Organisatorisches VOR Gigs

  • Liebe Community,


    wie schaut das bei euch so im allgemeinen aus, wenn Gigs ausgemacht werden? ich spreche jetzt von reinen Hobbybands, bei (Semi)Profis mit Label/Booker usw schaut das sicher ganz anders aus, aber wenn die Band selbst das ganze Organisatorische rund um einen Gig schupfen muss, macht das die ganze Band oder ein einzelner (der womöglich von der Logistik eines Drummers keine Ahnung hat)?

    Ich meine diese ganzen Infos wie: wann ist Aufbau/Abbau? gibts eine Backline/Mischpult/Lautsprecher/Tontechniker usw.? Getränkebons/essen/Gage? Wenn ja, wieviel? Ist die Möglichkeit gegeben ein banner zu montieren? Gibts eine Bühne oder steht die Band quasi am Boden? Ist ein Teppich vorhanden oder muss der Drummer den auch mitbringen? Falls es Gesangsmikros gibt, wieviele/welche sind das und gibts Mikrofonständer dazu? Wird das Drumset mikrofoniert (falls überhaupt ein Techniker da ist)? usw. usf.

    Unzählige Fragen stell ich mir jedesmal, aber meist wird der Gig von jemand anders aus der Band an Land gezogen und ich muss mir mühsam die Infos zsammsuchen, oder bekomm die halt erst vor Ort :rolleyes:


    Anlassfall für diesen Thread war für mich die Diskussion bei der gestrigen Probe. Unser Sänger hat uns einen Gig eingetreten bei einem Straßenfest am 1. August (wissen wir schon ca. seit Mai), und gestern sind wir draufgekommen, dass es nicht nur 4 Bands sind, wie ich angenommen hab und es mir die Organisatorin des Straßenfestes, die bei unserem letzten Gig zuschauen war, so auf die schnelle zwischen Tür und Angel dargestellt hat, sondern das ganze Festl geht von 16-22 Uhr und es sind ganz viele Musiker, meist Einzelmusiker oder ein Duo, wir sind die einzige richtige Band mit Drums usw.... der Rest ist nur so Akkordeon+Gesang, Gitarre+Gesang oder irgendwelche seltsamen Handtrommeln oder Zeugs, von dem ich noch nie was gehört hab, zb. ein einzelner Typ mit einem Balafon (geniert euch nicht, wenn ihr das auch erst mal googeln müsst. Die Slots gehen von 15 Minuten bis eine knappe Stunde. Wir haben 30 Minuten und sind gegen 19:30 Uhr dran.

    Wir haben gestern also eine verkürzte Setlist zusammengestellt (unser Basser "aso? ich dachte, wir können dort ein ganzes Set spielen?") und dann haben wir noch diskutiert, ob und wann es wohl einen Soundcheck geben wird... ich hab dann auch protestiert, weil mich dieses Festl null interessiert und dachte, ich werde halt kurz vor uns aufbauen und gleich danach wieder abbauen und heimfahren. Jetzt meinen die anderen aber, vermutlich muss ich vor 16 Uhr aufbauen und nach 22 Uhr abbauen. Pffff...! ich hab echt keine Lust dort 7 stunden zu verbringen. Was mich dabei auch auf die Palme bringt: "der Sänger hat sich quasi ins Zeug gelegt und uns den Gig verschafft und sich dafür 2x mit der Organisatorin getroffen" (Zitat Gitarrist) - ja, und dann sind solche Frage offen???? Am meisten auszucken könnt ich dann, wenn sie noch sagen, das machma schon, wirst sehen, wird lustig, blabla :cursing:

    an die Straßenfesterfahrenen unter euch: wie ist das üblicherweise so, müsst ihr den ganzen Tag dort verbringen, oder dürft ihr kurz vor Auftritt auf- und gleich danach abbauen? Ich denk mir, beim Abbauen wird's gehen, da soll jeder ein Teil (ganzen Beckenständer mit Becken drauf) in die Hand nehmen und hinter die Bühne tragen, dort pack ich das zeug dann zusammen (falls da überhaupt Platz ist hinter der Bühne, falls die Bühne hinten eine wand hat....), aber der Aufbau dauert, auch wenn ich sehr schnell bin, ca. 15 Minuten. und wenn das so streng getaktet ist, soll ich die 15 min. Aufbau dann von unserer 30 Minuten Spielzeit abziehen :D ? Oder verschiebt sich dann dadurch das Programm nach hinten? Um 22 Uhr muss ja Schluss sein, ist ja auf der Straße...

    wir haben dann gestern beschlossen, uns alle gemeinsam mit der Organisatorin zu treffen nächste Woche (hoffe sie hat Zeit). Ich hoffe, ich kann all diese Fragen dann klären. Vermutlich hat die sicher auch ned an sowas gedacht, da wir die einzige Band mit "Rock"-Equipment sind.


    ja, und so ähnlich gehts mir bei fast allen gigs, wo wir vorher noch nie gespielt haben. Ich weiß nie, was es an Equipment vor Ort so genau gibt und muss immer nachbohren wegen den Zeiten (wann Soundcheck, wann müssen wir da sein, wann haben wir stagetime usw.)

    deshalb spiel ich auch so gern da, wo wir schon mal waren, wenigstens kenn ich da dann schon die Logistik rundherum.

    im nächsten leben werd ich Sänger, da hast solche sorgen ned :evil:


    Falls jemand für seine Antworten/Vorschläge genauere Info braucht, hier wäre der Flyer. Vielleicht könnt ihr euch anhand des Programms mehr vorstellen, wie das ablaufen könnte und mich vorab beruhigen, bis wir die Tante treffen.


    Dieser Thread soll also erstmals mir im Anlassfall helfen, in weiterer Folge allgemein gehalten werden, da es - zumindest bei mir - nicht nur bei diesem gig so abläuft. Es ist jedes verdammte mal so, dass ich noch 100 Fragen hab, an die niemand gedacht hat. Hab nur ich so mühsame Bands??

    Lieber brennende Herzen, als erloschene Träume! <3 xxxx Love life, and live! - It's worth it.


    “You are never too old to set another goal, or to dream a new dream.” ― C.S. Lewis


    Don‘t waste your time or time will waste you. (Muse - Knights of Cydonia)

  • Ich kenne das ganze Prozedere so, dass man als Band einen Stagerider aufsetzt mit den benötigten Gegebenheiten, wie was brauche ich auf der Bühne an Platz, wer wie wo steht, falls keine eigene Pa etc, wie viele Kanäle benötigt werden, welche Mikros bevorzugt werden, Essen, trinken, Unterkunft etc.


    Die Punkte geht man mit dem Veranstalter durch und gut ist's. So wird man, meistens zumindest, nicht überrascht.

  • Ein Stagerider ist guter Standard bei professioneller Organisation. Dieser ist dann auch Bestandteil des Vertrages. Was Dany hier beschreibt ist die Liga drunter - kein Vertrag, kein Stagerider, unerfahrener Veranstalter. Warum schreibe ich das so, ohne den Veranstalter zu kennen? Weil ein Vertrag und vor allem der Stagerider für den Veranstalter die zentralen Dokumente sind, um die eigene Veranstaltung sicher und erfolgreich durchzuführen. Wenn also gar nicht erst nach dem Rider gefragt wird, ist der Veranstalter nicht professionell im Geschäft unterwegs.

    Das Problem bei Gigs dieser Kategorie ist, dass vorher nichts verbindlich abgesprochen werden kann (siehe oben in Danys Beschreibung). Und vor Ort gibt es dann unnötige und auch nervige Diskussionen darum, ob z.B. das Set direkt vor dem Auftritt aufgebaut werden kann oder schon vor Start des ersten Acts stehen muss. Gleiches dann für den Abbau. Oder es sind keine Mikros da... oder keine Stative... oder die Anlage ist nicht in der Lage, ein Schlagzeug wiederzugeben. Oder es gibt keinen Techniker... You Name it! Ich weiß natürlich, dass es diese Gigs gibt, aber ich hasse sie auch wie die Pest!

  • Ich kenne das ganze Prozedere so, dass man als Band einen Stagerider aufsetzt mit den benötigten Gegebenheiten, wie was brauche ich auf der Bühne an Platz, wer wie wo steht, falls keine eigene Pa etc, wie viele Kanäle benötigt werden, welche Mikros bevorzugt werden, Essen, trinken, Unterkunft etc.


    Die Punkte geht man mit dem Veranstalter durch und gut ist's. So wird man, meistens zumindest, nicht überrascht.

    Genau das + EINE Person, die das ganze als Schnittstelle zum Veranstalter kommuniziert.

    Ich hab mir den Flyer mal angeschaut. Da steht ja schon ein komplettes Programm/Zeitplan (Running Order).
    Das sieht schon ganz schön eng getaktet aus. Da vor und nach Euch jeweils "Musik" im Plan steht, bezweifle ich, dass Du kurz vorher auf- und abbauen kannst.

  • Hab nur ich so mühsame Bands??

    Ich glaube, dass es sicher noch andere so "unprofessionelle" Bands gibt, aber man kann das definitiv besser hinbekommen.


    Fängt für mich bei dem Bewusstsein an, auf Augenhöhe mit Veranstaltern zu kommunizieren, statt sich wie Bittsteller zu fühlen. Der erste Schritt nach erfolgter gegenseitiger Kontaktaufnahme sollte sein "Was brauchen WIR, um bei euch spielen zu KÖNNEN?". Ein durchdachter Rider kann helfen, hier frühzeitig Klarheit zu schaffen. Vor der Zusage sollten auf jeden Fall die Rahmenbedingungen grob geklärt sein. Manche Veranstalter sind erfahren und hoch professionell, andere gedankenlos und unorganisiert, und je mehr ihr schon im Rider definiert, umso weniger kann der Veranstalter nachher behaupten "sorry, wir wussten gar nicht, dass ne Band sowas braucht."

    Sofern es nen Vertrag gibt, würde ich auch immer reinschreiben, dass der Rider Vertragsbestandteil ist, denn dann muss der Veranstalter dafür sorgen, die nötige Technik bereitzustellen. Meist klärt man dann die Feinheiten ein paar Tage vorher noch mit dem Techniker vor Ort und sollte dann halbwegs frei von Überraschungen sein.


    Generell muss man als Band eben auch nen gemeinsamen Nenner finden, was man mitmacht und was nicht. Den von dir beschriebenen Gig würden wir zum Beispiel gar nicht zusagen, ohne wenigsten ne klare Ansage zur Gage und zur Gesamtzeit inkl Auf- und Abbau bekommen zu haben. Und solche Sachen werden nicht zugesagt, ohne dass ALLE ihr OK gegeben haben. Wenn irgendein Bandmitglied das übergehen würde, würde ich freundlich entgegnen "So, und jetzt rufst du nochmal an und ziehst die Zusage zurück, weil du erst nen Aushilfsdrummer finden musst. Ich spiel den Gig nämlich so nicht."

    Glaub mir, das passiert dem nicht nochmal :D


    Intern muss man solche Sachen halt offen und konstruktiv diskutieren. Jeder hat unterschiedliche Belastungsgrenzen, und das sollte ne Band ernst nehmen.


    Zum Thema Aufbau: du baust dein Set backstage schon auf und musst es in der Umbaupause dann nur auf die Bühne tragen. Dauert keine 5 Minuten bei mir. Und wenn vorher und nachher keine Drummer spielen, kann der Tech sogar die Clipmics schob anbringen. Alles andere wär Unfug, und mein Set von 16:00 bis VA-Ende für ne halbe Stunde Spielzeit auf der Bühne stehen lassen zu müssen, wurde von uns früher so kommentiert: "Fällt aus wegen is nich!"

  • Wenn ich mit diesem konkreten Problem und der beschriebenen Situation zu tun hätte würde ich meine Band zwingen den Gig akustisch, halbakustisch oder zumndest so zu spielen, dass ich nur ein Cajon oder so mitbringen muss. Dann könnte ich das Ding bequem rein- und wieder raustragen und es würde vermutlich gut zum Charakter der übrigen Acts passen. Alle anderen möglichen Auswirkungen wären mir da zu ungewiss.

    In einer ähnlichen Situation vor vielen Jahren habe ich mal einen Veranstalter "gezwungen" ein Set auf der Bühne vorzuhalten, das ich nutzen kann ohne mit Auf- und Abbau zu tun zu haben - der wollte die damalige Band aber haben und hat es deshalb gemacht. Ansonsten hätte ich mich auch da auf das nötigste beschränkt.

    fka BigSize

    Einmal editiert, zuletzt von Martin0815 ()

  • Wir haben einen Rider, wo alles technische (Stagerider) steht und auch wie wir uns Verpflegung und Übernachtung vorstellen/wünschen (Hospitality Rider).


    Wichtig ist oft noch, was wir sonst noch mitbringen müssen: Lautsprecher oder Schlagzeug und was sonst noch geteilt werden muss/kann, bspw. Verstärker für Gitarre/Bass.


    Da die Leute bei uns viele Jahre Erfahrung haben, läuft das eigentlich ohne Probleme. Gage ist nicht immer klar, da es da nicht immer feste Zusagen geben kann.


    Wir haben uns auch intern mal besprochen, was wir machen wollen und was nicht. So haben wir bspw. keine Lust einen Gig am Mittwochabend als Vorband 200km entfernt für 50€ zu spielen.

    Einmal editiert, zuletzt von Fl0gging ()

  • Also ich denke, auch als Amateur- oder Semipro-Band kann man ruhig mal einen Stagerider anlegen. Macht euch dahingehend mal schlau, was alles drauf muss (in der Regel sind das die Infos für Venue bzw Tontechniker über euren Aufbau und den Bedarf auf der Bühne).


    Ergänzend dazu kann man auch einen Hospitality Rider aufsetzen, dem dann eure Bedürfnisse Offstage zu entnehmen sind (Backstageraum, Wünsche für Verpflegung, Parkplatz etc).


    Beide Rider, gerade im Amateurbereich, sind weniger als Pflicht, vielmehr als Bitte zu verstehen und erleichtern die Planung für beide Seiten.


    Die Person, die sich um den Gig kümmert (also ja, ein einziger Ansprechpartner im Vorfeld wie vor Ort) schickt den/die Rider hin, der Veranstalter meldet zurück was machbar ist und was nicht.


    Oft wird sowas auch mal übersehen, gerade bei kleineren Shows. In dem Fall würde ich einfach einen kurzen Stichpunktekatalog aufstellen den ihr bei der Planung/Zusage des Gigs an den Veranstalter schickt:

    - Wann ist get-In

    - gibt es einen Soundcheck/Linecheck

    - wann und wie lange ist Stagetime

    - ist Backline vorhanden, wenn ja: welche? wird ggf. Mit anderen Bands geteilt? (Dann bitte Kontakt zu den anderen Bands herstellen, WhatsAppgruppe erstellen etc)


    Sofern ihr ohne Vertrag arbeitet der das miteinschliesst, würde ich noch nach einem Backstageraum/sicheren Lagerort für Equipment fragen sowie Verpflegung.


    Gage ist in der Regel direkt bei der Anfrage zu klären. Je nach Aufwand für euch hängt davon ja ggf ab, ob ihr den Gig spielen wollt. Wenn der Veranstalter nicht von sich aus einen Deal anbietet, würde ich hier vor der Zusage nachfragen.


    Neben der Kommunikation des Bandmitglieds mit dem VA ist dann natürlich die Kommunikation in der Band genauso wichtig.


    Insofern überlegt euch doch mal einen festen Ablauf, an dem ihr euch halten könnt. Wenn ihr schriftlich festhaltet was ihr wissen müsst, kann damit ja jede:r von euch arbeiten.


    Giganfrage kommt rein -> Person X übernimmt die Kommunikation -> Person X schickt, falls nicht seitens des VA bereits beantwortet, Fragenkatalog mit den wichtigsten Fragen -> bei Zusage alle Infos gebündelt an Band geben -> offene Fragen noch mal an den VA stellen (bestenfalls auch gebündelt) und antworten retour an die Band.


    Wenn ihr die Übersicht verliert, legt euch in einem Orgatool, auf das alle Zugriff haben (Trello, Quire, Konzertmeister - im Grunde reicht auch Excel) pro Gig alle Infos ab, dann habt ihr maximale Transparenz.


    Hoffe das hilft :)

  • Nur ein kurzer Kommentar zum konkreten Gig:

    Scheu' dich nicht davor, mit minimalem Set da anzurücken. Nicht aus Trotz, sondern weil es einfach viel praktikabler und transportabler ist und keiner den Unterschied bemerkt.

    Ideal ist da übrigens ein Sample-Pad wie SPD-SX pro mit Kick-Pad. ;) Kompakt, nur 1 Kabel zur Stagebox, keine Mikrofonierung erforderlich, und klanglich, meiner Erfahrung nach, auch nicht schlechter als ein spärlich mikrofoniertes Set ohne Soundcheck.

    Aber das muss man natürlich wollen. :)


    Ansonsten generell: Es sollte einen Ansprechpartner / Organisator in der Band geben, der mit einem Rider oder einer Checkliste zum Veranstalter geht und alles abklärt. Man kann immer Kompromisse eingehen, aber man sollte natürlich wissen oder absprechen, was tatsächlich machbar ist oder was Probleme generieren würde.


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