Huch was ist denn hier los?
Eigenes und Fremdes
Mich wundert die Geringschätzung von Bands, die eigenes Material
zum Besten geben. Das finde ich für ein Musikerforum erstaunlich.
Ich spiele seit Tag eins immer zumindest in einer Band, die eigene
Stücke präsentiert. Immer mit maximalem Engagement und minimalem
Erfolg. Aber es hat mich immer zu 100 Prozent befriedigt. Und spätestens
mit 30 glaubt man nicht mehr an Karriere und macht es, weil es einfach
geil ist. Mit meiner aktuellen Bluesrock-Combo (bei der ich seit 34 Jahren
an Bord bin) spielen wir Gigs mit fast nur Eigenem und welche mir fast
nur Covers. Ersteres ist mir natürlich lieber.
Ein Hinweis an die Cover-Fraktion, zu der ich ja auch gehöre: Irgendwer
muss die Originale doch in die Welt bringen, damit die Cover-Bands sie
covern können. ![]()
Ich persönlich höre mir lieber ein paar junge Amateure an, die mit Herzblut
ihren Shit rausposaunen als eine Covertruppe, die das spielt, was ich eh schon
tausendmal gehört habe. Aber wenn's eine Coverband gut macht, hat sie
meinen Applaus und Respekt.
Was mich wundert, ist die vorherige Beschreibung, dass man ganz plötzlich
eine Band hört, die Eigenes spielt und man dann ganz pöse, pöse überrachst
ist und das einem gar nie nicht gefällt. Mhm. Ich stolpere ja auch so halbwegs
planlos durchs Leben, aber wenn ich in einen Club, in eine Kneipe, einen Biergarten
oder auf wie auch immer geartetes Fest gehe, weiß ich vorher so im Groben, was
mich erwartet. Überraschungen finden dabei wo gut wie nie statt. Aber offenbar
bin ich da eine Ausnahme. ![]()
Gage, Gema, Hut
Ich spiele seit gefühlt 800 Jahren auf Open Airs, in Clubs, Kneipen und Biergärten
und immer in Amateurbands. Dass wir jemals Profis Gigs "weggenommen" hätten,
war nie ein Thema. Ein paar Freunde von mir bestreiten ihren Lebensunterhalt
mit Gigs. Die Jobs, die die spielen, waren nie auf meiner Liste. Ich begleite keine Künstler
auf Tour, spiele nicht im Studio für andere und auch keine Firmenveranstaltungen
oder Galas. Das sind andere Futtertröge. Ich habe in meinem Leben vielleicht 15 mal
im Colos in AB gespielt und auch da nehme ich keiner Profitruppe ein Mü weg. Dafür
sorgt die CS-Crew schon ganz alleine. ![]()
Und Gage etcpp. Ich will kein Geld mitbringen und ich spiele auf kommerziellen
Veranstaltungen nicht mehr für umme. Ein paar mal war ich so blöd. Unterm Strich
hat mich Musikmachen mehr Geld gekostet, als es mir eingebracht hat. Ich hatte teilweise
30 Gigs im Jahr, heute sind es eher zehn. Aber um Kohle ging es keine Sekunde.
Musikmachen hat mir menschlich und musikalisch so unfassbar viel Gutes gebracht,
das ist mit Geld nicht zu bezahlen.
Nowas zu Covers vs Eigenem
Neulich haben wir in einem Biergarten gespielt. Wir bekamen Festgage. Irgendwer kam
auf die Idee, mitm Hut rumzugehn. Wir haben dann gesagt, dass wir die Kohle spenden
uns so kamen 800 Euro zusammen. Und einmal im Jahr veranstalten wir kurz vor
Weihnachten zwei Benefizkonzerte, bei denen wir unplugged und mit ein paar befreundeten
Gästen spielen. Da spielen wir ausschließlich Covers, bei denen ordentlich in die Materie
eingegriffen wird. Das machen wir jetzt seit über zehn Jahren. Und bisher haben wir
weit über 100.000 Euro gespendet. Das hätten wir mit eigenem Zeuch nicht geschafft.
Mist.
fwdrums