euro-Stagediver SD3. Verstärkt wurden diese Zweifel, da meine SD3 nun schon zum zweiten Mal in der Mitte auseinander gebrochen sind. Beim ersten Mal ist dies geschehen, als ich das herausnehmbare Kabel wieder anstecken wollte... Zack... plötzlich war das Earpiece entzwei. Ich habe dieses dann vom deutschen Hersteller für knapp 70 Euro reparieren lassen. Kürzlich - etwa ein Jahr nach Reparatur - ist mir dasselbe wieder passiert an der genau gleichen (Soll?-)bruchstelle, diesmal gänzlich ohne Fremdeinwirkung:



    Man stelle sich mal vor, dies wäre direkt vor einem Musical-Gig o.ä. passiert. Nicht nur ich wäre komplett aufgeschmissen gewesen...


    Nun bin ich nicht gewillt, die Hörer wieder für teuer Geld reparieren zu lassen und habe mich auf dem Gebrauchtmarkt umgeschaut. Dabei habe ich festgestellt, dass es HiFi-Inear-Modelle äußerst günstig gebraucht auf den üblichen Plattformen gibt. Nach einiger Recherche habe ich mich für einen Bowers & Wilkins C5 für 35 Euro entschieden (NP: ca. 180). Die gibt es z.B. hier oder auch hier. Die dazugehörigen Aufsätze habe ich entsorgt und mir Memory Foam Aufsätze geholt. Und was soll ich sagen? Diese 45 Euro-Kombination klingt fantastisch, schirmt gut ab, sitzt angenehm und geht in den tiefen Frequenzen sogar ein Stück weiter runter als die SD3. Das Trommeln zum Play-Along macht riesigen Spaß damit, nur Live konnte ich sie noch nicht ausprobieren (aus bekannten Gründen). Ich bin mir aber auch nicht sicher, ob ich mit dieser Kombination live nicht irgendwelche Nachteile habe im Vergleich zu "echten" Musiker-Inears. Kann ich mich mit handelsüblichen Hifi-Inears überhaupt auf die Bühne trauen? Was denkt ihr?


    Edit: Es sei noch anzumerken, dass sich die Bowers & WIlkins Kopfhörer auch haptisch aufgrund der Metall-Bauteile hochwertiger anfühlen als die SD-3. Ich möchte auch noch anfügen, dass die SD-3 gebraucht i.d.R. noch weit mehr als 200 Euro kosten.

    Einmal editiert, zuletzt von Niles ()

  • Ich stelle mich mal auf den Pranger und behaupte das jedes InEar besser ist als jedes Setting mit Bühnenmonitoen.
    Ich kann das auch begründen:
    Ausgenommen von 40m Open Air Bühnen ist der Sound für die Musiker und fürs Publikum mit Bühnenmonitoren schlechter als ohne.

    Das alleine ist für mich schon Grund genug für InEar.

    Zum anderen hat jeder Musiker die Chance auf seinen ganz individuellen Sound in gesunder Lautstärke.

    Ganz entscheidend ist der gesundheitliche Aspekt, auch für mich.
    Nie mehr mit klingelnden Ohren mit Tinitus aus dem Proberaum zu kommen ist ganz entscheidend neben dem ausgezeichneten Klang!


    Ich kann sowohl mit China KZ Knöpfen für 50 Euro als auch mit teuren SD3 spielen.
    Live ist mir das weniger wichtig als im Proberaum. Man hört gut genug um live performen zu können.
    Richtig Spass macht es aber erst wenn man alles genau so hören kann wie man es gerne hat. Also auch die BD und den Bass

    und das möglichst ohne verbogene Frequenzgänge wie bei den billig Chinesen.


    Entscheidend ist nicht nur die Wahl des Systems, sondern viel mehr wie man seinen InEar Sound produziert.
    Ein SD3 an einem unbearbeiteten nur sumierten Mix klingt sicher scheusslicher als ein Billigmodell mit perfekt
    gemischtem Sound.


    Aber grundsätzlich zu sagen das unter 500 Euro nix geht halte ich für gewagt.
    Spielen kann man sicher auch mit 100 Euro Shures, aber obs klanglich Spass macht ist doch eher individuel.

    Meine Jungs sind mit den KZ sehr zufrieden, wohl auch weil sie noch nichts anderes kennen und ich deren Defizite im

    Monitormix realtiv kompensieren kann.


    Ich weiß nicht ob Musiker InEars so viel teurer sind, oder ob "HiFi" Knöpfe nicht doch einfach nur schlecht sind.

    Mir ist noch kein guter Hifi InEar begegnet.

    Davon ab käme ich nie auf die Idee einen guten Kopfhörer durch einen Knopf im Ohr ersetzen zu wollen.

    don´t panic

  • Also ich kann zu den hochpreisigen In Ears für Musiker nichts sagen, verwende seit Jahren entweder die von Beeble erwähnten KZ Kopfhörer oder Standard Consumer In Ears zB von Sony oder was auch immer. Ich verwende die allerdings ausschließlich im Proberaum, live ist das logistisch schwierig wenn ich als einziger auf In Ear Monitoring bestehen würde, bzw. mag ich mir den Zusatzaufwand nicht antun. :D

    Für mich funktionieren die günstigen Stöpsel super, wir bearbeiten bei den SIgnalen die jeder aufs Ohr kriegt aber auch nichts am Sound. Es reicht das ich höre was meine Pappenheimer spielen, das ist schon so viel besser wie direkte Raumbeschallung. Auch hört man den Sänger ohne das man PA Boxen bis zum Anschlag aufdreht. :D


    lg

  • Oh, das mit dem brechen ist aber heftig, da würde ich im Dreieck springen.

    Also meine nächster Invest ist definitv in angepasste Inears, für Marke/Modell habe ich mich unter Berücksichtigung Kosten/Nutzen entschieden. Ich habe auch bei meinen vergleichsweise kleinen, unregelmässigen Gigs keine Lust mehr auf das Geturne mit den Monitorboxen und wechselnden PA-Leuten, klar, bin auch nur Amateur, die Leute haben mit dem FOH schon genug zu tun, daher übernehme ich selbst die Verantwortung dafür, dann kann ich mit mir selbst schimpfen.

    Meine bisherigen Erfahrungen mit Shure 215, KZ-Modellen etc. bringen mich gezielt zu "Angepassten", live halten unangepasste bei mir einfach nicht ausreichend - für Proben reicht und funktioniert es. Ich freu mich schon drauf, ab jetzt wird alles anders :D

    "Geduld und Zeit bringen mehr als Gewalt und Streit"

    Jesses' Drummergalerie wird bei Gelegenheit mal aktualisiert und neu verlinkt ;)

  • Vorweg, ich besitze ein paar Einsteiger-IEMs von Sennheiser IE40PRO, die sind wie in der Preisklasse zu erwarten, mit normalen dynamischen Treibern ausgerüstet. Genau wie vermutlich alle günstigen Chinesen-IEMs, und vor allem auch wie die meisten kabelgebundenen HiFi-Kopf-im-Ohr-Dinger.

    Dazu die passenden MemoryFoam-Tips von Comply, und einen Fischer Amps-In-Ear-Stick (kabelgebundenes, batteriebetriebenes Beltpack)


    "Die geilen und teuren" IEMs haben ja zwei wesentliche Abgrenzungsfaktoren zum Billigheimer: Balanced Armature Mehrwege Treiber, und Custom Molds


    BA-Treiber, habe ich mir zugegebenermaßen noch nie anhören dürfen. Laut Marketingsprech können die Dinger noch viel viel lauter als dynamische bevor die Verzerrungen einsetzen. Danke, das brauche ich nicht, ich monitore auch mit meinen IE40PRO nur in einem Lautstärkebereich, den diese ohne merkbare Verzerrung wiedergeben können, ich brauche schließlich meine Ohren auch morgen noch ;)


    Ich wollte in das Thema IEM sowieso erst einmal günstig einsteigen, und dachte mir daß die IE40PRO bei einem späteren Upgrade auf irgendwas mit Custom Molds und BA-Treibern ja kein verlorenes Geld sind, sondern immer noch als Backup herhalten könnten. Meine ersten Erfahrungen mit den IE40PRO haben dann aber bereits so überzeugt, daß ich den Upgrade nicht für nötig befand, und mein Geld in andere Dinge steckte (L80-Becken fürs heimische Üben, und Audix D1/2/4 Mikros für meine Trommeln, ich denke ich habt Verständnis für solcherlei Investitionen ;) ? )


    Ich habe dann irgendwann ebenfalls festgestellt, wenn ich meine Hifi-Knöpfe mit Foam Tips bewaffne, funktioniert das, im Gegensatz zu den gängigen Glaubenssätzen, ebenfalls sehr gut und klingt sehr brauchbar (Ich stimme dem gesagten zu, selbst das ist schon deutlich besser als die übliche Proberaum-Klangsuppe). Die Über-Ohr-Kabelführung der Musiker-IEM fehlt halt, weswegen ich diese Lösung aus praktischen Gründen nicht empfehle.


    Für Custom Molds würde ich tatsächlich irgendwann noch mal Geld in die Hand nehmen, ich habe ein paar angepasste Elacin-Gehörschutz mit 15dB-Filtern. Der Tragekomfort ist gegenüber Memory-Foam-Tips schon deutlich besser.

    "Leute im Internet erfinden immer irgendwelche Zitate."Albert Einstein

  • Für Custom Molds würde ich tatsächlich irgendwann noch mal Geld in die Hand nehmen, ich habe ein paar angepasste Elacin-Gehörschutz mit 15dB-Filtern. Der Tragekomfort ist gegenüber Memory-Foam-Tips schon deutlich besser.

    Angepassten Gehörschutz habe ich auch seit Jahren, das ist perfekt, daher denke ich jetzt auch nur noch in Richtung angepasste IE, die "Standardmodelle" halten bei mir einfach nicht genug, auch Schaumstoff/gute Foams habe ich schon probiert.

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  • Ich besitze Otoplastiken mit Elacin-Einsatz von hearsafe. Als ich mal geschaut habe, was InEar-Treiber dafür kosten, habe ich erst mal Abstand davon genommen. Dann habe ich festgestellt, dass meine alten beyerdynamic DTX101 IE in die Otoplastiken passen, wenn man das Ohrgummi entfernt. Ob Ohrhörer aus aktuellen Serien von beyerdynamic passen, weiß ich nicht.


    Allerdings hat das Problem für mich an Relevanz verloren, seit ich fast nur noch Besen spiele. Ich bin so leise, dass ich keinen Gehörschutz brauche und der Bühnensound passt bei meiner Band i.d.R. ganz ohne Monitoring, da wir keinen Gesang haben und die Instrumentenverstärker völlig ausreichen. Auf Bühnen, die dafür zu groß wären, kommen wir eher nicht.

  • Ich dachte immer, Musikerstöpsel seien nur teuer wenn sie Customized (also mit Otoplastik) sind. Da ist das nachvollziehbar, da jeder einzelne Hörer mit viel Handarbeit gefertigt wird. Otoplastiken haben durchaus ziemlich verschiedene Formen, und man muss jedes Mal aufs neue entscheiden, wie man die Treiber darin platziert. Bei Produktion in einem Industrieland ist das einfach durch den Arbeitsaufwand sauteuer. Dass Musikerhörer in Standardgehäusen teurer seien als Hifihörer ist mir noch nicht aufgefallen.


    Bzgl. Klangqualität ist das tatsächlich so eine Sache. M.E. fängt es so bei 50€ an, dass Inears brauchbar klingen. Auf der Bühne ist die absolute Klangtreue m.E. vollkommen überflüssig, da man bei irrer Lautstärke mit haufenweise durchdringendem Bühnensound (zumindest in den Bässen) und Mikrofonübersprechen sowieso nicht in Schwärmereien über Präzision und transparente Höhen ausbrechen wird.


    Ich selber verwende allerdings nur noch Customized In-Ears, weil sie die einzigen sind, die bei meiner Gehörgangform wirklich sicher sitzen. Ich singe ja auch, und es gibt nichts schrecklicheres als wenn mitten im Song plötzlich im rechten Ohr volle Mütze das Schlagzeug reinplärrt und man keine Hand frei hat, um das Problem zu beseitigen.

    Nix da.

  • Begründete Frage vom Thread Ersteller, welche sich nicht pauschal beantworten lässt.

    Ich werde versuchen als kleiner Hersteller von In-Ears möglichst neutral meine Erfahrungen hier wieder zu geben.


    Zu Beginn möchte ich die Kriterien zur Entscheidung für ein bestimmten In-Ear Hörer in 5 Punkte aufteilen:


    1.) Der Sitz

    Es wird oft angenommen, dass ohrangepasste Hörer pauschal das Optimum in Sachen Sitz darstellen.

    Da die Anatomie jedes Menschen aber einzigartig ist und ein starre Otoplastik nur eine Momentaufnahme darstellt,

    kann ich dieser pauschalen Annahme durch meine Erfahrung wiedersprechen.

    Es gibt natürlich Menschen bei denen der Sitz von Custom Hörern über „einen längeren Zeitraum“ super bleibt und auch die Mimik und Gestik auf der Bühne keine Probleme macht.

    Nach einigen Custom Hörern unterschiedlicher Hersteller innerhalb der letzten 12 Jahre kann ich sagen „ich gehöre nicht dazu“!. 

    Das mal nur vorne weg und weitere Vertiefung zu Customs Vor- und Nachteile wären jetzt Off-Topic.


    Bei einem Hörer mit Aufsatz (wie die genannten Kandidaten) gibt es einen immensen Unterschied, wie stabil und angenehm diese im Ohr sitzen. Oft wird die Stabilität auf den Aufsatz der in den Gehörgängen steckt reduziert, was leider nicht mehr Zeitgemäß ist und den Stand von In-Ear Hörern vor 20 Jahren beschreibt.

    Die InEar Stagediver haben schon eine sehr clevere Form die im Schnitt recht vielen Menschen passt.

    Gerade bei einem Hörer in Massenproduktion ist es einem Hersteller natürlich sehr wichtig, dass die Hörer bei möglichst vielen Menschen ins Ohr passen.

    Die klassischen China Kandidaten haben hier oft nicht so ergonomische Gehäuseformen und Größen, die vor allem je nach Modelltyp auch nochmal komplett unterschiedlich ausfallen.

    Trotzdem bedeutet ein „ins Ohr passen“ in den seltensten Fällen einen guten und stabilen Sitz im Ohr!

    Genau hier liegt auch das Hauptproblem der Erfahrungen mit UNIVERSAL Hörern.


    Für die Performace auf der Bühne ist eine sicherer und stabiler Sitz natürlich wichtig.

    Wer möchte sich schon ständig an die Ohren fassen müssen!?

    Ich habe regelmäßig völlig überraschte Kunden, die sich bei mir durch die verschiedenen Gehäuseformen testen und eben diese krassen Unterschiede feststellen. Oft Kunden die vor dem Test der Meinung waren „Hörer mit Aufsatz passen bei mir nicht und sind ja nicht sehr angenehm“. Bei diesem sehr wichtigen Punkt sollte man sich Zeit nehmen und durchprobieren!

    Im Idealfall kann man die Gehäuseform unabhängig der klanglichen Abstimmung und Bestückung wählen und sogar ggf. noch anpassen lassen... hier kenne ich aber aktuell nur einen Hersteller der sowas in Handarbeit macht... :S



    2.) Der Headroom

    Ich denke das Thema Headroom wird nur allzu oft falsch eingeschätzt.

    Einem sehr bassig abgestimmter Hörer wird fälschlicherweise oft „viel Headroom“ unterstellt und einem sehr flach und neutral abgestimmten Hörer „wenig Headroom“ (vor allem im Bass) unterstellt.

    Ein Schlussfolgerung auf diese Weiße zu ziehen halt ich für alles andere als ratsam.

    Tatsächlich sind oft die günstigeren Hörer (mit günstigeren und kleineren Treibern) sehr bassig abgestimmt.

    Live Signale auf der Bühne sind sehr dynamisch mit einem sehr hohen Crest-Faktor und nicht mit stark komprimierter Musik zu vergleichen.

    Wen das Thema näher interessiert, empfehle ich zum Verständnis ein Blick auf Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/Scheitelfaktor


    Hifi In-Ear Hörer welche für den „normalen“ Musikkonsum gefertigt werden, besitzen meist nicht die Dynamik welche bei einem Einsatz mit hohem Crest-Faktor benötigt wird! Hat man keinen Einblick oder Erfahrung zu den verbauten Schallwandlern hilft nur LIVE TESTEN!



    3.) Die Streuung in der Fertigung

    Hier gibt es nochmal deutliche Unterschiede welche ich kurz anreisen möchte.

    Gerade bei Hörern aus dem asiatischen Raum wird aggressiv mit Vielen Treibern für wenig Geld geworben.

    Aufgrund des Platzangebotes in In-Ear Hörern gibt es aber nicht die Möglichkeit, aufwendige Frequenzweichen mit hoher Güte und großen Bauteilen zu realisieren.

    Somit ist es bei vielen marktüblichen Produkten völlig normal, dass sich die Übertragungsbereiche mehrerer Treiber stark überlappen.

    Dies kann zu ungewollten Interferenzen führen, die den Sound grundsätzlich verschlechtern.

    Insbesondere fallen die unvermeidlichen Fertigungstoleranzen in den Überlappungsbereichen besonders ins Gewicht, was abermals die maximal erzielbare Klangqualität reduzieren kann.


    Je mehr Treiber zum Einsatz kommen umso schärfer muss eine Selektion der Treiber stattfinden, was einem höheren Ausschuss zu Folge hat. Ich habe von besagten asiatischen Produkten schon einige grobe Ausreiser auf dem Tisch.



    4.) Die klangliche Abstimmung

    Geschmäcker sind verschieden und prinzipiell ist erlaubt was gefällt. Ich kann allerdings sagen, dass vor allem bei preiswerten Produkten versucht wird mit Viel Bass schwächen zu überdecken. Stark verbogene Abstimmungen zwingen einen leider auch dazu das In-Ear auf der Bühne recht laut zu machen, um alle wichtigen Informationen hören.

    Wenn ich fertige Musik meiner Lieblingsinterpreten höre, bevorzuge ich ein warmes und eher weiches Klangbild mit dezenten Mitten und dezentem Präsenz.

    Auf der Bühne muss ich aber mit sehr rohen und dynamischen Signalen klar kommen und muss ggf. sogar noch mit den EQ’s des FOH Manns leben. Hier sind mir die Mitten und der Präsenz natürlich wichtig um die Hörer nicht zu laut fahren zu müssen.

    Der Schutz des Gehöres ist bei lautem In-Ear sehr schnell dahin und sogar das Gegenteil ist der Fall!

    Daher habe ich die Überzeugung: „So laut wie nötig, aber so leise wie möglich!“

    So wie sich unser Ohr an hohe Lautstärken temporär gewöhnen kann, so kommt man auch recht schnell mit sehr moderatem Pegel auf der Bühne gut aus. Transparent, Fett und Druckvoll muss nicht laut sein!


    Um Beeble beizupflichten: Ein guter Mix auf dem Ohr macht natürlich erstmal mehr aus, als die klangliche Abstimmung vom Hörer.

    Auf der anderen Seite kann man mit nem guten Hörer bei einem schlechten Mix (den man nicht immer beeinflussen kann) nochmal deutlich mehr hören.



    5.) Zuverlässigkeit

    Natürlich kann man sich 10x den 50,- Euro Hörer kaufen, bis man die Investition eines 500,- Euro Hörers getätigt hat.

    Wenn aber das Kabel ständig Stress macht und jeder zweite Hörer desselben Typs unterschiedlich klingt, zudem evt. je nach Paar noch Unterschiede im Panorama besteht, würde mich das auf Dauer nerven.

    Auch akustische Filter sind bei günstigen In-Ears im seltensten Fall tauschbar, was ein deutlichen höheren Verschleiß zur Folge hat. (ökologisch fraglich)


    Für den Heimgebrauch spielt die Zuverlässigkeit weniger eine Rolle, aber auf der Bühne machen zuverlässige Werkzeuge definitiv Sinn, um sich auf das Wesentlich zu konzentrieren.



    Abschließend möchte ich festhalten.

    Die Auswahl des „richtigen“ In-Ear Hörers ist so subjektiv wie sie nur sein kann.

    Es muss auch nicht immer teuer sein und das Angebot im Markt ist mittlerweile gigantisch Groß!


    Das wichtigste um auf eigene Faust den richtigen Hörer zu finden ist die Bereitschaft „Zeit zu investieren“ und entsprechend zu testen!

    (was natürlich einer individuellen Beratung nicht widerspricht 8o )

  • Wir spielen mit unserer Krawallcombo nur noch mit In Ears, ist besser für die Ohren, und man ist bei Auftritten unabhängiger. Unser Basser hat was extra angepasstes, das war ein endloses Gewurschtel, weil er seine Frequenzen nicht gescheit gehört hat. Richtig zufrieden ist er immer noch nicht, ist er soundmäßig aber sowieso selten. Gitarrero, Gitarrista und Sänger haben sich so Mittelklasse-Stöpsel geholt (also "richtige" Musiker-InEars) und sind damit ganz zufrieden. Bei uns hat jeder seinen eigenen eingestellten Mix auf dem Empfänger. Ich benutze Kopfhörer, finde ich bequemer. Ich hatte zum Einstieg ein günstiges InEar-Modell von Fender, damit konnte man arbeiten, ich hab nur nicht so gern Stöpsel in den Ohren.


    Das Auswählen von solchen Dingern ist wie wahrscheinlich alles auch eine Einstellungsfrage. Will man die letzten 10% herauskitzeln, kann man da mit Sicherheit optimieren, bis der Arzt kommt. Wenn ich regelmäßig welche tragen müsste, würde ich mir welche anpassen lassen. Denn ich bin an den Ohrwatscheln etwas empfindlich, deswegen ist mir ein gut abschließender Kopfhörer lieber, auch wenn ich dadurch etwas schwitze um die Ohren. 2 Kriterien hat das für mich: Es muss bequem sitzen und einen für meine Ohren ansprechenden Sound asspucken. Ist wie bei Trommeln und Becken.

    667 - The Neighbour Of The Beast!!

  • Die Unterschiede sind für mich schon da. "Professionelle" Inears haben fast ausschließlich wechselbare Kabel, die dann auch noch verstärkt sind. Außerdem weisen Inears für Musiker meist eine höhere Dämpfung von Außengeräuschen auf, was im Hifi-Bereich eher vernachlässigbar ist. Bei den Kosten scheiden sich die Geister. Da hängt auch vieles von Gewohnheiten oder persönlichem Geschmack ab. Mir persönlich waren beispielsweise die günstigen Hörer vom großen T im Vergleich zu Shure SE535 viel zu dumpf und unpräzise im Bassbereich.

    Generell aber thumps up für Inears im Proberaum und Live. Auch wenn man sich erst dran gewöhnen muss. Insbesondere wenn man nicht die Möglichkeit hat, Ambience-Mikros zu nutzen, ist die Kommunikation mit dem Publikum etwas gewöhnungsbedürftig. Zwischen den Songs kann man natürlich einfach auch mal einen Hörer rausziehen oder auch bei Mitsing-Parts, wo eh nur die Kick durchläuft.
    Aber der große Gewinn von Inears ist einfach, dass man viele Lärmquellen auf der Bühne eliminiert und sich (für meinen Geschmack) viel besser konzentrieren kann und auch nach 3,5-Stunden-Gigs ohne Ohrenklingeln nach Hause fährt.

    Bei meiner Band gibt es außer Drums und Gesang gar keine Lärmquellen mehr auf der Bühne. Gitarren gehen direkt über Kemper ab ins Pult, Bass über DI, Keys sowieso. Keine 4x12er Boxen oder Basstürme. Da ist Inear dann die sinnvolle Ergänzung für mich.

  • Meine ersten In-Ears waren die Creative EP-630. Nutze ich seit 16 Jahren für den Hausgebrauch. Z.Z. habe ich mein 3. Exemplar, glaub ich. Kostenpunkt 20€. Hauptsächlich nutz(t)e ich die natürlich zum Musikhören unterwegs. Aber auch für den Klick hatte ich sie schon live eingesetzt - in Kombination mit "old school" Monitorboxen.

    Zwischenzeitig hatte ich mal andere Hifi In-Ears im selben Preisbereich getestet und weiß, warum ich die EP-630 immer noch nutze: Die Färbung ist vergleichsweise unaufdringlich mit leichten Betonungen bei schätzungsweise 200Hz und 6kHz. Zu starke "Badewannen" mag ich auch nicht, egal für welchen Zweck.


    Seit knapp 2 Jahren nutze ich die Shure SE215 für Aufnahmen. Auch ohne Effekte macht das im Proberaum mit komplett mikrofoniertem Drumset einfach mehr Spaß als mit Gehörschutz. Kürzlich hatte ich die auch mal zum Musikhören unterwegs benutzt und habe festgestellt, dass der Klang schon etwas besser als der der EP-630 ist. Runder und ausgewogener, insgesamt angenehmer.

    Auch die Kabelführung und der Sitz ist besser und sicherer als mit den EP-630. Bin gespannt, wie lange ich mit denen noch hin komme. Live hatte ich sie noch nicht im Einsatz.


    Die Relevanz von In-Ears zum Schutz des Gehörs kann ich nicht ganz nachvollziehen. Man kann doch sowohl zum Üben und Proben als auch auf der Bühne mit herkömmlichem Monitoring über Monitorboxen mit Gehörschutz spielen. Das mach ich seit vielen Jahren nur so. Da ist mir mein Gehör und ein entspanntes Spielen trotz hoher Grundlautstärke einfach wichtiger als eine laute Monitorbox, die in ein paar Mikros rotzt. Auch wenn die Bandkollegen ohne Gehörschutz spielen.


    Ich denke, die Wahrheit liegt da irgendwo in der (für jeden individuellen) Mitte. Spezielle "Musiker In-Ears" haben durchaus ihre Daseinsberechtigung und entsprechende Vorteile, denk ich. Mir reichen halt z.Z. die SE215.

  • Die Relevanz von In-Ears zum Schutz des Gehörs kann ich nicht ganz nachvollziehen. Man kann doch sowohl zum Üben und Proben als auch auf der Bühne mit herkömmlichem Monitoring über Monitorboxen mit Gehörschutz spielen. Das mach ich seit vielen Jahren nur so. Da ist mir mein Gehör und ein entspanntes Spielen trotz hoher Grundlautstärke einfach wichtiger als eine laute Monitorbox, die in ein paar Mikros rotzt. Auch wenn die Bandkollegen ohne Gehörschutz spielen.

    Genau das. In Ears oder Gehörschutz, ohne gibts kein Proben oder Spielen auf der Bühne. Da ich live tatsächlich keine In Ear Lösung verwende, stopf ich mir einfach die Alpine Hearsafe Dinger oder wie die heißen rein und los gehts. Ob Gitarristen/Sänger oder irgendwer anders sowas verwenden ist mir recht wurscht. Mir ist das ohne zu laut.

  • Generell erwarte ich von "Pro"-Equipment - egal in welchem Bereich (ob In-Ears, Foto-Kamera, Sportgeräte oder sonstwas) - dass es auch unter widrigen Bedingungen (Luftfeuchtigkeit, erhöhnte mechanische Belastung, verminderte Pflege, häufiger Einsatz...) zuverlässig funktioniert.

    Beim Thema In-Ears gibt es ohne Frage sehr gut klingende und funktionierende Consumer-Teile. Sowas nutze ich natürlich auch, habe aber für den "worst case" immer entsprechenden Ersatz dabei. Im Pro-Bereich würde ich das nicht unbedingt für erforderlich halten.

    Hätte ich 500-Euro-Stagediver und würden mir diese einfach auseinander fallen, dann wäre das für mich ein Grund, den Hersteller zu verklagen. Sowas geht gar nicht.

  • Verklagen? Auf welcher Grundlage denn?

    Verklagst du auch Remo wenn dir mitten im Song das neue Snarefell reißt?


    Ich bin ja ganz deiner Meinung, dass sowas bei 500€ Inears garnicht geht, aber ich glaube da hättest du vor Gericht schlechte Karten bzw. würde die jeder Anwalt davon abraten.

  • Verklagen? Auf welcher Grundlage denn?

    Verklagst du auch Remo wenn dir mitten im Song das neue Snarefell reißt?

    Meine Güte, natürlich nicht ernsthaft. ^^

    Wer mich näher kennt, weiß, dass ich gerne bei Kleinigkeiten mit Klageandrohungen um mich werfe. :D

    Ich habe ja nicht einmal eine Rechtsschutzversicherung.

    Obwohl....

    ...hat Remo auch Pro-Versionen im Programm? :saint:

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